Flight (2012)

OT: Flight - 138 Minuten - Drama
Flight (2012)
Kinostart: 25.01.2013
DVD-Start: 20.06.2013 - Blu-ray-Start: 20.06.2013
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Filmkritik zu Flight

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Wie die Zeit vergeht: Mittlerweile ist es über 10 Jahre her, dass Robert Zemeckis (Regisseur von Filmen wie Forrest Gump, Zurück in die Zukunft und Falsches Spiel mit Roger Rabbit) einen konventionellen Spielfilm gedreht hat. Seit Cast Away verbrachte er seine Zeit vor allem damit die Motion Capturing Technik voranzubringen und entsprechende Animationsfilme wie Der Polarexpress und Die Legende von Beowulf zu drehen. Leider aber blieb dieses Spätwerk deutlich hinter den Erwartungen zurück und nicht wenige wünschten sich einfach nur wieder einen normalen Spielfilm von Zemeckis. Nun hat der Regisseur die Gebete erhört und liefert mit Flight einen sehr unterhaltsamen und berührenden Film über einen großen Lügner ab, der zwar nicht an seine früheren Meisterwerke heranreicht, aber auf jedenfall besser ist als alles, was Zemeckis seit Cast Away so gemacht hat.

Pilot Whip Whitaker (Denzel Washington) ist ein Alkoholiker, der selbst noch immer nicht eingesehen hat, dass er ein Problem hat. Zunächst hat ihn seine Familie verlassen, doch der schlimmste Tag seines Lebens steht ihm erst bevor: Nach einer Nacht voller Sex und Alkohol mit Stewardess Katerina (Nadine Velazquez), steigt Whip in sein Flugzeug um seiner Arbeit nachzugehen. Mit hohem Alkoholpegel und Kokain im Blut, sowie Müdigkeit in den Knochen hebt Whip ab. Doch diesesmal läuft nicht alles reibungslos. Durch ein technisches Gebrechen kommt es zum Absturz und nur die heroische Leistung von Whip (die von keinem anderen Piloten im Simulator rekonstruiert werden konnte) rettete fast allen Passagieren das Leben. Doch als bei der anschließenden Untersuchung aufkommt, dass Whip Alkohol im Blut hatte, wird aus dem Helden schnell ein Gejagter...

Da der Trailer des Films vor allem von der imposanten Flugabsturzszene lebt und so geschickt das Interesse weckt, diese Szene aber bereits ganz am Anfang des Films vorkommt, darf man sich als Zuseher die berechtigte Frage stellen, was eigentlich jetzt noch alles passiert und wie der Film seine 138 Minuten Laufzeit füllen will. Doch in Sachen Unterhaltungswert braucht man sich keine Sorgen um Robert Zemeckis zu machen. Es gelingt ihm geschickt das Ruder herumzureissen, den Fokus zu verschieben und schlussendlich bei einem packenden Charakterdrama zu enden, das die Probleme eines Alkoholikers in einer Extremsituation schildert und dabei genüsslich die Facetten eines großen Lügners beleuchtet.

Der eigentliche Clou an der Sache ist, wie es Zemeckis gelingt die Facetten seiner Hauptfigur unter einen Hut zu bekommen - und das auch noch auf sehr glaubwürdige Art und Weise. Whip Whitaker ist gleichzeitig arroganter, unverantwortlicher Kotzbrocken, tragische Figur und Sympathieträger und obwohl diese Eigenschaften normalerweise sich widersprechen würden funktioniert der wilde Mix von Robert Zemeckis ausgezeichnet. Die Herausfoderungen und immer größer werdende Hürden, die Whip vor die Füße geworfen werden - auf privater Ebene und auch in Bezug auf die Ermittlungen und sein Umgang mit der Alkoholsucht, sorgen für einen starken Sog und binden den Zuseher sehr geschickt an die Geschichte.

Warum das so gut funktioniert hat auch einen einfachen Grund: Der immer wieder großartige Denzel Washington zeigt sich in bester Spiellaune und brilliert mit subtilen Gesten und großen dramatischen Ausbrüchen die Leinwand, sodass man gar nicht anders kann als der Geschichte dieser packenden Figur bis zum Ende zu folgen. An seiner Seite überzeugen einige feine Nebendarsteller, die zwar bei weitem nicht die große Bühne von Washington geboten bekommen, aber den Film dennoch aufwerten. Als Beispiel sei nur der genüsslich spielende John Goodman erwähnt, der zwar nur wenig Screentime zur Verfügung hat, aber herrlich süffisant aufgeigt. Etwas ernsthafter geht es Bruce Greenwood an, der seinem Piloten-Gewerkschaftler einen Hauch tragische, gutmütige Verzweiflung verpasst und besonders Kelly Reilly wird an der Seite von Washtingon zur spannenden Nebenfigur.

Etwas schade ist jedoch, dass es sich Zemeckis am Ende etwas zu einfach macht. Nachdem er zuvor unglaublich geschickt vom Katastrophenfilm zum Charakterdrama gewechselt ist und die Zuseher sanft durch die Genres geführt hat, ist seine Herangehensweise an die Auflösung etwas zu plump. Die etwas zu grobschlächtige Ansammlung an Szenen in denen es sich der Regisseur viel zu einfach macht um seine Moral unterzubrigen, stehen leider etwas im Widerspruch zur vorherigen Charakterentwicklung der Hauptfigur und hängen deshalb auch etwas unglaubwürdig in der Luft - auch wenn sie aus emotionaler Sicht durchaus funktionieren. Aber man soll nicht zu viel meckern: Robert Zemeckis ist mit Flight ein äußerst unterhaltsamer und über weite Strecken sehr gelungener Film gelungen, den man sich ansehen sollte.

Fazit:
Mit Flight ist Robert Zemeckis ein überzeugendes Comeback zum klassischen Spielfilm gelungen. Der Film beginnt packend mit einem fesselnd inszenierten Flugzeugunglück und wechselt anschließend leichtfüßig in Richtung Charakterdrama. Hier überzeugt der Film dank einer ambivalenten Hauptfigur und einem grandiosen Denzel Washington und schafft es so spielend den Zuseher um den Finger zu wickeln. Lediglich im Finale fügen sich nicht alle Bauteile wie gewünscht zusammen, aber ansonsten ist Flight ein hoch unterhaltsamer und gelungener Film, den man sich ansehen sollte.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 29
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