The Master (2012)

OT: The Master - 137 Minuten - Drama
The Master (2012)
Kinostart: 22.02.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Master

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Seit seinem Debütfilm Last Exit Reno im Jahr 1996 hat Paul Thomas Anderson insgesamt sechs Filme inszeniert. Sechs Filme von denen sich zumindestens drei (Boogie Nights, Magnolia und There Will Be Blood) immer wieder auf diversen Toplisten von zahlreichen Filmfans wiederfinden und längst in den Kanon der Filme aufgestiegen sind, die man einfach gesehen haben muss. Wenn ein Regisseur eine derart herausragende Filmographie aufzuweisen hat, darf man natürlich umso mehr gespannt sein, wenn es sein nächster Film in die Kinos schafft. Und das Kritikerlob aus den USA und eine beträchtliche Awardausbeute beim Filmfestival von Venedig schürt die Vorfreude zusätzlich. Tatsächlich ist The Master auch ein äußerst beeindruckender Film geworden, allerdings muss man gleich vorweg einen kleinen Dämpfer mitschicken: Wer sich einen zweiten There Will Be Blood von Anderson erwartet, könnte ein kleinwenig enttäuscht werden.

Freddie Quell (Joaquin Phoenix) kehrt nach seinen Erlebnissen als Soldat im zweiten Weltkrieg in eine neue Welt zurück. Es bieten sich ihm alle Möglichkeiten, doch der eigenwillige Freddie hat es schwer sesshaft zu werden. Bei seinem Job als Fotograf flippt er aus und attackiert einen Kunden und überhaupt scheint er in jeder Lebenslage nur an Alkohol und Sex denken zu können. Und dann läuft Freddie zufällig dem charismatischen Denker Lancaster Dott (Philip Seymour Hoffman) über den Weg. Dieser leitet gemeinsam mit seiner Frau Peggy (Amy Adams) eine Gaubensgruppe und beteuert, dass er alle Formen von geistigen und körperlichen Krankheiten unter Hypnose heilen kann. Ehe sich Freddie versieht verfängt er sich im Dunstkreis dieser Organisation...

In die Schlagzeilen gelang The Master bereits deutlich bevor der Film das erste Mal gezeigt wurde, als bekannt wurde, dass Paul Thomas Anderson sich auf fiktive Art und Weise mit den Wurzeln von Scientology auseinandersetzen möchte und gleichzeitig ein fiktives Portrait der Leitfigur L. Ron Hubbard zeichnen würde. Die Parallelen zu Scientology sind aber letzten Endes recht subtil und lassen sich wohl in ihrer Kritik auf die meisten anderen sektenähnlichen Gemeinschaften übertragen. The Master geht auch nicht den Weg der völligen Dämonisierung der Glaubensgruppe, sondern interessiert sich letzten Endes viel mehr für die beiden Hauptfiguren und ihre Charakterentwicklungen.

Und da Paul Thomas Anderson ein radikaler Filmemacher ist, zelebriert er diesen Stil auch bis ins Extrem. Das ist wohl auch der Grund, warum The Master insgesamt zu einen recht schwierigen und teilweise auch sehr kryptischen Film wird, der vom Zuseher einiges verlangt, damit er richtig funktioniert. Anderson steuert nicht auf einen offensichtlichen Klimax zu, er versucht nicht der Story überraschende Wendungen zu geben, oder überhaupt über die reine Geschichte das Publikum zu beeindrucken. Stattdessen verbeisst sich der faszinierende Filmemacher in seinen Figuren und lotet sie gnadenlos aus, bzw. erlaubt ihnen auch am Ende noch ihre Geheimnisse und ihre Mysterien zu behalten. Dieser Ansatz macht The Master sicher für ein breites Publikum äußerst schwierig zugänglich, allerdings bekommt der Film dadurch eine fast schon mystische Aura, die man nur selten vorfindet.

Das eigentliche Highlight des Films sind logischer Weise auch die beiden Hauptdarsteller, die wahrlich übermenschliches leisten. An vorderster Front spielt sich Joaquin Phoenix die Seele aus dem Leib, indem er eine zutiefst eigenkonstruierte Figur entwirft, die ihre eigenen Ticks, ihren eigenen Sprachstil und überhaupt ihren ganz eigenen Charakter hat, der in seiner Plastizität, Vielschichtigkeit und auch in seinen Widersprüchen weit über das gewohnte Maß, dass man im Kino sonst so erlebt, hinaus geht. Nicht weniger eindrucksvoll ist die wundervolle Darbietung von Philip Seymour Hoffman, der wesentlich subtiler als Phoenix vorgeht, aber ebenso zahlreiche Facetten und Anknüpfpunkte in seinem Spiel erarbeitet, die es dem Zuseher ermöglichen ganz in die Welt der Figuren einzutauchen.

The Master zelebriert dabei quasi einen ewigen Showdown: Geist (Hoffman) vs. Körper (Phoenix). Phoenix’ Freddie Quell irrt als freies Radikal durch die Welt und hat scheinbar nichts außer Frauen und Alkohol im Kopf. Lancaster Dott erscheint als das genaue Gegenteil, was natürlich zu einem gewaltigen Clash der Figuren führt und letzten Endes offenlegt, dass doch nicht alles so ist, wie es scheint. Gleichzeitig unterwandert The Master auf subtile Weise die Techniken eines Führerkults und befeuert den Zuseher mit atemberaubenden Bildern, die Paul Thomas Anderson scheinbar an den unmöglichsten Orten finden kann. In seiner gesamten Wucht und Größe erinnert The Master fast schon an einen kryptischen Monolithen, an dessen gänzlicher Entschlüsselung man wohl etwas zu knabbern hat. Hinzu kommt, dass The Master vielleicht jetzt schon die beste Szene des Kinojahres bietet: Die “Verhörszene”, wenn Joaquin Phoenix von Philip Seymour Hoffman mit Fragen gelöchert wird und nicht blinzeln darf, ist jetzt schon ein Klassiker.

Fazit:
The Master ist ein beeindruckender und ambitionierter Film, der mit einigen Erwartungen bricht und sich auch seine Geheimnisse und Mysterien bewahrt. Paul Thomas Anderson hat einen kryptischen und monolithischen Film erschaffen, der sich förmlich in seinen Figuren verbeisst und dabei ein spannendes Seherlebnis bietet. Besonders die beiden Hauptdarsteller des Films sind atemberaubend, aber auch seine audiovisuelle Ebene ist schlicht aufsaugend. Wer sich aber von Anderson einen zweiten There Will Be Blood erhofft, könnte etwas enttäuscht werden, da The Master letzten Endes nicht über dessen unübersehbare Größe und Perfektion verfügt. Doch davon sollte man sich nicht abbringen lassen: The Master ist ein höchst eindrucksvoller und ambitionierter Film, der ein etwas anderes Seherlebnis bietet, als man es gewohnt ist.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 21
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