7 Psychos (2012)

OT: Seven Psychopaths - 110 Minuten - Komödie
7 Psychos (2012)
Kinostart: 07.12.2012
DVD-Start: 17.04.2013 - Blu-ray-Start: 07.11.2013
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Filmkritik zu 7 Psychos

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Vor vier Jahren ist Regisseur Martin McDonagh mit seiner kultigen Tragikomödie Brügge sehen... und sterben? ein grandioses Erstlingswerk gelungen, das sich zu den großen Überraschungshits des Jahres zählen durfte. Deshalb warteten seine Fans natürlich gespannt darauf wie er sein zweites Werk anlegen würde: Kopiert er nur, oder findet er einen neuen Stil? Steigert er sich oder stagniert er? Oder: War das Erstlingswerk gar nur ein Glückstreffer und McDonagh kann nicht mehr daran anschließen? In Summe gesehen kann man die Befürchtungen vom Tisch wischen: 7 Psychos ist stilistisch völlig anders als Brügge sehen... und sterben? und geht völlig eigene Wege, die ebenfalls für ausgezeichnete Unterhaltung sorgen. Aber an den meisterhaften Vorgänger kommt der Film leider nicht heran.

Marty (Colin Farrell) ist Drehbuchautor und leidet an einer Schreibblockade. Die Tatsache, dass er diese immer wieder durch reichlich Alkohol in Griff kriegen will, schadet auch seiner Beziehung zu Kaya (Abbie Cornish). Sein bester Freund Billy (Sam Rockwell) ist ein erfolgloser Schauspieler, der immer wieder versucht Marty seine Hilfe aufzudrängen. Gleichzeitig hält er sich finanziell über Wasser, in dem er mit  Hans (Christopher Walken) Hunde entführt und anschließend die Belohnung von den Besitzern kassiert. Doch als sie sich den geliebten Hund von Gangster Charlie (Woody Harrelson) schnappen, fügen sich alle Fäden zusammen: Die Gangster machen Jagd auf Billy und Hans, und gleichzeitig bekommt Marty eine Geschichte, die er in ein Drehbuch verwandeln könnte...

Natürlich muss es für Martin McDonagh ungeheuer schwer gewesen sein, ein Thema für seinen zweiten Film zu finden. Denn immerhin sorgte in Brügge sehen... und sterben? nicht zuletzt der Schauplatz Brügge für einen Großteil der Atmosphäre und deshalb durfte man schon gespannt sein, wie sich sein Stil an einem “konventionelleren” Schauplatz anfühlen würde. Tatsächlich bekommt man mit 7 Psychos auf diese Frage keine wirkliche Antwort, da Martin McDonagh nur die destilierte Essenz des Stils seines Vorgängers übernommen hat, aber daraus nun etwas gänzlich anderes zusammenmischt.

Diese Essenz sind vorwiegend die schrägen Dialoge und die absolut durchgeknallten Charaktere, die sehr comichaft überhöht wirken. Doch ansonsten fühlt sich 7 Psychos frisch und kreativ an und übernimmt kaum etwas von Brügge sehen... und sterben?. Martin McDonagh legt seinen Film sehr fragmentarisch und spielerisch an. Er tastet sich höchst experimentierfreudig durch die Handlung und nimmt dabei kaum Rücksicht auf Hollywoodkonventionen, sondern zersplittert seinen Film in stilistisch sehr unterschiedliche Einzelhäppchen, die sich nur höchst widerwillig zu einem größeren Ganzen zusammenfügen lassen.

Aber gerade in diesen Ecken und den groben Brüchen, liegt auch viel vom Reiz des Films. Hinzu kommt, dass die Narration immer wieder geschickt durchbrochen wird, in dem Martin McDonagh auf einen Film-im-Film Handlung setzt und es immer wieder spannende Überschneidungen und Konflikte zwischen der Handlung des Films und dem Drehbuch von Hauptfigur Billy gibt. Gleichzeitig gibt es unzählige Wechsel zwischen verschiedenen Erzählmodellen, wie etwa Rückblicke, Erzählungen, Wunschvorstellungen - 7 Psychos lässt sich nur schwer festnageln, stattdessen springt der Film wild umher und entwickelt ein ganz eingeständiges und spannendes narratives Konstrukt, auf dessen Rücken der Film seine Show abziehen kann.

Das Stichwort Show ist dabei natürlich auch wichtig, denn 7 Psychos soll vor allem Spaß machen und diese Aufgabe erfüllt der Film auch bravourös. Die Dialoge sind köstlich, die Schauspieler unheimlich gut und das scheinbar unerschöpfliche Reservoir an abgefahrenen Ideen sorgt dafür, dass sich der Film stets frisch anfühlt und nie langweilig wird. Insgesamt gesehen hat 7 Psychos nur ein kleines Problem: Im Gegensatz zu Brügge sehen... und sterben? gleiten hier Tragik und Komödie nicht so ganz perfekt ineinander. So mancher dramatischer Einschub dämpft den Spaßfaktor leider zu sehr, sodass einem das Lachen für eine gewisse Zeit im Hals stecken bleibt und man fast schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn man kurz nach einem schweren Schickschalsschlag wieder lauthals loslacht. Das hat Brügge sehen... und sterben? besser hinbekommen, aber nichtsdestotrotz ist auch 7 Psychos ein sehr gelungener Film, den man sehen sollte.

Fazit:
Mit 7 Psychos ist Regisseur Martin McDonagh ein durchaus beeindruckender und höchst unterhaltsamer zweiter Film als Regisseur gelungen, der nur ein Problem hat: Die Perfektion des Erstlings Brügge sehen... und sterben? erreicht der Film in keiner Sekunde und auch die perfekte Mischung aus Drama und Komödie bekommt er nicht so gut hin. Aber: Auf Grund seiner experimentierfreudigen Struktur, den wilden narrativen Spielen und den durchgeknallten Einfällen ist auch 7 Psychos absolut sehenswert.

Wertung:
8/10 Punkte
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 27
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