Silver Linings - Wenn Du mir, dann ich Dir (2012)

OT: Silver Linings Playbook - 122 Minuten - Komödie / Drama
Silver Linings - Wenn Du mir, dann ich Dir (2012)
Kinostart: 04.01.2013
DVD-Start: 31.05.2013 - Blu-ray-Start: 31.05.2013
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Filmkritik zu Silver Linings - Wenn Du mir, dann ich Dir

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Die romantische Komödie ist das wohl ungeliebteste Genre unter zahlreichen Filmfans. Meistens zurecht, versumpft doch kaum eine Filmgattung so sehr in Klischees. Abgesehen von ganz wenigen, löblichen Ausnahmen wie (500) Days of Summer bekommt man vor allem immer wieder “more of the same”. Überraschungen, interessante Charaktere und spannende Geschichten bekommt man kaum zu Gesicht, stattdessen gehen die meisten Filmemacher auf Nummer sicher und grasen die treuen Anhänger ohne viel Ambition ab. Doch nicht so David O. Russell (Three Kings, The Fighter), der bei seinem äußerst charmanten Genrebeitrag Silver Linings eine toll gespielte, kreative und unheimlich charmante Lovestory präsentiert, die nur so gespickt ist mit herrlichem Humor und schrägen Figuren.

Pat Solatano (Bradley Cooper) ist ein etwas schwieriger Typ: Nachdem er seine Frau Nikki (Brea Bee) mit ihrem Liebhaber auf frischer Tat ertappte, rastete er aus und verbrachte deshalb die letzten acht Monate in einer psychiatrischen Einrichtung. Nun ist er trotz einer bipolaren Persönlichkeitsstörung wieder auf freiem Fuß und zieht zu seinen Eltern (Jacki Weaver und Robert de Niro). Er hofft, dass er mit einem Ziel vor den Augen seine Wutausbrüche unter Kontrolle bringt: Trotz einer einstweiligen Verfügung will Pat wieder mit seiner Frau zusammenkommen. Unverhoffte Hilfe bekommt er von der schrägen Tiffany (Jennifer Lawrence), deren Mann bei einem Unfall gestorben ist und die seitdem mit jedem ins Bett steigt um ihrer Einsamkeit zu entfliehen. Sie bietet ihm an seine Briefe zu Nikki zu bringen, wenn er dafür ihr Partner bei einem Tanzwettbewerb wird...

David O. Russell ist wahrlich nicht irgendwer und der talentierte Filmemacher hat immer wieder bewiesen, dass er es versteht traditionelle Genregrenzen auszudehnen und seine Filme mit schrulligen Figuren zu durchziehen. Und Silver Linings macht bereits recht früh klar, dass man es mit einem etwas ernsthafteren und integrerem Stück Film zu tun hat, als man es innerhalb der Grenzen der romantischen Komödie normal gewohnt ist. Man sieht tatsächlich plastische Figuren, die echte Probleme haben und die nicht den Eindruck machen, dass sie perfekt auf eine Zielgruppe zugeschnitten wurden. Der Film erlaubt sich seine Ecken und Kanten und funktioniert deshalb so gut, weil hier wirklich ein Filmemacher dahinter steht, der eine Geschichte erzählen will, ohne alles nach einer ominösen Zielgruppe auszurichten.

Konsequenterweise sind die beiden Hauptfiguren auch keine glatten Typen von der Stange, sondern ernstzunehmende Menschen, deren Probleme nicht einfach nur als Show missbraucht werden. Besonders in der ersten Hälfte des Films schildert David O. Russell penibel welche Probleme Pat und Tiffany mit sich herumschleppen und welche Auswirkungen diese Probleme auf ihr Umfeld haben. Gleichzeitig gelingt ihm aber das Kunststück, dass der Film nicht zum reinen Problemfilm mutiert, sondern sich stets seinen leichtfüßigen Charakter bewahrt. Der Humor funktioniert, ohne dass man dafür die Integrität der Geschichte verraten müsste und auch die Chemie zwischen allen Figuren ist äußerst stimmig. Zwar folgt auch Silver Linings streng genommen dem groben Schema einer romantischen Komödie, aber der Weg zum Ziel ist hier einfach viel ambitionierter und zufriedenstellender, als bei den meisten Genrekollegen.

Einer der Hauptgründe warum der Film so gut funktioniert ist vor allem die durch die Bank fabelhafte Schauspielleistung. Überraschenderweise zaubert Bradley Cooper, der bisher vorwiegend durch Charisma und weniger durch großes Schauspiel aufgefallen ist, eine der besten Darstellerleistungen des Kinojahres aus dem Hut - weil es ihm vortrefflich gelingt seine Krankheit authentisch und nicht anbiedernd darzustellen und er trotz seines problematischen Charakters die Herzen des Publikums erobert. Dass Jennifer Lawrence eine der vielversprechendsten Jungdarstellerinnen ist, hat sie bereits mit Winter’s Bone und The Hunger Games bewiesen, deshalb kommt ihre Glanzleistung weniger überraschend, aber nichts desto trotz sorgt ihr feines Spiel für zahlreiche Höhepunkte im Film. Und nicht zu vergessen sind natürlich die ebenfalls großartigen Nebendarsteller, vom fabelhaften Robert de Niro, bis hin zum überraschend charmanten Chris Tucker. Der gesamte Cast verdient sich viel Lob, aber besonders Cooper, Lawrence und de Niro spielen grandios.

Was Silver Linings ebenfalls auszeichnet ist, dass der Film viel Wert auf Details legt - von den kleinen Beobachtungen im Zusammenspiel zwischen Vater und Sohn, bis hin zu den messerscharfen Dialogen und den kleinen Gesten des Films, ist alles am richtigen Ort und fügt sich wudnerbar in das überaus stimmige Gesamtbild ein. Es ist dabei eigentlich fast völlig egal, dass man zahlreiche Plotpoints erahnen kann und dass auch Silver Linings nicht völlig mit dem Genre bricht. Der Film lebt weder von den Überraschungen, noch versucht er das Genre neu zu definieren, viel eher gelingt David O. Russell der eindrucksvolle Beweis, dass sich in der klassischen “Boy meets Girl” Geschichte immer noch herzerwärmende Varianten entdecken lassen - besonders dann, wenn der Film sich nicht anbiedert, sondern einfach nur von authentischen Figuren erzählt, die auch Probleme mit sich herumtragen.

Silver Linings funktioniert mitunter auch deshalb so gut, weil der Film nie über seine Figuren urteilt, oder sich über sie stellt. David O. Russell ist auf der Seite der Außenseiter und lässt uns an ihren Schrullen teilhaben, sodass wir sie langsam kennenlernen können und uns mit den Charakteren identifizieren. Dem Film gelingt es auf diese Weise famos einen herrlich durchgeknallten Mikrokosmos zu erschaffen, in dem man sich als Zuseher verlieren kann. Schlussendlich passt in Silver Linings einfach alles zusammen und man kann David O. Russell nur gratulieren, dass er die wohl beste romantische Komödie seit vielen Jahren aus dem Handgelenk geschüttelt hat. Der Film macht Spaß, ist berührend, charmant und vor allem auch künstlerisch integrer inszeniert, sodass man es hier tatsächlich mit der raren Gattung Film zu tun bekommt, die für perfekte, leichtfüßige Unterhaltung sorgt, aber trotzdem seine Figuren und seine Geschichte ernst nimmt.

Fazit:
Silver Linings ist eine der größten Überraschungen des Kinojahres: David O. Russell gelingt es der romantischen Komödie neues Leben einzuhauchen und in Summe gesehen ist der Film nicht weniger als die beste RomCom seit Jahren. Grund dafür sind unter anderem die grandiosen Darsteller: Besonders Bradley Cooper und Jennifer Lawrence liefern Glanzleistungen ab, aber auch die Nebendarsteller von Robert de Niro bis zu Chris Tucker spielen famos. Mit viel Liebe zum Detail erzählt David O. Russell von zwei schwierigen Charakteren, die auf ungewöhnliche Art und Weise zueinander finden. Silver Linings ist dabei sowohl berührend, als auch unterhaltsam und dank der hohen künstlerischen Integrität mit der die Geschichte erzählt wird, gibt es kaum etwas auszusetzen. Silver Linings ist schlicht einer der charmantesten Filme des Kinojahres.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 55
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