Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke (2012)

OT: Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke - 80 Minuten - Dokumentation
Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke (2012)
Kinostart: 14.09.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke

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Bernd Liepold-Mosser, Theaterregisseur und Filmemacher, begibt sich in die kleine Marktgemeinde Griffen, um den großen Sohn des Ortes, Peter Handke zu portraitieren. So scheint es zu mindestens auf den ersten Blick. Das Ergebnis davon  ist allerdings eine unterschwellige Ironie, denn der Film bereichert den Zuseher nicht mit einem neuen Eindruck Handkes, sondern einem neuen Eindruck Griffens.

Ein konfliktbeladener Ort offenbart sich, der wohl alle Klischees eines kleinen, weltfremden Dorfes zu erfüllen scheint. Wenn man herausfinden will, wie die Einwohner zu Handke stehen, muss man sich zwangsläufig mit einigen historischen Problemen auseinandersetzten, die gegenwärtig keines Wegs verarbeitet scheinen. Denn natürlich wäre anzunehmen, dass es einfach ist, als kleines Dorf stolz auf den berühmten Handke zu sein, doch weit gefehlt. Da wäre zum Beispiel die zweisprachige Geschichte der Marktgemeinde zu beachten. Obwohl die älteren Generationen wohl durch die Bank Slowenisch bzw. Windisch (eine Dialektform davon) sprechen, ist diese Tatsache schwerstens verpönt und eine „Slowenienliebe“ gar nicht gern gesehen. Schreibt ein Handke nun ein gutes Wort, oder sonst erwähnenswertes über Slowenien, kommt er bei vielen gleich unters verbale Messer. Man duldet auch die vermeintlichen Lügen in seinem Werk „Wunschloses Unglück“ nicht. Denn wie die Umstände des Elternhauses beschrieben sind waren sie laut vielen Einwohnern nicht. Handkes Mutter, die Selbstmord begangen hat, habe nicht in einem Armenhaus gelebt. Gut heißen kann man auch „Die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter“ nicht, denn wie solle ein Peter Handke irgendeine Erfahrung dieser Angst haben? Anstatt auf dem Fußballplatz zu sein, hat man ihn ja immer nur alleine beim Lesen gesehen. Er wird also weitgehend als eigenartiger Mensch gesehen, der im Ort nie richtig Anschluss hatte.

Wenn es darum geht, unterschriebene Bücher zu horten oder die Schule zu bereichern, wandelt sich die Ansicht dann doch wieder leicht. Man bekommt als Zuseher nicht den Eindruck, als gäbe es besonderes Interesse an dem Literaten, zu mindestens kein positives. Offensichtlich rührt diese Meinung der Einwohner aber auch daher, dass der Fokus auf dem bäuerlichen Alltag gelegt ist, und Bücher generell eher ein unbekanntes Terrain sind.

Fazit:
Erfährt man auch nicht viel Neues über Handke selbst, erschließt sich doch ein ganz neues Bild Griffens. Tatsächlich tut sich der Ort ganz allgemein schwer, einen Zugang zu Peter Handke zu finden. Ob von Liepold-Mosser nun gewollt oder passiert, wird die Eigenart einer Marktgemeinde ans Licht gebracht, die teilweise humorvoll und teilweise erschreckend wirkt. Eine Interessante Darstellung die ein bisschen an Elisabeth Spiras „Alltagsgeschichten“ erinnert und dann doch dazu verleitet ein schlechtes Urteil über Griffen zu fällen.

Wertung:
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