James Bond 007 - Skyfall (2012)

OT: Skyfall - 143 Minuten - Action / Abenteuer / Thriller
James Bond 007 - Skyfall (2012)
Kinostart: 01.11.2012
DVD-Start: 01.03.2013 - Blu-ray-Start: 01.03.2013
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Filmkritik zu James Bond 007 - Skyfall

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Knapp sechs Jahre ist es nun her, als das James Bond Franchise mit Casino Royale einen neuen Anstrich bekam. Weg von dem glatten „Überagent“ Bond mit seinen fantastischen Gadgets hin zu einer geerdeten, reflektierten, rauen und seriösen Version des MI6 Zöglings. Nachdem die Erwartungen durch die Boulevardpresse, mit diversen Gerüchten und Spekulationen rund um eine angebliche Fehlbesetzung des Hauptdarsteller Craigs, im Zaum gehalten wurden, konnte sich der Überraschungseffekt so richtig entfalten: Die Demontage des Mythos James Bond war perfekt, der Neustart des Franchises geglückt. Daniel Craig überzeugte ebenso, wie die neue Gangart. Zwei Jahre danach konnte Marc Forster den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Ein Quantum Trost enttäuschte trotz des Engagements von Paul Haggis (L.A. Crash, Casino Royale) mit einem schwachen Drehbuch und einem austauschbarem Bösewicht. Die Voraussetzungen für den Nachfolger Skyfall hätten also nicht besser sein können. Ganze vier Jahre hat es gedauert, bis Daniel Craig erneut im Auftrag Ihrer Majestät unterwegs ist. Und siehe da, Sam Mendes (American Beauty, Road to Perdition) führt das Franchise zurück, zu alter-neuer Größe.

Nach einer misslungenen Operation in der Türkei wird Geheimagent James Bond für tot erklärt. Eine Sicherheitslücke im MI6 führt dazu, dass vertrauliche Daten der Secret-Service-Mitglieder ins Internet gelangen, welche nun ihren Feinden schutzlos ausgeliefert sind. Für diesen Skandal wird M vor einem Untersuchungsausschuss zur Rechenschaft gezogen, doch als der MI6 selbst angegriffen wird und Bond wieder auftaucht, führen alle Spuren zu einem gewissen Raoul Silva, welcher behauptet, eine gefährliche Verbindung zu beiden zu haben. Als 007 die Fährte aufnimmt, wird seine Loyalität zu M schnell auf die Probe gestellt.

Ganz im Sinne von Maurice Binder, derjenige, der den James Bond Vorspännen einst ihre ästhetische Formsprache verlieh, beginnt der Film nach einer furiosen Verfolgungsjagd in Istanbul mit dem obligatorischen Vorspann, unterlegt mit der Stimme Adeles. Bereits hier wird vorausgegriffen, welche Hindernisse sich 007 in den Weg stellen werden:  Silhouetten und Schatten verfolgen den Agenten in gewohnt surrealen Animationen. Dabei sind es nicht unbedingt Bonds Schatten der Vergangenheit, die ihn einholen. Vielmehr wird M (Judi Dench) von einer dunklen Bedrohung heimgesucht und damit neben ihrem Zögling in den Mittelpunkt gerückt. Der dazugehörige Plot ist recht geradlinig und konventionell gestrickt: sensible Information gelangen in die falschen Hände und 007 soll sämtliche Wiederbeschaffungsmaßnahmen ergreifen. So banal der Plot auch klingt, so grandios schmückt das Drehbuch die Rahmenhandlung aus.

Ob die Konfrontation James Bonds mit seiner eigenen Sterblichkeit, der gesellschaftlich-soziale (und in einigen Pointen auch materielle) Generationen-Clash oder die zunehmende Technologisierung der Welt und die damit verbundene Angst werden zeitgemäß thematisiert. Und selbst bei dieser fundamentalen Seriosität nimmt sich James Bond: Skyfall nie zu ernst. Als 007 auf Mission geschickt wird und er zu seiner Verwunderung lediglich mit einem kleinen Transmitter und einer handtaschengerechten Pistole ausgestattet wird, bemerkt er trocken: „ ... not exactly christmas, isn’t it?!“. Woraufhin Q antwortet: „What did you expect? An exploding Pen?“. Wie ein roter Faden ziehen sich diese pointierten Anspielungen auf die vergangenen Tage durch Skyfall. Die selbstironische Reflexion gepaart mit dem trockenen Humor und vor allem die geistreich-sarkastischen Sticheleien zwischen M und Bond sind, fernab der zahlreichen Highlights des Films, den Gang ins Kino wert.

Die Bildsprache des Oscar-nominierten Briten Roger Deakins ist deutlich über dem Durchschnitt des Franchises anzusiedeln. Egal ob im staubig-trockenen Istanbul, dem LED-durchfluteten und farbenfrohen Shanghai dem kitschig-leuchtenden Macau oder im kalten, kargen und weitläufigen Schottland. Deakins bringt den Charakter jeder einzelnen Location auf die Leinwand und von dort direkt in den Kinosaal. Zudem wird das Schatten bzw. Silhouetten-Motiv des Öfteren gekonnt aufgegriffen und in Szene gesetzt. Wenn man nun genau hinsieht, kann man erkennen, dass die Inszenierung mit der Erzählung verschmilzt. Diese Tatsache ist im Blockbuster-Genre nicht unbedingt häufig anzutreffen, aber eben genau dieser Blick fürs Detail macht letztendlich den Unterschied aus.

Daniel Craig hat die Marke James Bond für sich gepachtet. An ihm soll es auch nicht scheitern. Gekonnt akrobatisch und wortgewandt schlägt er sich determiniert bis zur Erfüllung seiner Mission durch. Nach Skyfall sollte der Bedarf an Craigs Interpretation des Geheimagenten 007 noch nicht gedeckt sein. Zumindest für zwei weitere Abenteuer bleibt seine ruppige und kompromisslose Version dem Zuschauer erhalten. Höchstwahrscheinlich wird auch letzterer, indirekt, über Daniel Craigs Zukunft als James Bond entscheiden. Wie in jedem James Bond Film übernehmen eine, oder auch mehrere Frauen eine tragende Rolle. Im aktuellen Fall müssen sich die beiden jungen Damen, die solide aufspielende Naomie Harris als engagierte Kollegin und die bis dato unbekannte Bérénice Marlohe, der Grande Dame des MI6 unterordnen. Judi Dench leitet den Geheimdienst durch eine schwierige Zeit und das nicht ohne Probleme. Dabei schwankt die oscar-prämierte Schauspielerin famos zwischen mütterlicher Fürsorge und autoritärer Souveränität. Die Besetzung des jungen Ben Whishaw, als geekiger und hochintelligenten Tüftler Q, gemeinsam mit Naomie Harris markiert einen entscheidenden Wechsel der Generationen innerhalb des Franchises. Die Eingliederung beider Neuzugänge geschieht beinahe fließend und bleibt dadurch nachvollziehbar. Die großartigen Ralph Fiennes und Albert Finney kommen leider viel kurz, glänzen aber dennoch in aller Kürze. 

Essentiell für jedes Bond-Abenteuer ist ein exzentrischer Bösewicht. Von dem ist allerdings in Skyfall erst einmal nichts zu sehen. Nach gut einer Stunde beschwört Sévérine (B. Marlohe) in einer kurzen Sequenz einen Mythos über ihren Boss herauf, der seine Grausamkeit antizipiert. Zwei Minuten später hat Javier Bardem seinen Auftritt. Und was für ein Auftritt das ist. Craigs letzten beiden Gegenspieler, Mads Mikkelsen und Mathieu Amalric, wirken wie kleinkriminelle Handlanger im Gegensatz zu Bardems personifiziertem Wahnsinn. Der Kontrast zwischen seinen unschuldig-blonden Haaren und seinem markanten Gesicht, zwischen seiner kultivierten, homo-erotischen Oberfläche und dem Ur-Bösen, das er in seinen Augen und seinem Lachen trägt, ist zum Schaudern. Selbst nachdem er sein (grausames und deformiertes) Geheimnis preis gibt möchte man mit ihm sympathisieren, man kann aber nicht. Für Empathie ist das Grauen einfach zu groß.

Fazit:
Sam Mendes war ein wohl kalkulierter Glücksgriff der Produzenten des James Bond Franchises. Skyfall überzeugt nämlich auf ganzer Linie. Die Thematiken und der Realitätsbezug, die Dramaturgie und die Dialoge, die Beteiligten vor sowie hinter der Kamera: alles fügt sich stimmig ineinander. Auch stilistisch sowie technisch gibt sich Skyfall zu keinem Zeitpunkt die Blöße. Bewertet muss der Film ohnehin in seinem eigenen Rahmen werden. Für den nachfolgenden Teil wird es, wie einst für Quantum of Solace, also außerordentlich schwer werden die Erwartungen zu erfüllen, mit denen uns Skyfall zurücklässt. Denn Skyfall ist ein verdammt guter (wenn nicht der beste) Teil der neuen/alten James Bond Reihe.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 63
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