Killing Them Softly (2012)

OT: Killing Them Softly - 97 Minuten - Krimi / Thriller
Killing Them Softly (2012)
Kinostart: 30.11.2012
DVD-Start: 01.03.2013 - Blu-ray-Start: 01.03.2013
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Filmkritik zu Killing Them Softly

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Es ist immer wieder spannend wenn sich Filmemacher die Schablone eines B-Movies hernehmen, die formale Einfallslosigkeit der Direct-to-DVD Welt hinter sich lassen und dem eigentlich schundigen Themenkomplex eine künstlerische Note verpassen. Quentin Tarantino und die Coen-Brüder machen das gerne, durch gewitzte Dialoge bzw. postmoderne Unterwanderung der Ernsthaftigkeit. Auch Nicolas Winding Refn folgt diesem Ansatz mit seinem fabelhaften Meisterwerk Drive. Nun versucht sich auch Andrew Dominik (Die Ermordung des Jesse James durch den Feiglich Robert Ford) daran und nimmt sich für Killing Them Softly eine simple Genrestory als Blaupause, baut darauf aber eine grimmige Gesellschaftskritik und würzt diese mit einer Prise Tarantino und Coen.

Frankie (Scoot McNairy) und Freund Russell (Ben Mendelsohn) sind Nobodys. Heruntergekommene, kleine Ganoven, die sich gerade mal so über Wasser halten. Doch dann hat Gangster Johnny Amato (Vincent Curatola) einen Auftrag für sie: Sie sollen die hochrangige Mob-Pokerrunde von Markie Trattman (Ray Liotta) überfallen. Der Clou an der Sache: Markie hat seine eigene Runde vor Jahren selbst überfallen lassen und dies später zugegeben. Sollte das selbe also wieder geschehen, ist es den Mafiosi egal wer wirklich schuld ist, man wird Markie bestrafen. Doch natürlich läuft nicht alles wie geplant und plötzlich ist der abgebrühte Auftragskiller Cogan (Brad Pitt) hinter den beiden her...

Killing Them Softly entwirft eine Welt, die eine verlängerte Spielwiese der großen Unternehmen ist. Hier zählt nur eines: Geld. Der Rest ist verzichtbar und angesiedelt in der Ausbruchphase der großen Wirtschaftskrise im Jahr 2008 (also auch zur Zeit als sich Barack Obama und John McCain ums Amt des US-Präsidenten streiten - ein Wahlkampf der auch immer wieder im Film durchscheint), zieht die aufkommende Depression ihre Kreise auch in die tiefsten Strukturen des organisierten Verbrechen. Es gibt nichts zu verschenken und selbst die Mafia wird in der Abrechnung ihrer Killer kreativ, bzw. findet “Klauseln” um die vereinbarte Gage zu drücken.

Andrew Dominik lässt seine Hauptfigur deshalb auch treffend am Ende verkünden, dass Amerika keine Nation, sondern nur ein Geschäft ist. Passend dazu wird dieses Land als Geschäft auch zum Spielball der Ökonomie in Zeiten des wirtschaftlichen Versagens und der Genrefilm entwickelt sich zur spannenden Kritik am kapitalistischen System im Allgemeinen und seine nationale Verkörperung in Form der USA im Besonderen. Köstlich ist dabei auch zu sehen, wie selbst die Mafia in angestaubten Unternehmensstrukturen zu ersticken droht und es scheinbar keine Instanz mehr gibt, die sich befähigt sieht einen Auftrag mit letzter Endgültigkeit zu bestätigen.

Killing Them Softly zeigt so auch angestaubte Hierarchien und bürokratischen Wahnsinn, die die ausführenden Organe zur Weißglut treiben. Hierbei brennen sich besonders die Szenen zwischen Richard Jenkins und Brad Pitt in die Erinnerung und ihre kleinen Geplänkel bündeln quasi die gesamte Essenz des Films. Parallel zu der Ebene der Gesellschaftskritik ist Killing Them Softly aber auch ein künstlerisch ambitioniert inszenierter Genrekracher. Ähnlich wie in Drive wird die eigentlich banale Story immer wieder durch die unglaublich kreative Inszenierung abgefangen und durch wahlweise sanfte oder rau abgehackte Bild-/Tonvermengungen entsteht ein ständiges Spannungsverhältnis mit dem Zuseher.

Denn im Gegensatz zum enorm befriedigenden Erlebnis das beispielsweise ein Drive liefert, erlaubt sich Killing Them Softly wesentlich mehr Ecken und Kanten. Hier gleitet bei weitem nicht alles butterweich ineinandern - im Gegenteil. Völlig bewusst erzeugt Dominik einen Kontrast zwischen den Szenen, die präzise harmonieren und anderen Szenen, in denen der Film einen fragmentarischen und zerstückelten Stil zelebriert. Natürlich sorgt dieser radikale Ansatz dafür, dass der Film nicht ganz so direkt ins Herz abzielt wie etwa ein Drive - aber trotzdem verdient sich Andrew Dominiks Genrebeitrag großen Respekt und letzten Endes ist auch Killing Them Softly ein wunderbares Kinoereignis.

Fazit:
Killing Them Softly ist auf der einen Seite ein klassisches B-Movie, wird aber auf der anderen Seite mit einer grimmigen Gesellschaftskritik und einer fabelhaften Inszenierung aufgewertet. Dank den grandiosen Dialogen und zahlreichen wunderbaren Regiekniffen, hinterlässt der Film bereits früh gewaltig Eindruck. Allerdings wird Killing Them Softly wohl nicht ganz so stürmisch die Herzen erobern wie der wärmere Drive (der ebenfalls eine simple Genrestory mit einer künstlerisch ambitionierten Inszenierung verbindet). Dennoch ist der Film sehr empfehlenswert und zeigt welche Möglichkeiten sich im Genrekino verbergen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 20
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