Die Wand (2012)

OT: Die Wand - 108 Minuten - Drama
Die Wand (2012)
Kinostart: 05.10.2012
DVD-Start: 16.05.2013 - Blu-ray-Start: 16.05.2013
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Filmkritik zu Die Wand

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Mit „Die Wand“ hat Regisseur Julian Pölsler sein eigenes Lebenswerk vollendet. Die Romanvorlage ist weltberühmt und erschien im Jahre 1963. Sie galt eigentlich als unverfilmbar, doch Pölsler ließ sich davon nicht abschrecken. So bastelte er schon seit vielen Jahren, still und heimlich, an einer Verfilmung. Letztendlich wagte er es und begann 2009 mit den Dreharbeiten. Nun ist das von den Kritikern heiß erwartete Werk vollendet und startet Anfang Oktober in unseren Kinos. Und um es gleich vorweg zu nehmen: „Die Wand“ ist eine außerordentlich gelungene Romanverfilmung geworden.

Aber zuerst genauer zum Inhalt: Eine Frau fährt mit einem befreundeten Ehepaar übers Wochenende zu einer Hütte in den österreichischen Bergen. Gerade erst angekommen beschließt das Ehepaar einen Ausflug ins nahegelegene Dorf zu machen. Die Frau bleibt mit dem Hund des Ehepaares alleine in der Hütte. Als die beiden am nächsten Tag noch nicht zurück gekehrt sind, beginnt sie sich zu sorgen und macht sich auf den Weg zum Dorf. Doch plötzlich stößt sie gegen eine unsichtbare Wand die ihr das weitergehen verwehrt. Und nicht nur hier, die Wand umkreist das Gebiet vollständig und hinterlässt keine Möglichkeit sie zu durchbrechen. Die einzigen Menschen die sie sieht, befinden sich auf der anderen Seite der Wand und scheinen versteinert zu sein. Geschockt, weiß sie zunächst nicht wie ihr geschieht. Doch dann wird ihr bewusst, dass es keinen Ausweg gibt und sie alleine zusammen mit ihrem Hund in der Wildnis eingesperrt ist. Abgeschnitten vom Rest der Welt, muss sie sich der Einsamkeit, den Launen der Natur und ihren Gedanken stellen.

„Ich schreibe nicht aus Freude am Schreiben. Es hat sich für mich ergeben, damit ich nicht meinen Verstand verlier.“ Schon durch diese ersten Worte, gelingt es dem Film den Zuschauer in seinem Bann zu ziehen. Und er verliert diese Anziehungskraft auch bis zum Ende nicht mehr. Woran liegt das? Weil der Film die Romanvorlage sehr genau umsetzt. Der Text des Buches wird direkt übernommen und wer das Buch gelesen hat weiß, dass der sprachliche Stil sehr ergreifend ist. Auch die Stimme von Martina Gedeck wird vielen Zuseher einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Düster, rauchig, emotional, einfach stimmig erklingt sie aus dem OFF. Man bekommt direkt Lust sich das Hörbuch zu „Die Wand“ zuzulegen.

Ebenfall punktet der Film mit spektakulären Aufnahmen. Die Schönheit aber auch die Grausamkeit der Natur wird in unglaublich authentischen Bildern gezeigt. So ist Julian Pölsler´s große Liebe zur Natur unübersehbar. Und selbst die Stadtneurotiker unter den Kinobesuchern, werden von den atemberaubend authentischen und gewaltigen Naturbildern fasziniert sein. Ein weiterer Pluspunkt ist die sehr starke Leistung der Hauptdarstellerin. Martina Gedeck spielt die Rolle der einsamen verstörten Frau sehr glaubwürdig. Die Trauer und Verzweiflung in ihrer Mimik lässt einen daran Zweifeln eine Schauspielerin bei ihrer Arbeit zuzusehen. Kann man also sagen, dass „Die Wand“ ein rundum perfektes Meisterwerk geworden ist? Nicht ganz.

Einerseits, weil „Die Wand“ schon fast zu sehr Naturfilm geworden ist. Er erinnert an einigen Stellen gar an einen Dokumentarfilm. Das alles führt natürlich zu wunderschönen Bildern, die man so schnell nicht vergisst. Allerdings wünscht man sich auch ein bisschen mehr psychologische Momente und Handlungsstränge. Der einzigen Begegnung mit einem Menschen etwa, wird nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. So ist der eigentliche Star nicht Martina Gedeck sondern die Natur – also der Schauplatz. Andererseits, kann man kritisieren, dass der Film unselbstständig ist. Der Film ist das Buch, nur zusammengefasst und mit Bildern. Julian Pölsler wagt es nicht eine eigene Interpretation des Romanes zu zeigen. So kann man sagen, dass wenn man den Film lobt, man eigentlich größtenteils das Buch bewundert. Dies liegt aber wohl vor allem am großen Respekt den der Regisseur für den Roman besitzt. Seine Absicht ist es das Buch möglichst genau in einen Film zu verpacken. Der Film ist also eine Hommage an den Roman „Die Wand“ geworden. So ist es bei dieser Buchverfilmung wohl ausnahmsweise eher ein Vorteil als ein Nachteil, bereits das Buch gelesen zu haben. Denn wer es gelesen hat, wird keinesfalls enttäuscht, mit der Umwandlung des literarischen Textes in erstklassige Naturbilder, sein. Außerdem wird wohl niemand der das Buch gelesen hat behaupten (wie es leider bei Romanverfilmungen oft der Fall ist), dass im Film viel weggelassen bzw. die Geschichte stark verändert wurde. Wer das Buch aber nicht gelesen hat, ist trotzdem nicht falsch beraten, sich den Film anzusehen. Alleine die überwältigende heimische Kulisse und die Darbietung von Martina Gedeck ist einen Kinobesuch wert.

Fazit:
„Die Wand“ ist eine wirklich sehr gute Romanverfilmung geworden. Eine starke Hauptdarstellerin und wunderschöne Bilder ziehen dich von Anfang an in seinem Bann. Ebenfalls hält sich die Verfilmung sehr nah und getreu an der Romanvorlage. Was aber wohl auch der größte Kritikpunkt an „Die Wand“ ist. Der Film agiert unselbstständig und wagt es keine Interpretation des Buches aufzuzeigen. Etwas mehr Drama und Spannung wäre auch nicht störend gewesen. Trotzdem, alles in allem ist die Wand ein hervorragender Film geworden.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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