Charade (1963)

OT: Charade - 113 Minuten - Komödie / Mystery / Romantik / Thriller
Charade (1963)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 07.06.2012 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Charade

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Es heißt, Charade sei der beste Film, den Alfred Hitchcock nie gedreht hat. Tatsächlich saß Stanley Donen im Regiesessel. Und auch, wenn Hitchcock als einmaliger Regisseur bekannt ist, so muss sich Donen keineswegs verstecken. Nach allseits bekannten Filmschätzen aus dem Fach der Romantikkomödien und Musicals wie Singin‘ in the Rain und Ein süßer Fratz, landete er 1963 schließlich auch einen Erfolg im Suspense-Film.

Reggie Lampert (Audrey Hepburn) genießt durch ihre Heirat ein recht angenehmes, luxuriöses Leben. Als sie von einem Skiausflug nach Hause zurückkehrt, ereilt sie die Nachricht von der Ermordung ihres Mannes. Nach der Beerdigung wird Reggie von der Polizei informiert, dass ihr Mann Teil einer kriminellen Bande war und geholfen hat 250.000 Dollar zu stehlen. Die übrigen drei Komplizen sind nun hinter dem Geld her und vermuten es in den Händen der ahnungslosen Witwe. Der charmante Peter Joshua (Cary Grant), den Reggie in den Ferien kennenlernte, bietet ihr alsbald seine Hilfe an. Doch kurzerhand stellt sich heraus, dass auch Joshua in ein undurchsichtiges Lügennetz verwickelt ist und das Ratespiel nach dem wahren Bösewicht beginnt.

Charade ist eine Kriminalkomödie höchster Güte mit zwei herausragenden Schauspielern und es ist schwer nicht in Lobeshymnen auszubrechen. Da wäre natürlich Cary Grant, ein Frauenheld, der in seinen Filmen für gewöhnlich mehr Blicke auf sich zieht, als die weibliche Hauptfigur. Beinahe hätte er die Rolle für Charade nicht angenommen, da ihm der Altersunterschied zu Hepburn zu groß erschien. Glücklicherweise ist es jedoch nicht so weit gekommen. Vielmehr wurde Charade eine ironische Hommage an den grandiosen Darsteller, der sich nicht nur im Film, sondern auch im wahren Leben nur schwer einfangen ließ. Denn weder konnte er mit einer Frau sesshaft werden, noch war und ist es möglich ihn in eine Genreschublade zu stecken.

Audrey Hepburn in der Rolle der Reggie Lampert ist ein ebenso großer Blickfang und spielt (wenig verwunderlich) auf gleicher Augenhöhe mit Grant. Sie war es gewohnt den Love Interest von wesentlich älteren Männern zu spielen – man denke nur an Sabrina, Ein süßer Fratz und Ariane – Liebe am Nachmittag. Reggie ist eine recht naive, aber doch kluge und herzliche Frau. Peter Joshua ein undurchsichtiger, gewitzter, rau-charmanter Gentleman. Zusammen bilden sie ein sehr ungleiches Paar, das dabei ist, sich ineinander zu verlieben. Dabei driftet Donen nicht wieder in Richtung einer seiner romantischen Komödien ab. Statt schmachtender Blicke und Sehnsuchtsbekundungen, gibt es gewiefte Dialoge mit viel Witz und Charme. Überhaupt enthält Charade mehr Humor als man es sonst von Kriminalfilmen gewohnt ist, was ihn deshalb noch sehenswerter macht.

Auch, wenn Donen es nicht gerne liest, aber natürlich lassen sich auch Parallelen zum Hitchcock-Stil erkennen. Denn so wie der Master of Suspense, versteht es auch Donen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Er setzt auf Spannungselemente, Angst als Leitmotiv und serviert sogar den von Hitchcock geprägten MacGuffin. Trotzdem: es bleibt Donens handwerklichem Geschick und Peter Stones intelligentem Drehbuch zu verdanken, dass Charade zu einem Klassiker der Kinogeschichte wurde. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass an Originalschauplätzen gedreht wurde, was Hitchcock – der das Studio bevorzugte – partout zu vermeiden suchte.

Der Filmtitel ist natürlich nicht zufällig gewählt. Der Zuseher wird unweigerlich zum Mitspieler einer kriminellen Scharade und macht sich selbst auf die Suche nach dem Bösewicht. Dabei befindet er sich in hochkarätiger Gesellschaft – von den Protagonisten, bis zu den Nebenfiguren – und agiert auf demselben Spielfeld wie Walter Matthau als schrulliger Attaché und James Coburn als finsterer Verbrechertyp. Ein geschickt inszeniertes Verwirrspiel zwischen den einzelnen Figuren entsteht, das sich erst am Ende gänzlich auflöst. Doch bis dahin werden dem Zuseher immer wieder falsche Fährten gelegt, wodurch unentwegt eine gespannte Erwartungshaltung aufrecht erhalten werden kann.

Fazit:
Ein großes Staraufgebot, überraschende Wendungen und Spannung von Anfang bis zum Schluss. Donen spielt mit den Erwartungen der Zuseher, denen kein merklicher Wissensvorsprung gegönnt ist und die daher ebenso wie Reggie Lampert im Dunkeln tappen. Charade ist ein ausgeklügelter Kriminalfilm, der einmal mehr zeigt, dass es im Grunde nichts mehr braucht, als eine handfeste Story und gute Dialoge – ein Muss für alle Filmfans.

Wertung:
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Filmering.at
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Ø Wertung: 9.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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