Schutzengel (2012)

OT: Schutzengel - 132 Minuten - Thriller
Schutzengel (2012)
Kinostart: 28.09.2012
DVD-Start: 15.03.2013 - Blu-ray-Start: 15.03.2013
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Filmkritik zu Schutzengel

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Til Schweiger ist gewissermaßen das deutsche Pendant zu Will Smith. Nicht nur, dass sich beide Schauspieler mit Action und Komödie hauptberuflich in denselben Genres bewegen – sie versuchen auch mit demselben Engagement ihre Sprösslinge von ihrem Starfaktor profitieren zu lassen. Jaden Smith wird von Vater Will in ein Filmprojekt nach dem nächsten gepusht und Tochter Willow wird bei ihrer Musikkarriere tatkräftig unterstützt. Schweiger macht es ähnlich: Bereits in „Keinohrhasen“ und „Zweiohrkücken“ ließ er alle vier Kinder in Nebenrollen aufmarschieren, ehe Tochter Emma dann in „Kokowääh“ die Hauptrolle an der Seite ihres Vaters übernahm – und prompt zum Publikumsliebling avancierte. In „Schutzengel“ ist nun ihre ältere Schwester Luna an der Reihe. Die hat aber einen deutlich anderen Ausgangspunkt: „Schutzengel“ ist zum einen keine leichte Komödie wie Schweigers letzte Projekte – sondern eher ein knallhartes Actiondrama – und Luna hat zudem bereits das Teenageralter erreicht, in dem der Niedlichkeitsfaktor nicht mehr zählt. Und unter diesem Gesichtspunkt muss man sagen: Luna Schweiger gelingt es überhaupt nicht, dem Zuseher die Emotionen und Geschichte des verfolgten Waisenmädchens glaubhaft zu machen. Doch ihre schauspielerische Leistung ist noch das geringste Problem des Films....

Waisenkind Nina (Luna Schweiger) verbrachte ihr Leben in Kinderheimen. In dem Hotelangestellten Toni (Jakob Matschenz) findet sie einen Vertrauten, doch sie wird Zeuge, wie er von dem skrupellosen Waffenhändler Thomas Backer (Heiner Lauterbach) erschossen wird. Backer plädiert auf Notwehr, jedoch ist ihm dabei Nina als einzige Zeugin ein Dorn im Auge. Da er Verbindungen bis in die höchsten Kreise der Justiz hat, will er sie zum Schweigen bringen. Nina wird in den Zeugenschutz aufgenommen, wo der ehemalige Bundeswehrsoldat Max Fischer (Til Schweiger) und seine Kollegen für ihre Sicherheit sorgen sollen. Doch das sichere Haus, in dem sie versteckt wird, wird von Fischers Truppen gestürmt und Max Kollegen dabei erschossen. Max ahnt, dass er niemanden trauen kann, und er beschützt Nina fortan mit seinem Kriegskameraden, dem invaliden Rudi (Moritz Bleibtreu)...

Die Marketingkampagne für Til Schweigers neuestes Regie-Produzent-Drehbuch-Hauptrolle-Vehikel war irreführend: Zwar stand von Anfang an fest, dass sein neuester Streich keine Komödie, sondern ein Actionthriller werden soll, jedoch wurde das Projekt als „Film über die Bundeswehrsoldaten“ verkauft. Viel blieb davon im eigentlichen Film nicht mehr übrig. Zwar sollen Max und Rudi für das moralisch gute Handeln der deutschen Soldaten in Afghanistan stehen, jedoch sind ihre Dialoge über den Krieg so hohl und haben mit der tatsächlichen Handlung so wenig zu tun, dass der Background ihrer Charaktere beliebig austauschbar ist. So bleibt vom vermeintlichen Bundeswehr-Film nicht mehr als eine Widmung an die deutschen Truppen in Afghanistan am Ende.

Til Schweiger hat sich – klassischerweise – einmal mehr die Rolle des äußerlich harten und innerlich weichen Kerls auf den Leib geschrieben, der durch eine schicksalhafte Begegnung sein Leben verändert. In dieser Rolle macht er einmal mehr nichts falsch und wirkt authentisch. Dafür hat er aber als Drehbuchschreiber und Regisseur in „Schutzengel“ kläglich versagt. Oberflächlich betrachtet sind die Dialoge wie Schall und Rauch – Schweiger stückelte sämtliche handelsübliche Phrasen von „Du bist nicht allein“ über „Keiner versteht mich“ bis hin zu „Liebst du ihn?“ aneinander, ohne den Dialogen eine emotionale Tiefe zu geben. Doch das Problem des Films liegt nicht erst in dieser Phrasendrescherei, sondern schlummert viel tiefer. Das Skript weist nämlich spätestens ab Minute 15 Logiklöcher auf. Zugegeben: Schon Everybody’s Darling Christopher Nolan hat uns in „Inception“ stellenweise mehr schlecht als recht Auflösungen präsentiert, ohne dass es dem Gesamteindruck des Films Abbruch getan hat - aber in „Schutzengel“ wird der Zuseher schlichtweg für dumm verkauft. ACHTUNG SPOILER! So schickt der Waffenhändler seinen Schießtrupp nur aus einem einzigen Grund los: Er will die Zeugin auslöschen, um nicht ins Gefängnis zu wandern. Doch auch wenn von Anfang klar ist, dass der Oberstaatsanwalt ein Maulwurf im System ist, weiß der Zuseher aber auch, dass weder der Polizeipräsident, noch die Staatsanwältin mit Backer arbeiten. Folglich macht es auch keinen Sinn, das sichere Haus zu stürmen und die Zeugin zu töten, da der Verdacht dann ja erst recht bestätigt wäre. Und nein: Til Schweiger will zu keinem Zeitpunkt einen richtig komplexen Justiz-Verschwörungsthriller spinnen, denn dann wäre das vollkommen legitim. SPOILER ENDE!

Til Schwieger hat durchwegs auch gute Regieeinfälle. Sein Gespür für nervenaufreibende Spannung ist stellenweise genial, etwa wenn er den Zuseher bereits wissen lässt, dass der Schießtrupp in Kürze das Safe House stürmt und diese Szenen in dynamischen Einstellungen mit den alltäglichen Handlungen der ahnungslosen Beschützer im sicheren Haus kombiniert. An diesen Stellen bleibt kein Zuschauer ruhig sitzen - doch verlieren solche Elemente in der generellen Unglaubwürdigkeit der Geschichte an Wirkung. Auch hat der Film mit seinen 132 Minuten Laufzeit eine deutliche Überlänge und so wird „Schutzengel“ gegen Ende schlichtweg so lange, dass einem auch der größte Kugelhagel nicht mehr aufweckt.

Die Figuren sind von den Hauptrollen bis zu den Nebenrollen so eindimensional, teilweise trivial, angelegt dass einen das Schicksal der Personen völlig kalt lässt. Luna Schweiger nimmt man das allein gelassene Straßenkind zu keinem Zeitpunkt ab – dazu gibt ihr das Drehbuch auch schon viel zu wenig. Doch nur mitleidenswert durch die Gegend zu schauen gibt dem Charakter auch keinen emotionalen Mehrwert. Der Tiefpunkt ist jedoch der ständig am Flachmann nippende Polizeipräsident (Herbert Knaup). Er ist quasi die Personifikation einer großen Verfehlung des Drehbuchs: Er/es soll überzogen und lustig sein. Dieser Genre-Mix funktioniert nicht. Zwar sind so manche Situationen durchwegs komisch, allerdings wirken sie deplatziert in einem Film, der sich sonst so furchtbar ernst nimmt.

Fazit:
Vielleicht sollte man „Schutzengel“ nicht als Actionthriller mit Logiklöchern und unpassenden komischen Einsprengseln sehen, sondern vielmehr als Splatter-Film. Der Body Count des Films ist nämlich durchaus beachtlich und wenn es einem unterhält zuzusehen, wie Leute abgemurkst werden, bietet „Schutzengel“ sicherlich genügend spannende Szenen. Für alle anderen: Lasst die Finger davon!

Wertung:
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