Die Vermessung der Welt (2012)

OT: Die Vermessung der Welt - 119 Minuten - Drama
Die Vermessung der Welt (2012)
Kinostart: 25.10.2012
DVD-Start: 26.04.2013 - Blu-ray-Start: 26.04.2013
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Filmkritik zu Die Vermessung der Welt

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Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“ wurde bereits erfolgreich von Isabell Kleefeld verfilmt. Jetzt hat sich Regisseur Detlev Buck einen anderen Roman des Schriftstellers ausgewählt um diesen zu adaptieren. „Die Vermessung der Welt“ wurde in über 40 Sprachen übersetzt und gilt als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Romane aller Zeiten. Die ausgesprochen hohe Fülle des Inhaltes in nur einen Film zu verpacken, ist wohl kaum möglich. Buck versucht es daher erst gar nicht und schafft einen eigenenständigen Film, der zwar durchaus Elemente des Buches enthält, allerdings den Stil auch stark verändert und sich selbst nicht so ernst nimmt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts machen sich zwei junge Deutsche an die Vermessung der Welt. Der eine, Alexander von Humboldt, kämpft sich durch Urwald und Steppe, befährt den Orinoko, kostet Gifte, zählt Kopfläuse, kriecht in Erdlöcher, besteigt Vulkane und begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern. Der andere, der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß, der sein Leben nicht ohne Frauen verbringen kann und doch in der Hochzeitsnacht aus dem Bett springt, um eine Formel zu notieren – er beweist auch im heimischen Göttingen, dass der Raum sich krümmt. Alt, berühmt und ein wenig sonderbar geworden, treffen sich die beiden 1828 in Berlin.

Gedreht wurde in 3D-Technik. Und das ist außnahmsweise auch gut so. Denn wir bekommen sehr authentische Bilder zu sehen, wenn wir Humboldt mit seinen Partner durch den Urwald begleiten. Dabei setzt man nicht auf bombastische Naturaufnahmen mit Effekten, sondern vor allem darauf die Atmosphäre authentisch einzufangen. Das gelingt auch und man bekommt ab und zu das Gefühl, als würde man gerade durch den tiefsten schlammigen und feuchten Urwald stampfen und nicht gerade im warmen bequemen Kinosessel sitzen. Die spannensten Bilder haben nichts mit großen Naturaufnahmen zu tun, sondern sind jene in der wir einzigartige Insekte, Affen oder wunderschöne Pflanzen zu sehen bekommen. Aber auch die ganze Story zieht den Zusehr durch die 3D Technik einfach stärker in seinen Bann.

Detlv Buck hat aus der größenteils fikiven Biografie zweier großer Wissenschaftler, einen Film gemacht, der vor allem auf schräge Figuren und komödiantische Elemente setzt. Ob die beiden Hauptcharakter den Zusehern sympathisch sein werden, wird wohl auf unterschiedliche Ressonanzen treffen. Vor allem die Figur des Humboldt strapaziert manchmal die Nerven des Publikums. Anderseits wird auch versucht ihm einen heldenhaften Status zu verleihen. Etwa als Humboldt etliche Sklaven befreit. Allerdings wird dieser Szene nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt und diese gutherzige Tat gerät wieder schnell in Vergessenheit. Auch der Charakter des Gauß ist nicht ganz stimmig getroffen und kann keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und das Schauspiel der beiden Protagonisten (Albrecht Abraham, Florian David Fitz) kann nur als durchschnittlich bewertet werden.

Interessant ist die Geschichte der beiden unterschiedlichen Lebesweisen zweier großer Wissenschaftler alle mal. Trotz der Betonung auf den komöidiantischen Elementen, kann der Film auch ein wenig zur Bildung beitragen. Denn einige Formeln werden durchaus verständlich und unterhaltsam dargeboten. Machnmal übertreibt man es aber auch mit der Schrägheit. Der Kaiser etwa ist absolut überzeichnet und nach ein paar Sätzen von ihm, hofft man schon er möge nicht mehr auf der Leinwand erscheinen. Der Film kann im Gesamten dem Buch nicht gerecht werden. Das Buch ist um einiges seriöser und anspruchsvoller. Der Film kann auch nie das Spannungslevel des Buches erreichen.

Ein paar interessante und amüsante Szenen gibt es aber allemal. Etwa das Zusammentreffen zwischen Gauß und den alten mürischen Kant. Auch gelingt es gut, den Flair der damaligen Zeit festzuhalten. Das man von Hygiene damals nur wenig hielt, zeigt spätestens die Szene in der Gauß einen „Zahnarzt“ aufsucht. Nur wenig Beachtung werden den zwischenmenschlichen Beziehungen geschenkt. Etwa die Beziehung zwischen Gauß und seinen Sohn, die nur im Letzten Drittel ein wenig behandelt wird. Auch das Verhältnis zwischen Homboltd und seinen Gefährten Aimé Bonpland hätte sich mehr Tiefe verdient.

Letzendlich kann man sagen, dass „Die Vermessung der Welt“ ein sehr ambitionierter Film geworden ist, der aber vom Spannungslevel nur wenig überzeugt. Außerdem wird vieles einfach zu oberflächlich behandelt und mehr Wert auf Schrägheit und komödiantische Elemente gelegt. Trozdem weiß der Film mit einigen amüsanten Momenten und gelungen eingesetzter 3D-Technik zu überzeugen. Das Thema ist auch sehr interessant, wird aber stark vermainstreamt. Dafür trägt der Film aber auch ein wenig zur Bildung bei.

Fazit:
Ambitioniert aber nicht ganz stimmig.

Wertung:
6/10 Punkte
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