Michael Clayton

OT: -  119 Minuten -  Thriller / Drama
Michael Clayton
Kinostart: 29.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Michael Clayton

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Tony Gilroy, der unter anderem für die Drehbücher für die Bourne Trilogie und Im Auftrag des Teufels verantwortlich zeichnet, versucht sich bei Michael Clayton zum ersten Mal als Regisseur. Wenn man sich die bisherigen Arbeiten von Tony Gilroy ansieht, so wird man immer einen gewissen Bezug zur Arbeit und zum Geld feststellen. Besonders deutlich wird dies bei seinem Drehbuch zu Im Auftrag des Teufels,  der soetwas wie die extreme Version von Michael Clayton ist, mit einem Anwalt, der für den Teufel arbeitet und sich entscheiden muss, welchen Weg er weiter geht. Auch Michael Clayton verwendet ein ähnliches Sujet, um den persönlichen Kampf eines Anwalts darzustellen.

Michael Clayton (George Clooney) ist der Mann fürs Grobe. Er bereinigt die Probleme der Klienten einer großen New Yorker Anwaltskanzlei. Sein brillanter Kollege Arthur Edens (Tom Wilkinson) sollte eigentlich eine Milliardenklage gegen einen großen Chemikalienhändler abwenden, doch als er sich mehr und mehr in den Fall stürzt, entdeckt er, dass die Firma, die er verteidigen sollte, keineswegs ein Unschuldslamm ist, und so kommen ihm Zweifel und er sabotiert den Fall. Gleichzeitig scheint er durchzudrehen und wird unter Medikamente gesetzt. Nun liegt es an Michael Clayton, den Fall für die Firma unter Kontrolle zu bringen. Doch kann Clayton seine Zweifel ausschalten?

Die Inspiration für Michael Clayton kam Tony Gilroy während seiner Arbeiten am Drehbuch zu Im Auftrag des Teufels. Während seinen Recherchearbeiten besuchte Gilroy einige New Yorker Anwaltskanzleien und dort, als er durch die gigantischen Büroräume der Advokaten spazierte und ihre gigantischen Abteilungen sah, die man als Aussenstehender nur erahnen kann, sah er, wie die Anwälte rund um die Uhr arbeiteten, um so verschiedene Firmen und Großkonzerne am Laufen zu halten. So war die Idee zu Michael Clayton geboren.

Ein weiterer Anstoß kam durch einige wahre Geschichten rund um die Welt der Justiz, die Gilroy inspirierten, einen Film zu diesem Thema zu drehen. Eine Firma war zum Beispiel in einen gigantischen Rechtsstreit verwickelt, der sich bereits über Jahrzehnte zog, und in dem es um eine Vergleichssumme von ungefähr einer Milliarde Dollar ging. Zwei Tage bevor dieser Vergleich unterschrieben werden sollte, entdeckte ein Anwalt, der erst zwei Jahre bei der besagten Firma angestellt war, ein schlimmes Dokument, das den ganzen Fall über den Haufen geworfen hätte. Doch dieses Dokument kam nie ans Tageslicht, und der Anwalt, der es entdeckt hatte, wurde so schnell wie keiner zuvor zum Partner der Firma befördert.

Eine weitere Geschichte dieser Art dreht sich um General Motors. In den 70er Jahren wurde der gigantische Konzern verklagt, als einige seiner Autos nach einem Aufprall in Flammen aufgegangen waren. Verwandte von Opfern, die so ums Leben gekommen sind, verklagten GM und bekamen schließlich im Jahr 1999 eine Entschädigungssumme von 4,9 Milliarden Dollar zugesprochen. Der Grund für diese hohe Summe war ein Dokument, das GM Jahre lang versteckt hatte. Dieses stammte von GM-Ingenieur Edmund Ivey und trug den Titel "Kosten-Nutzen-Analyse von durch Kraftstoffbrand bedingten Todesfällen". Dieses Dokument ist nur ein sehr verständliches Rechenbeispiel, in dem man feststellte, dass es GM billiger kommen würde, eine Entschädigung für mögliche Todesfälle durch Kraftstoffbrand zu bezahlen, als den Ablauf der Montage abzuändern. GM entschied sich für die billige Lösung.

Inspiriert von solchen wahren Begebenheiten schickt Tony Gilroy seinen Anwalt Michael Clayton in den Kampf gegen den Großkonzern U/North. Michael Clayton ist dabei sicher kein 08/15 Vorzeigeheld. Er scheint selbst genügend Dreck am Stecken zu haben, hat er doch jahrelang als sogenannter Janitor (=Hausmeister) für die Anwaltskanzlei gearbeitet. Treffend bringt er es selbst auf den Punkt, als er spätnachts noch zu einem Klienten muss, der jemanden überfahren hat, und dann geflohen ist. Der Klient versteht nicht, warum Michael ihm nicht helfen kann, hat man ihm doch einen Wunderanwalt versprochen, und Michael Clayton reagiert nur trocken darauf und antwortet, dass er keinenfalls ein Wunderanwalt ist - er ist nur der Hausmeister, der den Dreck wegräumen muss.

Michael Clayton beginnt mit einem unglaublich intensiven Auftakt, der so wirkt, als würde Alfonso Cuarón den Beginn von Casino in seinem fiebrigen Children of Men-Stil nachdrehen. Tony Gilroy setzt hier auf eine Paranoia erzeugende Optik und schafft es von Anfang an, Suspense zu erzeugen. Michael Clayton ist hier bereits am Ende, seine Frisur zerszaust, unrasiert, mit dicken Augenringen versehen, irrt er durch das Geschehen und taumelt wie von einer unsichtbaren Macht gelenkt durch die Szenerie. Hier findet man schließlich auch die oben beschriebene Szene mit dem Fahrerfluchtklienten, und danach braust Michael Clayton mit seinem Mercedezs davon, um schließlich anzuhalten und zu einer Gruppe von Pferden zu gehen, um kurz innezuhalten.

Plötzlich stört eine gigantische Detonation die Ruhe, und ein Blick Michael Claytons gibt die Gewissheit, dass es sein Auto war, welches gerade explodiert ist. Eine Autobombe, doch wie konnte es soweit kommen? Eine Rückblende, innerhalb dieser der Film spielt, gibt Aufschluss, um dann am Ende wieder auf die Anfangssequenz zu stoßen. Tony Gilroy zeigt uns einen Michael Clayton, der nach und nach beginnt, an der Unschuld von U/North zu zweifeln, und der sich immer mehr den Pfaden seines Vorgängers Arthur Edens anschließt. Durch diesen Drang zur Rechtschaffenheit gerät er auch auf die Abschussliste von U/North, was schließlich zur oben beschriebenen Szene führt.

Michael Clayton schaltet dabei nach dem spannenden, furiosen Auftakt einen Gang zurück und nimmt sich viel Zeit, um seine Geschichte aufzubauen und seine Figuren einzuführen. Dabei muss man allerdings erwähnen, dass das Verständnis beim ersten Mal Sehen sehr schwer fällt. Den ganzen Mittelteil über verschiebt Tony Gilroy seine Figuren auf dem Schachbrett der Story, aber es fällt sehr schwer, das Gezeigte in einen größeren Kontext zu bringen, weswegen man die Bedeutung der einzelnen Szenen nicht immer versteht. Am Ende fügt sich das Puzzlespiel allerdings sehr gut zusammen, und so erreicht Michael Clayton einen unglaublich stimmigen Nachgeschmack - auch wenn ich denke, dass der Film beim zweiten Mal Ansehen ein wahrscheinlich noch besseres Bild ergibt.

Die Darstellerriege unter der Führung von George Clooney liefert dabei eine bemerkenswerte Show ab. Natürlich hat Charismatiker Clooney immer von vorne herein einen kleinen Bonus, da bereits seine sympathische Ausstrahlung jeden Film aufwertet, aber in Michael Clayton beschränkt er sich nicht nur darauf, seinen Charme spielen zu lassen, sondern überzeugt auch durch seine schauspielerischen Fähigkeiten. Wunderbar der Wandel vom zu Beginn normalen Anwalt zum am Ende heruntergekommenen und nervösen Wrack,  das aber mit sich zufrieden sein kann, da es das Richtige getan hat. Um dem Großkonzern, gegen den Clooney antritt, ein Gesicht zu geben, schlüpft Tilda Swinton in die Rolle der Gegenspielerin und überzeugt dabei vor allem durch ihre nach außen hin so harte Schale, die nur ihren ängstlichen Kern abschotten will. Doch auch die Nebendarsteller, wie zum Beispiel Tom Wilkinson als verrückter Anwalt, geben durch die Bank eine gute Figur ab, und lassen den Cast zu einer homogenen, starken Kraft anschwellen.

Was am Ende etwas fadenscheinig in Erinnerung bleibt, ist die etwas aufgesetzte Beleuchtung von Michael Claytons Privatleben. Die Auftritte mit ihm, seiner geschiedenen Frau und seinem Sohn wirken nicht wirklich stimmig und scheinen nur eingebaut worden zu sein, um der Figur auf Biegen und Brechen mehr Facetten zu geben. Umso besser funktionieren dafür alle anderen Ebenen des Films, und so kann man diese Schwäche getrost verzeihen. Leider erweist sich auch der Mittelteil beim ersten Ansehen als etwas konfus, da man noch nicht alle Szenen in einen größeren Kontext bringen kann, aber dieses Problem wird am Ende sehr gut gelöst, da sich am Schluss alle Fäden zufriedenstellend zusammenfügen. Auch ist es positiv zu erwähnen, dass Michael Clayton nicht mit aller Gewalt ein "Message-Film" sein will, sondern sich darauf beschränkt, die Geschichte eines couragierten Anwalts zu erzählen. Die Aussage, dass jeder den Mut haben sollte, gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen, fließt da schon wie selbstverständlich mit ein.

Fazit:
Michael Clayton ist ein wirklich interessanter Film, der am Anfang und am Ende Weltklasse ist, aber speziell im Mittelteil daran leidet, dass man als Zuseher nicht alle Elemente in einen größeren Kontext bringen kann, und sich wohl auch jeder, der sich nicht im Vorfeld über die Thematik informiert hat, an manchen Stellen fragen muss, worauf dieser Film eigentlich hinaus will. Doch diese Schwächen, die zumindest beim ersten Ansehen vorhanden sind, werden vom Ende geschickt gelöst, da man eine zufriedenstellende und lange nachwirkende Lösung präsentiert, die den Mittelteil in ein völlig verständliches Licht rückt. Nicht zuletzt dank der groß aufspielenden Darsteller ist Michael Clayton ein hochbrisanter und intensiver Film, den es sich lohnt anzusehen.

Wertung:
7/10 Punkte

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