Postal

OT: -  90 Minuten -  Satire
Postal
Kinostart: 19.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Postal

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Dr. Uwe Boll ist wohl einer der meist kritisierten Filmemacher unserer Zeit. Dabei ist zu erwähnen, dass er mit seiner Boll KG ausschließlich auf die geschäftliche Seite des Films hinarbeitet, und künstlerisch bereits so einige Bruchlandungen hingelegt haben soll. So kommt es nicht von ungefähr, dass sein Spitzname Son of Ed Wood ist, der ja zum schlechtesten Regisseur aller Zeiten gewählt wurde. Dabei kann man Boll sicher nicht vorwerfen, dass er keine Ahnung von Geld hat, denn er wählt sich entweder Themen aus, die auf einem Videospiel basieren und so bereits eine Fanbase haben, oder Themen, die besonders brisant sind und viel Fingerspitzengefühl erfordern, was Boll selbstverständlich nicht besitzt.

Diese Kombination führt schließlich dazu, dass sich die Filmpresse empört zeigt und seine Werke ein ums andere Mal verreißt. Doch dies ist meist genau die Reaktion, die Boll beabsichtigt, denn durch die Hetzkampagnen werden seine Filme erst einem breiten Publikum bekannt gemacht. Mit Postal geht er nun einen Schritt weiter, macht er sich doch vor allem über die Post-09/11 Gesellschaft lustig, und scheut dabei wirklich vor keiner Peinlichkeit zurück. Für mich persönlich war Postal der erste Boll Film, und ich kannte den Großwesir des schlechten Geschmacks nur aus Erzählungen. Deshalb konnte ich auch vergleichsweise unbefangen in den Film gehen und versuchen, Postal aus möglichst neutralem Blickwinkel zu betrachten. Doch nicht einmal das konnte dieses dilettantische Werk retten.

Der Postal Dude (Zack Ward) hat gehörig die Schnauze voll: Er ist chronisch arbeitslos, lebt in einem heruntergekommenen Trailerpark in der amerikanischen Kleinstadt Paradise und seine Frau betrügt ihn regelmäßig mit jedem, der es gerne möchte. Der Gang zum Sozialamt, wo er schließlich genau rechtzeitig zur Pause der Mitarbeiter an der Reihe wäre, gibt ihm den Rest. Der Postal Dude macht sich auf den Weg zu seinem Onkel Dave (Dave Foley), der angeblich ein Verbrechen plant, was den Dude aus seiner misslichen Finanzlage befördern könnte.

Onkel Dave ist ein Lebemann wie er im Buche steht: Er leitet eine religiöse Sekte und verbringt seine Zeit damit, seine schönen Anhängerinnen im Bett zu beglücken. Doch da ihm die Steuerfahndung im Nacken sitzt, muss sich Dave etwas überlegen, um seine Finanzen aufzubessern. Da kommt es ihm gerade recht, dass das Schiff, das die heißbegehrten Krutchy-Puppen, die verdächtig wie ein männliches Geschlechtsorgan aussehen, aus China importieren sollte, gesunken ist und so die wenigen Puppen, die gerettet werden konnten, bei Ebay eine Menge Geld bringen. Diese geretteten Puppen lagern im Vergnügungspark Little Germany, wo sie der Postal Dude gemeinsam mit seinem Onkel Dave stehlen will. Zum Glück hat man ja die höchst willigen Frauen der Sekte mit dabei, welche die Wachen ablenken können. Doch leider hat es Osama Bin Laden (Larry Thomas) auch auf die Puppen abgesehen, da er in ihrem Inneren einen tödlichen Vogelgrippevirus ins Land geschmuggelt hat. Als die beiden Seiten aufeinander treffen, beginnt das Blutbad...

Das neue Uwe Boll-Werk Postal basiert auf dem gleichnamigen, höchst umstrittenen Videospiel von Running with Scissors, von dem es bis dato zwei Teile gibt, wobei Teil Drei bereits für 2008 angekündigt wurde. Die Serie geriet vor allem durch ihren extrem brutalen Inhalt ins Kreuzfeuer der Kritik und wurde unter anderem in Deutschland indiziert. Der Titel des Spiels bezieht sich dabei auf die amerikanische Redewendung going postal, was soviel bedeutet wie einen Amoklauf starten. Das Spielprinzip von Postal soll sich dabei etwas an der beliebten GTA Reihe orientieren, wobei es bei Postal selbstverständlich noch eine Spur härter zugeht.

Wenn man nun den schäbigen Ruf von Uwe Boll als Filmemacher mit der umstrittenen Härte von Postal als Videospiel kombiniert, beginnt man bereits zu erahnen, dass diese Verfilmung wirklich böse werden könnte. Boll hatte ja bereits angekündigt, dass sein Film beleidigend sein wird und vor niemandem Halt macht. Der Film Postal kam zustande, da sich Boll in der Post-09/11 Ära zurück in die McCarthy Zeit versetzt sah, und sich die Gesellschaft, zumindest seiner Meinung nach, zurückentwickelt hat. In einer Zeit, in der sich niemand mehr seine Meinung zu sagen traut, wollte Uwe Boll aufstehen und einen Film machen, der so ins Epizentrum unseres Bewusstseins schlägt, dass wir alle gar nicht mehr anders können, als uns zu äußern.

Es war also gar nicht Bolls erklärtes Ziel, einen unterhaltsamen oder gar guten Film zu machen. Er wollte sich lediglich über möglichst viele Gesellschaftsgruppen lustig machen, sodass die Leute anschließend das Bedürfnis haben, über sein Werk zu reden. Dabei ist es ihm völlig egal, ob sein Film gelobt oder verrissen wird, Hauptsache er erzielt eine Wirkung beim Publikum. Er wollte sich nicht darum kümmern, was politisch korrekt ist und was man nach Ansicht der allgemeinen Meinung machen darf. Boll wollte einfach das machen was ihm vorschwebte und dabei im Stil von Das Leben des Brian über jeden herziehen.

Dies verriet Uwe Boll zumindest vor der Pressevorführung in Wien, in der Praxis sieht dies allerdings etwas anders aus. Das wirklich bemerkenswerteste an Postal ist nämlich nicht, dass Boll sich über wirklich alles lustig macht, darunter auch den 11. September und Behinderte, also quasi einen Skandal vorprogrammiert, sondern dass er, obwohl er sich an allen Ecken und Enden soviel Mühe gibt, einfach nichts zustande bringt. Es gehört wirklich viel fehlendes Talent dazu, um aus diesem Stoff einen Film zu machen, bei dem man als Zuseher nicht einmal das Interesse hat, sich über die absolut dilettantische Herangehensweise aufzuregen.

Dabei versprach bereits der erste Promoclip aus dem Film, der die Terroristen vom 11. September zeigt, als sie sich im Cockpit des Jets streiten, wieviele Jungfrauen man ihnen versprochen hatte, dann entscheiden nicht in das World Trade Center, sondern lieber auf die Bahamas zu fliegen, und schließlich von den Passagieren überwältigt werden, weswegen das Flugzeug schließlich doch in den Turm fliegt, Skandalmaterial sondergleichen. Doch nicht nur dieser Clip, sondern auch der Stil, den Boll anschlägt, liest sich, wenn man einige Szenen beschrieben bekommt, ziemlich heftig, aber auf der Leinwand serviert Boll nur einen Rohrkrepierer nach dem anderen.

Postal zeigt ein Massaker an Kindern, er lässt einen Kinderwagen von einem Lastwagen überfahren und er lässt einen Zwerg von einer Bande Affen vergewaltigen. Auch nützt man wirklich jede Randgruppe, die sich bietet, aus, und zieht gnadenlos über sie her. Einmal ganz von den Taliban, Präsident Bush und den Behinderten abgesehen, erlaubt man sich auch noch Seitenhiebe gegen die waffenvernarrten Amerikaner und gegen alle Religionen. Wenigstens macht Uwe Boll nicht einmal vor sich selbst Halt, und so spielt er sich im Film selbst und gibt augenzwinkernd zu, dass seine Filme mit Nazigold finanziert wurden. Doch es ist einfach so, dass Boll dermaßen wenig Gespür hat, dass all seine, durchwegs dämlichen, Gags verpuffen.

Die generelle Herangehensweise von Boll, dass er sich einfach über alles lustig macht, was ihm vor den Lauf kommt, nur damit er für Gesprächsstoff sorgt, ist schon verurteilenswert, aber wie das Ganze dann umgesetzt wurde, nimmt dem Zuseher jeden Willen, sich über diesen Mist auch noch aufzuregen. Uwe Bolls Humor scheint sich auf völlig niveaulose Fäkal- und Sexwitze zu beschränken, und als Abwechslung fällt ihm höchstens noch eine geschmacklose Verarschung ein. Die Witze selbst sind dabei wirklich auf unterirdisch schlechtem Niveau und können nicht einmal für einen Grinser sorgen. Was man Postal schließlich am meisten vorwerfen muss, ist nicht einmal, dass er sich wirklich über alles lustig macht und dabei absolut kein Fingerspitzengefühl beweist, sondern dass er ganz einfach langweilig ist. Und dass Postal dabei so dermaßen unbedeutend und dilettantisch ist, dass man nicht einmal Lust hat sich über den offensichtlich untalentierten Regisseur aufzuregen, ist die wirkliche Überraschung bei diesem Film.

Fazit:
Das war er also, mein erster Film von Uwe Boll, und endlich kann ich nachvollziehen, warum er von vielen Son of Ed Wood genannt wird. Ich wollte es zuerst nicht wahrhaben und glaubte daran dass Postal so schlecht ist, dass er schon wieder unterhaltsam ist, aber das wirklich Tragische an diesem Film ist, dass er die Unfähigkeit seines Regisseurs von Anfang an auf einem Banner vor sich herträgt, sodass man sich als Zuseher einfach nur zu Tode langweilen wird. Zwar traut sich Uwe Boll tatsächlich, auf alles und jeden loszugehen und macht nicht einmal vor Behinderten halt, doch nicht einmal nachdem Boll im blutigen Finale eine Gruppe Kinder niedermetzelt, hat man wirklich das Bedürfnis, sich über diesen Schund aufzuregen. Und das ist vielleicht die größte Überraschung: Boll beweist zwar immer wieder, dass er absolut keinen Geschmack hat, und dass er alles tut, um für Gesprächsstoff zu sorgen, doch noch nicht einmal mit solch einem skandalträchtigen Material kräht ein Hahn nach ihm. Wie auch, wenn er das Publikum 90 Minuten lang mit einem langweiligen Witz nach dem anderen auf die Folter spannt?

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