Was bleibt (2012)

OT: Was bleibt - 85 Minuten - Drama
Was bleibt (2012)
Kinostart: 30.11.2012
DVD-Start: 15.03.2013 - Blu-ray-Start: 15.03.2013
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Filmkritik zu Was bleibt

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Nach diversen Dokumentar- und Spielfilmen wie Sturm (2009) oder Requiem (2006), die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden, folgt nun das Drama Was bleibt vom deutschen Regisseur Hans-Christian Schmid. In Zusammenarbeit mit Bernd Lange entstand das Buch zum Film, worin sie sich der Herausforderung annehmen und die doch sehr ernste Erkrankung Depression und die damit einhergehenden Ängste und familiären Belastungen thematisieren.

Ein scheinbar gewöhnliches Wochenende steht an, zu dem Gitte (Corinna Harfouch) die beiden Söhne Marko (Lars Eidinger) und Jakob (Sebastian Zimmler) geladen hat – Marko samt Sohn Zowie (Egon Merten), Jakob in Begleitung seiner neuen Freundin. Die Architektur des ehemaligen Zuhauses der mittlerweile erwachsenen und selbstständigen Söhne von Gitte und Ehemann Günter (Ernst Stötzner) erinnert stark an die 70er Jahre. Auch die Worte, Emotionen und das Vertrauen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern scheinen irgendwo in dieser Zeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, verloren gegangen zu sein. Gitte, die bereits Jahrzehnte unter Depressionen leidet, gesteht der Familie beim gemeinsamen Essen, dass sie die Medikamente abgesetzt hat und damit einen Neuanfang für sich und die Familie wagen will. Doch sowohl ihr Ehemann als auch der jüngere Sohn Jakob wollen dem optimistischen Schritt der Ehefrau bzw. Mutter nicht trauen. Marko ist der einzige, der gegenüber Gittes Entscheidung ein wenig positiv gestimmt ist. Doch die überwiegende Skepsis der Familie, die Angst vor einem Rückfall, fehlende Dialoge und damit unausgesprochene Worte veranlassen Gitte zur Resignation und schließlich dazu, vor dieser Enge zu flüchten und damit die Familie im Ungewissen zu lassen.

Die auf den ersten Blick harmonische Familie mit Haus, Garten, Geld, erweist sich bei genauerer Betrachtung als eine, in der die Beziehungen untereinander zwischen angespannt, abgekühlt und verloren wechseln. Die Verbundenheit, das Vertrauen und eine unbeschwerte Verständigung haben sich aufgelöst. Stattdessen beherrschen Zweifel und Lügen den Alltag. Mit Geld lassen sich die meisten Probleme kontrollieren oder lösen – so das Denken von Jakob samt Vater Günter. Das führt zur Unfähigkeit, Gitte Zuversicht und Mut oder gar Liebe zu schenken.

Insgesamt sind alle Darsteller für die jeweiligen Rollen sehr gut gewählt und wissen ihr Schauspiel eindringlich und ausdrucksvoll einzusetzen. Corinna Harfouch bringt jede noch so kleine Geste perfekt rüber; sie wirkt kühl, zerbrechlich aber stark zugleich und pendelt zwischen Hoffnung, Enttäuschung und Kontrolle ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Lars Eidinger spielt sehr authentisch und beherrschend und zeigt dabei die nötigen Emotionen zur richtigen Zeit.

Mit dem filmischen Mittel der Handkamera, die oft zum Einsatz kommt, wirken die Szenen zwischen den Darstellern noch realer; man scheint sich mit ihnen zu bewegen. Die Dialoge sind auf das Nötigste reduziert; der Regisseur versucht nichts zu beschönigen sondern arbeitet mit kühlen und dunklen Farben, die das Verhältnis zwischen den Charakteren unterstreichen. Wie schon zum Film Sturm steuert auch diesmal die deutsche Indie-Band The Notwist die Musik zum Film bei, die die Bilder durch ruhige und teilweise melancholische Klänge betonen.

Fazit:
Was der Film zeigt ist ein schwieriger Lebensabschnitt in einer Familie, der nicht mit simplen Worten oder schnellen Lösungen zu bewältigen ist, schon gar nicht für die Familie Heidtmann, denn viel zu langen haben sie an einander vorbei gelebt. Es brodelt unter der Oberfläche und man erwartet den finalen Ausbruch, der aber nie so richtig eintritt. Dieser Film setzt nicht auf aufwendigen Spezialeffekte, unvorhergesehene Wendungen oder romantische Liebesszenen. Stattdessen gibt er dem Publikum Zeit zum Mitfühlen und Nachdenken und vermittelt leise und eingängig was passiert, wenn die Einheit Familie, die man als festen Boden unter den Füßen zu spüren vermochte, über die Jahre hinweg auseinanderbricht und man sich schließlich fragt: „Was bleibt“?

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Erstellt: 03.10.2012