Invasion

OT: -  99 Minuten -  Thriller
Invasion
Kinostart: 19.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Invasion

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Nachdem der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel bereits mit Das Experiment für Aufsehen sorgte, und erst vor kurzem mit Der Untergang den endgültigen internationalen Durchbruch schaffte, was wohl auch durch die Oscar-Nominierung seines Films in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film begünstigt wurde, darf sich das deutsche Talent zum ersten Mal an eine Hollywood-Produktion wagen. Dabei dreht er das vierte Remake der schon ausreichend bekannten Körperfresserthematik, schafft es allerdings leider nicht, in der Traumfabrik Fuß zu fassen. Sein Invasion schrammt nur knapp am Debakel vorbei.

Der Anfang vom Ende wurde vom Produzenten des Films Joel Silver eingeleitet. Nachdem Invasion bei ersten Testvorführungen nicht gut angekommen war, ließ er den Film völlig überarbeiten. Dazu waren auch Nachdrehs nötig, allerdings fanden diese nicht unter der künstlerischen Leitung von Regisseur Hirschbiegel statt, sondern Silver ließ die neuen Szenen von James McTeigue, dem Schützling der Wachowski-Brüder und V wie Vendetta-Regisseur drehen. So schusterte man einige Actionszenen in den an sich ruhigen Film von Hirschbiegel, was bewirkt dass Invasion ein einziger Fleckenteppich ist.

Am Beginn steht ein abstürzendes Space-Shuttle, welches beim Wiedereintritt in die Atmosphäre explodiert. Dies stellt sich allerdings nur als die Spitze des Eisbergs heraus, denn durch die Teile des Shuttles wird ein außerirdischer Organismus auf die Erde gebracht. Jeder, der mit diesem in Kontakt kommt, wird, nachdem er eingeschlafen ist, zu einem gefühllosen Wesen, das nur das Ziel hat, möglichst viele andere Menschen mit diesem Organismus zu infizieren. Dabei gehen die Befallenen äußerst durchdacht vor und bringen zuerst Regierungsbeamte und andere öffentliche Einrichtungen unter Kontrolle.

So wundert sich auch Psychiaterin Carol Benell (Nicole Kidman), warum ihr Ex-Mann Tucker (Jeremy Northam)  plötzlich von seinem Besuchsrecht gebrauch machen möchte und seinen Sohn Oliver sehen will. Langsam beginnt die Welt sich zu verändern, und obwohl sie sich lange dagegen wehrt, kann auch Carol bald nicht mehr leugnen, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Es dauert nicht lange und die Infizierten sind in der Überzahl und wollen alle noch normal denkenden Menschen auf ihre Seite ziehen. Gemeinsam mit ihrem Freund Ben Driscoll (Daniel Craig) macht sich Carol auf, um gegen den Befall zu kämpfen. Doch zuerst muss sie Sohn Oliver zurückholen...

Man kann Invasion gar nicht absprechen, dass er ziemlich stimmungsvoll beginnt. Es hat schon etwas, wie sich plötzlich alle Menschen rund um die Hauptfigur verändern, durch die Nachrichten allerdings immer nur beruhigende Botschaften durchgesagt werden, wonach nur eine kleine Grippewelle umgeht. Man kann sich sehr gut in diese Lage hineinversetzen, kennt man es doch nur zu gut, wie man auf die Statements von Wissenschaftlern und den Nachrichten angewiesen ist. Es muss etwas sehr Schauriges an sich haben, wenn man merkt, dass etwas vorgeht, aber rund um einen nur gesagt wird, dass alles in Ordnung ist.

In dieser Einleitungsphase kann man auch noch erahnen, welchen Stil sich Hirschbiegel für seinen Film gewünscht hätte. Genau kann natürlich nicht gesagt werden, welche Dinge von der Nachbearbeitung zerstört wurden, und welche von vorne herein schlecht waren, aber dies ist auch gar nicht notwendig. Es zählt nur was schließlich im Kino zu sehen ist. Und dies ist eben eine höchst unzufriedenstellende Mischung aus der ruhigen, subtilen Erzählweise Hirschbiegels mit der Hau-Drauf Action von McTeigue, was natürlich so nie funktionieren kann.

Doch man soll die Schuld nicht nur Richtung McTeigue schieben, denn auch Hirschbiegel dürfte schon einiges falsch gemacht haben, und es steigt doch der Eindruck auf, dass dies wohl einfach nicht der richtige Stoff für ihn war. Man darf gespannt sein, ob ihm Hollywood, vor allem nach dem miesen Einspielergebnis von gerade einmal knappen 15 Millionen Dollar in den USA, noch eine Chance geben wird. Auf jeden Fall kommt, sobald sich die schemenhafte Bedrohung durch den außerirdischen Virus in eine tatsächlich physisch präsente Gefahr entwickelt hat, keine Stimmung mehr auf.

Dies liegt wohl auch an den zombieähnlichen Infinzierten, die mit ihrem leeren Blick und dem langsamen Gang nur eine Lachnummer, aber sonst nichts sind. Sie wirken an vielen Stellen tatsächlich wie ungeschminkte Zombies, die ihr Opfer allerdings nicht zerfleischen, sondern nur bespucken. Zwar ist dies ein durchaus logisches Vorgehen, will man doch den Organismus übertragen, aber auf der Leinwand wirkt es einfach nur peinlich wenn eine Gruppe Infizierter ihren Schleim in das Essen im Restaurant spuckt, um die Gäste anzustecken.

Durch diesen nicht vorhandenen Bedrohungsfaktor fallen auch die zahlreichen, wahrscheinlich nachträglich eingefügten, Verfolgungsjagden reichlich unspektakulär aus. Verstärkt wird das Unbedeutende an diesen Szenen noch dadurch, dass sich Carol bereits reichlich früh den Virus einfängt, und eigentlich den restlichen Film über nur nicht einschlafen darf. Den Verfolgungsjagden wird also noch zusätzlich an Spannung genommen, da selbst die einzige verbleibende Gefahr, die des Infiziertwerdens, von der Hauptdarstellerin genommen wird.

Dabei hätte die Ausgangslage einiges hergegeben. Vor allem die Ansätze, dass man es doch als emotionslose Hülse viel besser hat, da man nicht mehr unter Krieg oder Streit leiden müsse, sind interessant, werden aber nicht wirklich ausgenutzt. Auch der subtile Ansatz, dass man in einer Welt lebt, die langsam von innen aufgefressen wird, hätte Möglichkeiten geboten, doch auch diesen Faden hat man nicht ergriffen. Stattdessen setzt man ausschließlich auf die einfache Hollywood-Methode, schustert einen Film im Patchworkstil zusammen, der auf der einen Seite aus Subtilität und auf der anderen aus Action bestehen soll und versteht nicht warum das dann am Ende nicht funktioniert. Das Einzige, das diesen Film aufwertet, ist die zugegeben gute Chemie zwischen Nicole Kidman und Daniel Craig, die dafür verantwortlich ist, dass der Film zumindest kurzweilig bleibt. Aber für einen Kinogang ist dies definitiv zu wenig.

Fazit:
Invasion hatte viele Möglichkeiten, doch da man sich nicht entscheiden konnte was man wollte, ist nur ein riesiger Fleckenteppich dabei herausgekommen. So beinhaltet der Film subtile Szenen von Hirschbiegel, aber auch so gar nicht dazupassende Actionszenen von James McTeigue, die nach einem missglückten Testscreening nachgedreht wurden. Natürlich konnte man es sich auch nicht verkneifen, die klassischen Horror-Logikfehler einzubauen, was aber im Prinzip völlig egal ist, da die "Gegenspieler", also die vom Virus befallenen Menschen, ohnehin nur eine Lachnummer sind. Sie wirken wie Zombies ohne Schminke, die ihr Opfer nicht töten, sondern anspucken, um den Virus zu übertragen. Fast so, als wäre man sich dieser Komik bewusst, werden die Verfolgungsjagden auch wie in einem Zombiefilm aufgebaut. Wäre da nicht die gute Chemie zwischen Nicole Kidman und einem sympathischen Daniel Craig, wäre der Film ein gänzliches Debakel. So ist es nur ein schwacher Film, der viele Möglichkeiten vertan hat.

Wertung:
4/10 Punkte

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Ø Wertung: 5.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 9
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