Anna Karenina (2012)

OT: Anna Karenina - 130 Minuten - Drama
Anna Karenina (2012)
Kinostart: 07.12.2012
DVD-Start: 11.04.2013 - Blu-ray-Start: 11.04.2013
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Filmkritik zu Anna Karenina

Von am
Joe Wright hat sich in seiner bisherigen Karriere als fähiger Mann erwiesen, wenn es darum geht große literarische Werke standesgemäß zu verfilmen. So weckten seine ersten beiden Filme, Stolz und Vorurteil und Abbitte die Hoffnung, dass es ihm auch gelingen könnte, den großen Roman Anna Karenina von Leo Tolstoi in einen großartigen Film zu verwandeln. Doch das Ergebnis ist zutiefst ernüchternd: Wright verliert sich in halbgaren, selbstverliebten, formalen Experimenten und kreiert am Ende einen herzlosen Hybriden, der versucht theatrale, lterarische und filmische Stilistiken zu mischen, aber letzten Endes auf keiner Ebene wirklich gut funktioniert.

Russland im 19. Jahrhundert: Anna (Keira Knightley) bildet mit dem hochrangigen Beamten Alexei Karenin (Jude Law) und Sohn Serhoza (Oskar McNamara) eine perfekte, kleine Familie. Doch eine Reise soll alles ändern: Anna reist zu ihrem Bruder Oblonsky (Matthew Macfadyen), der seine Frau Dolly (Kelly Macdonald) betrogen hat und nun etwas Hilfe braucht um wieder alles in Lot zu bringen. Ebenfalls Liebesprobleme gibt es bei Kitty (Alicia Vikander), die einen Heiratsantrag von Levin (Domhnall Gleeson) ablehnt, weil sie sich in den Offizier Vronsky (Aaron Taylor-Johnson) verliebt hat. Doch bei einem Ball kommen sich Vronsky und Anna näher und es entbrannt eine flammende Leidenschaft zwischen den beiden...

Der Einstieg in Joe Wrights Adaption von Anna Karenina ist sehr irritierend: Der Filmemacher hat sich dazu entschlossen den Roman als Theaterstück zu adaptieren, welches er wiederum abfilmt. Dementsrprechend zeigt der Film das Leben als große Bühne, beginnt im Theater und stellt auch die Schauplatzwechsel in Form von sich verschiebenden Kulissen und mit einer bewusst gezeigten Künstlichkeit dar. Alles ist gestellt, alles gefaked, aber welchen Zweck der Regisseur mit seinem Konzept verfolgt bleibt im Verborgenen. Eine naheliegende Idee wäre es, dass er versucht den visuellen Charakter, den viele historische Filme haben, abzuschütteln, um sich auf die Charaktere konzentrieren zu können, doch diese Idee ist schnell wieder vom Tisch: Denn trotz des Bühnencharakters wird die optische Ebene zelebriert und fast noch exzessiver ausgereizt als es üblich ist.

Als Zuseher hat man schlussendlich viel mehr Interesse daran zu verstehen was dieser Ansatz bedeuten soll, und die visuellen Spielereien zu verfolgen, als dass man sich auf die Geschichte und die Figuren konzentrieren könnte. Leo Tolstoi gerät somit völlig in den Hintergrund und auch auf Grund der konfusen Struktur des Films fällt es schwierig die Handlung zu erfassen. In Folge ist man als Zuseher besonders zu Beginn sehr verwirrt und kann viele Details der Geschichte nur erahnen. Wirklich eigenartig ist allerdings, dass der Film seine extreme Form im Laufe der Zeit immer wieder reduziert und es dann auch wieder Szenen gibt in denen er völlig mit ihr bricht. Es ist allerdings nie klar warum Joe Wright dies tut, bzw. welcher tiefere Sinn darin verborgen sein soll.

Stattdessen bleibt nur Chaos. Joe Wrights Anna Karenina ist ein chaotisches Durcheinander, ein wilder Ritt ohne Ziel und letzten Endes ein Abarbeiten von ausgewählten Highlights einer Geschichte, ohne ihrer emotionalen Integrität gerecht zu werden. Schlimmer: Anna Karenina ist ein eiskaltes, formales Konstrukt, bei dem man ständig spürt, dass Joe Wright wesentlich mehr Spaß damit hatte sich selbst abzufeiern, als der Story ihren Raum auf der Leinwand zu verschaffen. Schlussendlich führt das Durcheinander an Einflüssen und Stilen zu rein gar nichts und als Zuseher fühlt man sich wahlweise verwirrt, überfordert oder schlicht gelangweilt. Anna Karenina ist weder Fisch noch Fleisch - weder Film noch Theater - weder richtig Tolstoi, noch richtig ewas Neues. Kurz: Ein Film, der sich nie findet und völlig in der Schwebe hängt.

Fazit:
Anna Karenina ist ein eiskaltes, formal gewagtes Experiment, bei dem man den Eindruck hat, dass es Joe Wright vor allem darum ging sich selbst zu profilieren. Durch die Entscheidung wesentliche Teile des Films als Theaterstück zu zeigen, und dabei die Künstlichkeit ins Schaufenster zu stellen, erzeugt der Film einen ganz eigenen Stil, der aber leider nicht wirklich funktioniert. Anna Karenina ist ein unterkühltes, selbstverliebtes und berechnenedes Werk, dass die eigenen formalen Spielereien weit über die Geschichte und die Figuren stellt und dabei noch nicht einmal konsistent vorgeht. Für den Zuseher ist dies anstrengend und verwirrend, vielleicht sogar ärgerlich, vor allem da die Intention von Joe Wright nie so ganz klar wird.

Wertung:
4/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 5.6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 9
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