Lincoln (2012)

OT: Lincoln - 150 Minuten - Biographie / Drama / Geschichte / Krieg
Lincoln (2012)
Kinostart: 25.01.2013
DVD-Start: 24.05.2013 - Blu-ray-Start: 24.05.2013
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Filmkritik zu Lincoln

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Steven Spielbergs geplantes Abraham Lincoln Biopic geistert bereits seit Jahren durch die Filmwelt. Bereits 2005 wurde ursprünglich Liam Neeson für die Hauptrolle gecastet, doch man musst sich lange gedulden, bis es handfest wurde. Erst als im Jahr 2010 Neeson bekannt gab, dass er sich mittlerweile zu alt für die Rolle fühlt und statt ihm Daniel Day-Lewis einsprang, nahm der Film langsam Fahrt auf. Und nun ist es endlich soweit und zahlreiche US-Kritiker zählen Spielbergs spannendes Biopic bereits zu den größten Oscarfavoriten des Jahres. Ganz besonders der immer wieder grandiose Daniel Day-Lewis zeigt einmal wieder vor wie grandioses Schauspiel aussieht und liefert eine der besten Darbietungen seiner Karriere (die nicht gerade arm an atemberaubenden Leistungen ist).

Nach seiner Wiederwahl hat Präsident Abraham Lincoln (Daniel Day-Lewis) einige große Projekte vor sich: Er will den 13. Zusatzartikel zur Verfassung hinzufügen lassen, dadurch die Sklaverei abschaffen, schließlich den US-Bürgerkrieg beenden und die Konföderierten Staaten wieder in die Vereinigten Staaten von Amerika eingliedern. Gleichzeitig leiden er und seine Frau Mary (Sally Field) am Tod ihres jüngsten Sohnes. Um den ersten Schritt in seinem Plan zu verwirklichen, muss Lincoln den Zusatzartikel durch das Repräsentantenhaus bekommen. Ein schwieriges Unterfangen, wird dazu doch eine Zweidrittelmehrheit benötigt und Lincoln muss nicht nur die eigene Partei einigen, sondern auch auch versuchen einige Demokraten zu überzeugen...

Steven Spielbergs Lincoln überrascht mit seinem Ansatz. Spielberg ist eigentlich kein Regisseur, der sich zurückhält, aber es ist in jeder Sekunde augenscheinlich, dass er sich in Lincoln dem Thema mit unglaublich viel Respekt nähert und gleichzeitig durchaus mutige Grenzen zieht. So verzichtet er bewusst darauf das Leben von Abraham Lincoln in seiner Gesamtheit zu zeigen, sondern reduziert es strikt auf die letzten Monate seines Lebens. Außerdem gibt es kaum Szenen, die auf visuelle Reize setzen. Schlachtszenen gibt es nur unglaublich wenige, und auch ansonsten fokusiert sich Spielberg ganz auf seine thematischen Statements und seinen grandiosen Cast.

Besondere visuelle Spielerein sind dabei ohnehin völlig unnötig, da es in Lincoln nur einen Punkt gibt auf den man seinen Blick richten kann: Auf das Gesicht von Daniel Day-Lewis. Es scheint visuell kaum etwas anderes zu geben als diese fast schon magische Schauspielleistung, die dieser Ausnahmedarsteller hier wieder zum Besten gibt. In minutiöser Detailarbeit hat sich Daniel Day-Lewis jene Charakteristika angeeignet, die ihn auf der Leinwand in seinem Charakter verschwinden lassen. Kleine Bewegungen, unglaubliche Feinarbeit in Bezug auf die Stimme und Tonlage mit der er spielt (natürlich nur in der englischen Originalfassung, die stark zu empfehlen ist) oder auch die hölzernen Bewegungen und die majestätische Langsamkeit - was Daniel Day-Lewis hier zeigt ist kaum zu beschreiben.

Doch auch der restliche Cast verstärkt den Eindruck der unglaublichen Bessessenheit mit der hier die kleinsten Aspekte arrangiert und in Position gebracht werden. Etwa die deutlich weniger ins Auge springende, aber wundervoll spielende Sally Field, oder ganz besonders Tommy Lee Jones, der wohl eine der größten Leistungen seiner Karriere abliefert und sich in seiner Nebenrolle zum kleinen Showstealer entwickelt - ganz besonders in jener magischen Szene, in der seine Figur die eigenen Überzeugungen und radikalen Ansichten hinten anstellt, um dem größeren Ganzen zu dienen, auch wenn dies vielleicht nicht jeder versteht. Spielberg verschwindet als Regisseur förmlich um die große Bühne seinen Schauspielern zu überlassen, die es wiederum schaffen, die wichtigen Themen des Films zu übermitteln.

Natürlich geht es Spielberg unter anderem darum die Unmenschlichkeit von politischen Systemen, die Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen fördern, anzuprangern. Aus der historischen Schilderung und durch die Absurdität, die gewisse Probleme und Diskussionen aus heutiger Sicht verströmen, lassen sich durchaus Überlegungen über heutige Diskriminierungen schließen. Hinzu kommt die moralische Ambivalenz, mit der der Film die Politik schildert. Ist es moralisch vertretbar eine moralisch korrekte Entscheidung herbeizuführen, wenn man sich für diese Entscheidung selbst auf Ebene von Korruption und Bestechung begeben muss? Spielberg huldigt gleichzeitig eine große historische Figur und zeigt die Probleme der Politik in Vergangenheit und Gegenwart auf.

An vielen Stellen gelingt es Spielberg auch den Unterhaltungswert hoch zu halten. Eingeschobener Humor und großartige Anekdoten von Präsident Lincoln, sorgen dafür, dass der Film angenehm kurzweilig bleibt und eigentlich über die gesamte Laufzeit sein Thema auch unterhaltsam verarbeitet. Aber dieser Unterhaltungswert wird mit viel Gefühl beigemengt, sodass Lincoln weder zum flachen Popcornfilm mutiert, noch als angestaubte Geschichtslektion in Erinnerung bleibt. Zwar fehlt es an den ganz großen Emotionen und an wirklich atemberaubenden Szenen, sodass Lincoln vielleicht letzten Endes nicht die Herzen im Sturm erobern wird, allerdings verdient sich Spielberg für seinen gelungenen Film auf jeden Fall Anerkennung.

Fazit:
Steven Spielberg hält sich bei seiner Regie eher zurück und erzählt in kleinem Rahmen von den letzten Monaten einer bedeutenden historischen Figur. Dank der schier unglaublichen Darbietung von Daniel Day-Lewis und auch durch die ausgezeichneten Leistungen des restlichen Casts gelingt es dem Film seine Themen kurzweilig und spannend zu übermitteln. Lincoln analysiert gleichzeitig das Thema Menschenwürde, die Machenschaften der Politik und schildert fast schon im Vorbeigehen den Charakter der Titelfigur. Das Ergebnis ist fesselnd und absolut sehenswert, aber wer auf der Suche nach großen Emotionen ist, wird wohl eher enttäuscht sein. Trotzdem: Lincoln ist ein sehr gelungenes Biopic der etwas anderen Art und wird wohl vor allem wegen dem alles überragenden Daniel Day-Lewis in Erinnerung bleiben.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 21
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