The Sessions - Wenn Worte berühren (2012)

OT: The Sessions - 95 Minuten - Drama
The Sessions - Wenn Worte berühren (2012)
Kinostart: 04.01.2013
DVD-Start: 24.05.2013 - Blu-ray-Start: 24.05.2013
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Filmkritik zu The Sessions - Wenn Worte berühren

Es scheint so, als ob ein neuer Trend die Kinos erreicht hätte, denn innerhalb der letzten 12 Monate können vier Kinofilme aufgezählt werden, die sich mit der Thematik ‚Behinderung’ auseinandersetzen. Die Rede ist hier von: Ziemlich Beste Freunde von Olivier Nakache und Eric Toledano, Der Geschmack von Rost und Knochen von Jacques Audiard, Amour des Altmeisters Michael Haneke und The Sessions des Filmemachers Ben Lewin. Bei genauerer Betrachtung können einige Gemeinsamkeit herausgearbeitet werden - die hier nicht aufgezählt werden, da dies den Rahmen dieser Rezension sprengen würde – und es bilden sich ohne Zweifel zwei Gruppen. Amour und Der Geschmack von Rost und Knochen gehen demnach den ernsten Weg, dagegen lassen sich Ziemlich Beste Freunde und The Sessions in die Kategorie Feel-Good-Movie einordnen. Doch leider erreicht The Sessions wegen einiger Ungereimtheiten nicht die Qualität der anderen drei Kinofilme und muss demnach im Vergleich mit den bereits angeführten Titeln regelrecht den Kürzeren ziehen.

Marc O’Brian (John Hawkes) hat Polio und ist seit seiner Kindheit gelähmt. Er atmet mithilfe einer eisernen Lunge und kann dadurch auch einige Stunden am Tag ohne diese Beatmungsmaschine überleben. Darüber hinaus ist der 38-jährige sehr gläubig und besucht regelmäßig die Kirche. Dort begegnet er seinen Freund Pfarrer Brandon (William H. Macy), dem er seine Gedanken anvertraut. Eines Tages beichtet er ihm sein Verlangen nach Sex und seine Jungfräulichkeit. Nachdem er den Segen des Pfarrers erhalten hat unehelichen Geschlechtsverkehr haben zu dürfen, engagiert er die Sextherapeutin Cheryl Cohen-Greene (Helen Hunt). Durch sie soll er seine Triebe besser kontrollieren können. Allerdings bleibt es nicht nur bei der körperlichen Berührung, denn Marc sehnt sich des Weiteren nach Liebe und weckt mit seiner liebevollen Art zärtliche Gefühle in Cheryl…

Der Philosoph Gilles Deleuze sprach 1989 in seinem Werk Kino I vom Affektbild und meinte damit die Großaufnahme im Film, welche sich auf das Gesicht des Menschen konzentriert und somit jegliche Bewegung der Gesichtsmuskeln visualisiert. Der Zuschauer erhält in diesem Moment die Zeit das Bild mit Inhalt zu füllen und demzufolge die Innenwelt der Figur zu ergründen. Genau das ermöglicht auch der Hauptdarsteller John Hawkes (Martha Marcy May Marlene, 2011) mit seinem Porträt des gelähmten Marc O’Brian. Da ihm nur seine Mimik zur Verfügung steht, um seine innere Zerrissenheit zu präsentieren, nutzt er diese auch tadellos und wird infolgedessen zum wandelnden Affektbild. Sein Gesicht wird zum Spiegel seiner Seele und reflektiert Gemütszustände wie Scham, Hilflosigkeit, Unschuld und Verliebtheit.

Die Charakterisierung von Marc erfolgt stationär. Mit jeder absolvierten Station gelangt der Zuschauer näher an den Kern des Problems der Figur. Die Figurenzeichnung erlaubt auch bei Cheryl eine gewisse Tiefe. Die ehelichen Probleme der Sextherapeutin werden dargelegt. Die Rechtfertigung ihres Berufs muss dann aber mit einem Augenzwinkern aufgenommen werden, denn der Filmemacher Ben Lewin hat sich dazu entschlossen neben der dramatischen und berührenden Geschichte auch einen humoristischen Weg einzubauen, der nicht so richtig funktionieren möchte. Die Witze zünden nicht ganz, sodass man mehr schmunzeln als laut lachen muss. Ansonsten beschränkt sich die Rolle von William H. Macy (Magnolia, 1999) auf die Komik, die erzeugt wird, wenn Religion auf Sex trifft. Macy vermittelt damit bloß die Reaktion eines Pfarrers und bleibt als Figur flach, äquivalent zu den restlichen Nebenfiguren.
    
Zudem befasst sich The Sessions zu wenig mit der Tragik der Thematik und kann dadurch den Zuschauer nicht ganz erreichen, so wie es den Filmen Ziemlich Beste Freunde, Amour und Der Geschmack von Rost und Knochen gelungen ist. Ferner löst die Kombination zwischen komischen Elementen und einer dramatischen Geschichte nicht den erwünschten Effekt aus. Die Dramedy Ziemlich Beste Freunde ist zum Beispiel ein Vorzeigeschild für eine gelungene Komposition von Drama und Comedy. Doch trotz der Kritikpunkte ist der Film von Ben Lewin ein sehenswerter Feel-Good-Movie geworden, welcher beim Eintreten des Abspanns ein Lächeln auf das Gesicht des Betrachters zaubern wird.

Fazit:
The Sessions basiert auf einer wahren Geschichte und ist ein Feel-Good-Movie, der trotz einiger Unstimmigkeiten das Herz am rechten Fleck hat und vor allem aufgrund der eindrucksvollen Performance von John Hawkes als gelähmter Marc O’Brian in Erinnerung bleiben wird.

Wertung:
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