To the Wonder (2012)

OT: To the Wonder - 112 Minuten - Drama / Romanze
To the Wonder (2012)
Kinostart: 31.05.2013
DVD-Start: 21.11.2013 - Blu-ray-Start: 21.11.2013
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Filmkritik zu To the Wonder

Von am
You shall love, whether you like it or not. So heißt es in Terrence Malicks neuestem Film To the Wonder, in dem zwei Liebende und ein Priester (Javier Bardem) über die Liebe sinnieren. Kaum zwei Jahre nach The Tree of Life folgt nun der neue Spielfilm von Malick, der so einiges mit dem Vorgänger gemein hat. Zum einen ganz offenkundig die Ästhetik, getragen durch die Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki, der für die Malick-typische bewegliche, kreisende Kamera verantwortlich ist. Außerdem den unverkennbaren Lichteinsatz, das gleißende Sonnenlicht, die leuchtenden Farben und die Close-ups. To the Wonder ist ein ruhiger Film geworden, in dem der Flüsterton, die stets begleitende orchestrale Musik und, wie im Vorgängerfilm bereits, das poetische Voice-Over den Ton angeben.

Die Französin Marina (Olga Kurylenko) und der Amerikaner Neil (Ben Affleck) lernen sich in Europa kennen und verlieben sich ineinander. Als Neil wieder in die USA zurückreisen muss, bittet er Marina und ihre kleine Tochter Tatiana (Tatiana Chiline) ihn zu begleiten. In der amerikanischen Landschaft lebt es sich zunächst idyllisch, doch das Liebesglück hält, ebenso wie das Visum, nicht lange und Marina muss wieder zurück. Neil kommt das gelegen, da er eine alte Bekannte (Rachel Mc Adams) wiedergetroffen hat und mit ihr eine Liebesaffäre beginnt. Als Marina nach einiger Zeit den Wunsch äußert, wieder in den USA leben zu wollen, trennt er sich von der Amerikanerin und heiratet Marina, eher aus Pflichtgefühl als aus Liebe. Die Liebesbeziehung ist alles andere als glücklich, die beiden sind gefangen in einem Leben, das sie nicht leben wollen. In einer Nebenhandlung wird die Glaubenskrise des Priesters Quintana (Javier Bardem) geschildert, den Marina in ihrem Beziehungsdilemma aufsucht.

Terrence Malick lässt seine Filme am Liebsten für sich selbst sprechen. Er gilt als außergewöhnlich verschwiegener und schüchterner Regisseur, der keinerlei Interviews gibt und den Inhalt seiner Filme so lange als möglich geheim hält. So war auch zu To the Wonder vorab so gut wie nichts bekannt, die Schauspieler arbeiteten ohne Drehbuch, die Produktionsfirma veröffentlichte vorab kein Fotomaterial und nichts zum Inhalt des Films. Das Ziel dieser Geheimnistuerei ist schlichtweg, den Film als Zuseher unvereingenommen konsumieren zu können, eine noble aber fast unmögliche Idealvorstellung.

Wer auf eine schnurgerade Story hofft, wird enttäuscht werden. Wer allerdings kein Problem damit hat, das Ruder für zwei Stunden aus der Hand zu legen und einer herumirrenden Kamera zu folgen, der wird eine intensive Reise erleben. Weit entfernt vom konventionellen Erzählkino, durch und durch stimmungsbeladen geht Malick in seinem neuesten Film den zentralen Fragen nach Liebe und Glaube auf den Grund. Die Filme von Terrence Malick sind keine leichte Kost und erschweren durch ihre ungewöhnliche Erzählweise das völlige Versinken im Film. Als Zuseher bleibt man ein Beobachter von Außen, was auch durch die schwindelerregend kreisenden Kamerabewegungen immer wieder suggeriert wird.

Großgeschrieben wird die Liebe zum Detail, Dialoge gibt es kaum, dafür aber umso mehr Voice-Over, die zuweilen pseudopoetisch, äußerst eigenwillig sind - aber auf eine ehrliche Art und Weise. Schließlich sind es normale Menschen, die hier porträtiert werden, die dürfen auch hier und da sentimal-kitschige Floskeln auspacken. Auch ein selbstironischer Blick auf das Geschehen scheint beizeiten gegeben zu sein. Durch seine Unversöhnlichkeit hinsichtlich der Form und der Geschichte, die unzählige Lücken aufweist, bleibt der Film authentisch.

Trotz der Dialogarmut sind auch die schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Olga Kurylenko und Javier Bardem, positiv zu verzeichnen. Während Ben Affleck im Vergleich eine apathische Rolle zugewiesen ist, die kaum zum Zug kommt und mit der man sich auch als Zuseher weniger identifizieren kann. Letzten Endes ist reicht all dies aber nicht aus um die Story zusammenzuhalten, gegen Schluss verliert sich der Film immer mehr im Assoziationsstrom und wiederholt sich. In der letzten Stunde wird nichts Signifikantes mehr erzählt und man erwischt sich dabei, wie man auf die Uhr sieht.

Fazit:
To the Wonder ist sicherlich ein Kinofilm, auf den man auch in einigen Jahren zurückblicken wird, gleichzeitig ist er aber nicht besonders zugänglich- es ist fast unmöglich, sich mit den Figuren zu identifizieren. Einzig die ästhetische Ebene ist homogen und erfassbar. To the Wonder ist in gewohnter Terrence Malick-Manier optisch ein wahrer Genuss, bewegt sich aber auf philosophisch-poetischer Ebene etwas im Kreis oder tritt auf der Stelle. Fans von The Tree of Life werden nicht abgetan sein von To the Wonder, obwohl der Neuling eher wie ein Schritt zurück scheint. Diejenigen, die bereits mit The Tree of Life nichts anfangen konnten, sollten von To the Wonder die Finger lassen.

Wertung:
8/10 Punkte
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 6
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