Funny Games (1997)

OT: Funny Games - 108 Minuten - Thriller
Funny Games (1997)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 16.05.2013 - Blu-ray-Start: 16.05.2013
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Filmkritik zu Funny Games

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Der Österreichische Starregisseur Michael Haneke ist vor allem durch seine kritischen Filme bekannt die sich gekonnt vom Mainstream abwenden und durch Themen überzeugen die brisant und aufwühlend sind. Seine Filme sind nie zu konsumieren sondern stets zu interpretieren. Einfache Themen scheut der Regisseur mit aller Gewalt und er versucht immer den Zuseher zu schockieren und zu beanspruchen, nie ihn zu unterhalten. Funny Games ist erneut ein Film der genau in diese Richtung geht


 

Anna (Susanne Lothar), ihr Mann Georg (Ulrich Mühe) und ihr Sohn Schorschi (Stefan Clapczynski) fahren in Urlaub. Als sie bei ihren Ferienhaus ankommen sehen sie schon ihren Nachbarn Fred (Christoph Bantzer) gemeinsam mit zwei Unbekannten im Garten stehen. Als sie mit Fred reden wollen verhält dieser sich zusehend merkwürdig. Die beiden gehen in ihr Haus und Georg und Schorschi beginnen das Boot zu Wasser zu lassen. Während Anna im Haus das Essen zubereitet bekommt sie Besuch von den beiden Unbekannten von vorhin. Im Laufe des Tages werden ihnen Paul (Arno Frisch) und Peter (Frank Giering) alle möglichen Formen von psychischer und physischer Gewalt zeigen...


 

Michael Haneke liefert mit Funny Games erneut einen kritischen Film der Extraklasse. Gekonnt kritisiert er den Umgang der heutigen Filme mit Gewalt und bindet den Zuseher im Laufe des Films immer mehr als Komplize in die Handlung mit ein. Ob durch kurzes Augenzwinkern, oder auch durch kurze Ansprachen macht Paul dem Zuseher stets darauf aufmerksam das er diese ganze Gewaltorgie nur für die Zuseher macht. Haneke weist geschickt auf die Gewaltsucht der heutigen Bevölkerung hin die Brutalität in Filmen des Öfteren als Synonym für Qualität sehen. Gegen Ende spitzt sich in der berühmten Spulszene die Beeinflussung des Zuseher aufs höchste zu. Es wir ihm vor Augen geführt wie leicht man sich Gewalt als etwas akzeptables unterjubeln lässt, und dass ein Happy-End nur im Kino möglich ist.


 

Die Mörder werden intelligent gezeichnet und die Tatsache dass sie keine Motive nennen lässt die Bedrohung die von ihnen ausgeht noch einmal verstärken. In Funny Games wir Gewalt als genau das gezeigt was es wirklich ist: Als nicht konsumtauglich. Haneke zeigt die Brutalität in Funny Games als etwas abstoßendes das den Zuseher schockieren soll. Der Film wirkt bewusst konstruiert und etabliert sich am Ende als perfekt inszenierter ewiger Kreis der Gewalt.


 

Die schauspielerischen Darbietungen des Films sind absolut perfekt. Das gefolterte Elternpaar spielt ihre Rolle grandios und man nimmt ihnen jeden Augenblick ihrer Tortur ab. Haneke inszeniert Funny Games in langen Aufnahmen, die die Darsteller in den ohnehin schon sehr schwer zu spielenden Szenen aufs neue fordert. Der wahre Clou allerdings ist in der perfekten Rolle des Pauls zu finden. Arno Frisch liefert eine makellose Darstellung und verkörpert die perfekt gezeichnete Figur des intelligenten und bedrohend wirkenden Eindringling mit vollem Einsatz und Elan. Trotz der exzellenten Darbietungen aller Beteiligten ist Arno Frisch als der klare schauspielerische Höhepunkt des Films zu sehen.


 

Mit der Schaffung der bedrohenden Atmosphäre des Films ist Michael Haneke ein wahrer Glücksgriff gelungen. Die Eindringlinge entwickeln eine bedrohende Aura da sie sich bewusst jeder gesellschaftlichen Regel widersetzen. Man kann förmlich in die Rolle der gefolterten schlüpfen, da einem dieser Bruch sämtlicher gesellschaftlichen Tabus doch schwer im Magen liegt. Ein weiterer Punkt der die Atmosphäre des Films perfekt unterstützt ist die Tatsache das Haneke das Ehepaar die schlimmste Tragödie spielen lässt und diese auf das Komödien spielende Mörderpaar treffen lässt. Diese Kombination erzeugt extremes Unbehagen und sorgt dafür das sich der Zuseher die ganze Zeit über nicht wohl fühlt.


 

Die Gewaltszenen werden von Michael Haneke sehr stilvoll inszeniert, in dem er nie den Akt der Brutalität selbst zeigt, sondern stets die Reaktion eines anderen Beteiligten auf diesen Akt.


 

Funny Games ist ein absolut grandios inszenierter Film, in dem Michael Haneke gekonnt den Umgang der Medien mit Gewalt kritisiert und gleichzeitig eine hochdramatische Geschichte portraitiert die durch die beklemmende Inszenierung Hanekes eine unglaublich hohe Intensität erreicht. Der absolut widerwärtige Umgang mit Gewalt und der abstoßende Inhalt des Films ist einer der Gründe für seine herausragende Qualität. Gewalt wird nicht wie in anderen Filmen als etwas tolerierbares gezeigt, sondern als etwas abstoßendes das dem Zuseher schockiert und keinesfalls als konsumierbar dargestellt wird. Lediglich in einer Szene wird dem Zuseher Gewalt als passable Lösung gezeigt. Doch gleich darauf wird ihm mit der berühmten Spulszene vor Augen geführt das er sich gerade über einen  Mord gefreut hat und wie leicht Filme jemanden Gewalt als akzeptabel erscheinen lassen.


 

Funny Games wird sicher nicht jedem gefallen. Der Film ist abstoßend und anstrengend. Doch genau das will er auch sein. Er soll den Zuseher zum Denken anregen und jeder der sich den Film konzentriert ansieht wird förmlich gezwungen im nachhinein noch über dessen schrecklichen Kontext nachzudenken.


 

Fazit:

Ein intelligenter Film der durchdachte Kritik an den Medien vollführt und gleichzeitig durch seine beklemmende und grausame Atmosphäre starkes Unbehagen im Zuseher auslöst. Absolut grandios!


 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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