Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012)

OT: Life of Pi - 127 Minuten - Abenteuer / Drama
Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012)
Kinostart: 26.12.2012
DVD-Start: 26.04.2013 - Blu-ray-Start: 26.04.2013
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Filmkritik zu Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

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Ang Lee ist ein meisterhafter, kreativer und auch mutiger Regisseur. Dies sollte spätestens seit seinem berührenden Drama Brokeback Mountain bekannt sein, für das er 2005 den Oscar als Bester Regisseur erhielt. In seinem neuesten Film Life of Pi, geht der versierte Filmemacher aber gänzlich neue Wege: Ausgestattet mit modernster 3D Technik schafft er es trotz seines eigentlich limitierenden Schauplatzes schier unglaubliche Bilder auf die Leinwand zu projizieren. Aber überraschenderweise ist es trotz der überwältigenden visuellen Opulenz vor allem die geschickte Narration und die emotionale Ebene des Films, die den Zuseher um den Finger wickelt.

Pi Patel (Suraj Sharma) wächst unter Tieren auf: Sein Vater leitet in Indien einen Zoo und für Pi  ist es ein faszinierendes Umfeld. Doch leider erlaubt es die wirtschaftliche Lage nicht das Idyll aufrecht zu halten. Seine Eltern sehen sich gezwungen die Tiere nach Amerika zu bringen, dort zu verkaufen und selbst neues Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu suchen. Doch während der Überfahrt gerät das Schiff in einen Sturm und kentert. Pi schafft es nicht seine Familie zu retten und landet alleine auf einem Rettungsboot - doch so alleine ist er gar nicht, denn mit ihm ist dort auch noch der stolze bengalische Tiger des Zoos namens “Richard Parker”. In Folge versucht Pi den Tiger unter Kontrolle zu halten und selbst zu überleben...

In seiner anfänglichen Narration erinnert Life of Pi nicht zuletzt an die Struktur von Slumdog Millionär. Ein indischer Mann nimmt die Rolle des allwissenden Erzählers ein und berichtet von den fantastischen Etappen seines imposanten Lebens. Witzige Anekdoten, kleine Beobachtungen und große Gefühle reihen sich aneinander, aber sobald der Film schließlich seinen hauptsächlichen Schauplatz (das Rettungsboot) erreicht, ändert sich die erzählerische Perspektive komplett. Das Abenteuer erhält immer mehr fantastische Züge und fast schon magische Momente und aus dem zu Beginn einsetzenden Survival-Drama entwickelt  sich ein kreatives Märchen - nur um am Ende noch einmal den Bogen zurück zu schlagen und die Narration in ein frisches Licht zu rücken.

Kurz: Ang Lee ist mit Life of Pi erzählerisch ein sehr leichtfüßiges Werk gelungen, das immer wieder die Tonlage wechselt und letzten Endes sehr viele frische Ansätze findet. Vor allem aber auf emotionaler Ebene funktioniert der Film prächtig. Das Wechselspiel zwischen Richard Parker und Pi wird bedächtig aufgebaut und packend erzählt. Nicht zuletzt dank sanft eingeschobenem Humor, der die Erzählung auflockert, vor allem aber durch die ergreifenden Momente des Films, bleibt Life of Pi mit Sicherheit länger in Erinnerung. Vor allem ist es interessant wie mysteriös die Erzählung bleibt, da es dem Zuseher schwer fällt die genaue Intention des Films festzunageln.

Aber das kann für manche auch zum Problem werden. Denn es kann schon etwas verwirrendes an sich haben, wenn der Film auf der einen Seite versucht den recht realen Überlebenskampf der Hauptfigur zu schildern, inklusive ganz alltäglicher Probleme, Sorgen und Aufgaben, aber an anderen Stellen schließlich wieder auf eine mystische Überhöhung setzt, die den Realismusanspruch gänzlich über Bord wirft. Hat man den Film komplett gesehen, ergibt vieles natürlich einen Sinn und die Bedenken werden auch sehr gut ausgeräumt - aber während dem Ansehen werden sicher manche Zuseher Probleme mit der Widersprüchlichkeit des Gezeigten haben.

Wirklich über alle Maßen beeindruckend ist allerdings der visuelle Aspekt des Films. Ang Lee ist es gelungen das absolute Maximum aus seinem beschränkten Schauplatz herauszuholen. Gerade wenn man im Vergleich sieht wie Szenen auf offenem Meer in der Regel gefilmt sind, ist es schlicht atemberaubend mitanzusehen welche fantastischen Bilder Ang Lee hier hervorzaubert und es immer wieder schafft den Zuseher ins Staunen zu versetzen. Letzten Endes ist auch der gesamte Film eine sehr befriedigende und runde Angelegenheit. Man muss sich einfach fallenlassen und Ang Lee in seine Erzählung folgen, dann steht einem wunderschönen Kinoabend nichts im Weg.

Fazit:
Life of Pi ist ein kreativ erzähltes und wunderschön gefilmtes Abenteuer-Märchen, dass es dem Zuseher ermöglicht im Kinosessel zu versinken und sich in einer aufsaugenden Narration zu verlieren. Manche stilistischen Entscheidungen machen zwar erst Sinn, wenn man den Film als Ganzes gesehen hat, aber rückblickend fügt sich alles wunderschön zusammen. Aber auch während dem ersten Ansehen ist Life of Pi grandioses Erlebniskino und man sollte sich Ang Lees beeindruckende Vision nicht entgehen lassen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 46
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