Prinzessinnenbad

OT: -  92 Minuten -  Dokumentation
Prinzessinnenbad
Kinostart: 23.11.2007
DVD-Start: 19.07.2012 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Prinzessinnenbad

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Bettina Bluemer, die mit ihrem Dokumentar-Regiedebüt Prinzessinnenbad gleich bei der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet wurde, versucht etwas tiefer in den sozialen Brei Berlin-Kreuzberg einzutauchen, und das Leben dort mit all seiner kulturellen Ambivalenz für den Zuseher greifbar zu machen. Nach all den Vorschusslorbeeren, die man sowohl von der Berlinale als auch von diversen Kollegen gehört hat, muss ich an dieser Stelle doch sagen, dass am Ende ein kleines bisschen Enttäuschung mitschwingt. Denn der wirklich tiefgreifende Film, wie angekündigt, ist es nicht geworden. Dafür ist Prinzessinnenbad ein ergreifendes Portrait dreier Mädchen am Weg zum Erwachsenwerden.

Klara, Mina und Tanutscha sind 15 Jahre alt, leben in Kreuzberg und werden nur von ihren alleinerziehenden Müttern betreut. Im titelgebenden Prinzenbad in Berlin trifft sich die Clique, und es wird posiert. Auch die etwas zu groß geratene Klappe muss natürlich im Einsatz bleiben, und so ist der erste Satz des Films: "Halt´s Maul und lass dir erstmal einen Penis wachsen!". Die drei Mädchen geben sich dabei nach außen hin zwar bereits erwachsen, aber auch sie kämpfen mit den ganz alltäglichen Problemen der Pubertät. Wie geht man mit der Beziehung um, was will man später werden und vor allem: Wo steigt die nächste Party?

Es ist dabei durchaus verständlich, dass die Dreharbeiten eine lange Vorbereitungszeit erforderten, denn immerhin dringt Prinzessinnenbad sehr in die Intimsphäre der drei Mädchen ein und offenbart dem Publikum viel aus ihrem Leben. Dabei ist sehr zu beobachten, wie sie sich am Beginn noch möglichst souverän geben und abgeklärt wirken wollen, aber im Lauf des Films bröckelt ihre Fassade immer wieder an manchen Stellen, sodass man einen Einblick in ihr Inneres bekommt. Gerade diese Momente sind es auch, die den Zuseher am meisten bewegen.

Zum Beispiel wenn sich die Mädchen, in kindlicher Naivität, die sie selbst immer bestreiten, schwören, für immer die besten Freunde zu bleiben, ganz egal was passiert, sich aber in Wirklichkeit bereits die ersten Risse in ihren Freundschaften bilden, weil sie vielleicht teilweise einfach zu unterschiedlich ans Leben herangehen. Während Klara einen Freund will, der ihr sagt was sie zu tun hat, damit sie dann gegen diese Vorschriften verstoßen kann, ist ihre Freundin Mina an einer reifen Beziehung interessiert und kann Klara nicht verstehen. Auch schulisch sehen die Differenzen ähnlich aus, denn Klara schlägt sich in einer Schwänzerklasse durch, während Mina an Erfolg interessiert ist.

Dabei ist es Bettina Bluemer hoch anzurechnen, dass sie mit ihrem Film keine verurteilende Studie über asoziale Fälle in Kreuzberg gemacht hat. Man hätte durchaus die härtesten Fälle aufgreifen können, um zu zeigen, was in diesem Viertel alles möglich ist, aber stattdessen hat man sich für einen subtileren Weg entschieden und mit den drei portraitierten Mädchen keine absoluten Blindgänger ausgewählt, sondern vergleichsweise gewöhnliche Mädchen, die stark von ihrem sozialen Umfeld beeinflusst werden. Dabei treten zwar so einige Klischees auf, aber diese bleiben immer nur an der Oberfläche. Wenn man jedoch tiefer blickt, entdeckt man den viel interessanteren Kern.

Klara, Mina und Tanutschka sind dabei höchst interessante Fälle. Dadurch, dass sie dem Publikum einen tiefen Einblick in ihr Leben gewähren, kann man förmlich erkennen, wie ihre Persönlichkeit durch ihr Umfeld beeinflusst worden ist. Die Väter sind weit und breit nicht zu sehen, und wenn sich die Mütter fragen, was sie ihren Kindern verbieten und was erlauben sollen, und schließlich als Fazit die Regel "Kein Heroin und nicht schwanger werden" herauskommt, ist dies keine reine Verurteilung, sondern ein einfühlsames Annähern an einen sozialen Konfliktherd.

Als Zuseher wird man sich selbstverständlich seine eigenen Gedanken zum Gezeigten machen, aber es ist sehr lobend zu erwähnen, wie es Bettina Bluemer schafft, jede Verurteilung zu vermeiden und dennoch keine dunklen Kapitel auslässt. Sie zwingt die drei Mädchen dabei nicht in ein Kreuzverhör, sondern folgt ihnen einfach in ihren Alltag, und lässt sie entscheiden, was sie sagen wollen und was nicht. Doch vom Verschleiern scheinen sie nicht viel zu halten, und so bieten sie sich dem Publikum wie ein offenes Buch an.

Es ist auch wirklich interessant, ihren Geschichten zu lauschen, jedoch drängt sich auch ein kleiner Negativpunkt auf. Bei der ganzen Fokussierung auf die drei Mädchen bleibt Prinzessinnenbad leider kein größerer Kontext über. Auch kann ich mich nicht wirklich damit anfreunden, für diesen Film ins Kino zu gehen, wenn es doch soviele ähnlich angelegte Fernsehreportagen über dieses Thema gibt. Denn trotz allem rauen Charme, den die Mädchen entwickeln, und so sehr sie auch die Faszination des Publikums wecken, die große Leinwand muss für diesen Film nicht unbedingt herhalten, auch wenn es ein durchaus interessantes persönliches Dokument ist, das auch mir Spaß bereitet hat.

Fazit:
Prinzessinnebad ist ein sehr ehrliches, unverfälschtes Dokument, das das Leben dreier Mädchen beleuchtet und dem Zuseher einen Einblick in den Alltag im kulturellen Hexenkessen Berlin-Kreuzberg gewährt. Klara, Mina und Tanutschka verhalten sich dabei offen und natürlich, und Regisseurin Bettina Bluemer vermeidet jede Verurteilung geschickt und überlässt es dem Publikum, sich seine Gedanken zu machen. Dabei erinnert Prinzessinnenbad an vielen Stellen mehr an einen Spielfilm als an eine Dokumentation und erweist sich als relativ unterhaltsam. Leider ist dabei auch nicht mehr als ein durchaus interessantes Portrait herausgekommen, und speziell die oft so gelobte kulturelle Tiefe vermisse ich etwas. Auch muss man für diesen Film nicht unbedingt ins Kino, da er die Vorzüge des Mediums nicht wirklich ausnützt. Nichtsdestotrotz kann ich dem Film nicht absprechen, einiges richtig zu machen, und von da her sollte man es sich vielleicht doch überlegen ihn einmal anzusehen. Vielleicht sogar auf großer Leinwand...

Wertung:
6/10 Punkte

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