Lissi und der wilde Kaiser

OT: - xx Minuten - Animation
Lissi und der wilde Kaiser
Kinostart: 25.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Lissi und der wilde Kaiser

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Es war ein kometenhafter Aufstieg, den Michael "Bully" Herbig vor einigen Jahren hinlegte. Zwar konnte er schon im Fernsehen mit seiner TV-Show Die Bullyparade große Erfolge feiern, aber im Jahr 2001 gelang ihm dann der Sprung auf die große Leinwand, und er servierte mit Der Schuh des Manitu, der Aufbereitung seiner eigenen Winnetou Sketche, einen regelrechten Kassenknüller. Rund 12 Millionen deutsche Kinobesucher spülten ca. 65 Millionen Euro in die Kassen, und in Österreich wurde der Film gar mit 1,78 Millionen Besucher der erfolgreichste aller Zeiten.

Vom Erfolg beflügelt, ließ Bully in seiner TV-Show das Publikum abstimmen, welche Sketchserie als nächstes ins Kino kommen sollte. Die Wahl fiel natürlich auf die sehr beliebte Raumschiff Enterprise Parodie, und schließlich kam die dazu gehörende Kinoumsetzung bereits im Jahr 2004 in die Kinos. (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 konnte zwar den Erfolg von Der Schuh des Manitu nicht übertreffen, aber mit insgesamt 9,9 Millionen Besuchern in Deutschland ist es noch immer der dritterfolgreichste Film, hinter Otto - Der Film und Der Schuh des Manitu. Doch ein Kapitel fehlte noch in der Reihe: Nach den Western- und Weltraumsketchen waren es vor allem die Sissi-Parodien, die es den Zusehern angetan hatten. Wie Bully selbst in der an die Pressevorführung anschließende Pressekonferenz mit den Hauptdarstellern sagte, wollte er seine eigene Trilogie haben, die er sich dann zuhause ins Regal stellen kann. Und so soll sich das Kapitel Bullyparade, nachdem die Sendung abgesetzt wurde, nun im Jahr 2007 endlich schließen: Lissi und der wilde Kaiser kommt in die Kinos.

Franz und seine Lissi führen ein glückliches Leben am österreichischen Hof, mitten in der k. und k.-Monarchie. Man hat genügend Geld um damit einzuheizen, kann es sich leisten mit Schokoladebällen Indoor-Golf zu spielen, und neben den anstehenden Regierungsarbeiten ist selbstverständlich immer noch genügend Zeit, um ein wenig im Park von Schloß Schöngrün spazieren zu gehen. Doch diese Harmonie wird jäh durchbrochen, als die Kaiserin von einem Yeti entführt wird, der sie dem Teufel opfern will, um nicht selbst in die Hölle zu müssen. Da alle Armeen im Kriegseinsatz sind, bleibt dem Kaiser nichts anderes übrig, als den Entführer selbst zu verfolgen...

Zwei Dinge sind es, die bereits auffallen, bevor man den Film noch gesehen hat. Die erste Auffälligkeit ist sicher, dass die österreichische Kaiserin plötzlich nicht mehr Sissi, sondern Lissi heisst. Wie Bully erklärt, haben seine Nachforschungen ergeben, dass Elisabeth ihre Briefe nicht, wie vermutet, mit Sissi unterschrieben hat, sondern mit Lissi, da aber das L so geschwungen war, haben es alle als S gelesen. Die zweite Auffälligkeit ist, dass die Sketchidee nicht, wie noch in der Bullyparade, als Realfilm umgesetzt wurde, sondern stattdessen als Animationsfilm. Damit wollte Bully zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen wollter er es sich ersparen, sich selbst und dem Zuseher zuzumuten, ihn den ganzen Film über als Frau zu sehen (wobei es für die Geschichte ja wichtig ist, dass Lissi attraktiv ist), und zum anderen konnte er sich so den langjährigen Wunsch erfüllen, einen Animationsfilm zu machen.

Doch wie ist denn der neue Film von Bully nun geworden? Dazu muss ich sagen, dass ich selbst kein Riesenfan seiner Vorgängerwerke bin. Ich fand Der Schuh des Manitu okay bis gut, aber nicht mehr. Der Hype um diesen Film ist mir nach wie vor ein Rätsel und aus meiner Sicht ist der einzige klare Höhepunkt Sky du Mont, der eine fabelhafte, komödiantische Galavorstellung ablieferte. (T)Raumschiff Suprise war für mich ein filmischer Tiefschlag der Extraklasse. Obwohl man es Bully nicht vorwerfen kann, keine Filme machen zu können, war sein zweites Werk eine peinliche Vorstellung, die weniger zum Lachen als viel mehr zum Weinen ist. Und auch hier blieb der einzige Höhepunkt Sky du Mont, der wieder die selbe Rolle wie in Der Schuh des Manitu spielte.

Soviel zur Ausgangslage, und nun direkt zum aktuellen Werk Lissi und der wilde Kaiser. Die ersten Schwächen zeigen sich bereits bei der Animation des Films, die leider über "ganz okay" nie hinaus kommt. Und im Jahr 2007, in dem man erst kurz vor dem Kinostart von Lissi und der wilde Kaiser in den Genuss des Pixar-Meisterwerks Ratatouille gekommen ist, ist eine solche Vorstellung kurz gesagt inakzeptabel. Der Animationsfilm hat nun einmal die Eigenschaft, dass man alles, was man schließlich im fertigen Film haben möchte, auch von Hand erzeugen muss. Somit sieht man auf den ersten Blick, mit wieviel Liebe die Macher an das Werk herangegangen sind.

Dies erwies sich als großer Pluspunkt für Pixars Ratatouille, da diese Animationsschmiede mit Herz am Werk ist, aber gleichzeitig offenbart dieser kleine Aspekt des Animationsgenres auch, was wirklich hinter Lissi und der wilde Kaiser steckt: Nämlich eine riesige Marketingmaschine und nicht mehr. So erweist sich das Setting des Films auf den ersten Blick durchaus als schön, aber wenn man etwas genauer hinblickt, sieht man, dass es eigentlich gar keine Details in den Film geschafft haben. Die Oberflächen wirken glatt und steril, sowohl bei den Figuren als auch bei Gegenständen, und häufig auch bei der Landschaft. Hingegen kann man bei Pixar heutzutage beinahe jede Pore erkennen, bei Holztexturen kennt man die einzelnen Fasern heraus, und wenn die Kamera über ein Kopfsteinpflaster fährt, kann man einzelne Kerben in den Steinen erkennen. Während Pixar also im Jahr 2007 bei einer wunderschönen Animationstechnik angekommen ist, wirkt Lissi und der wilde Kaiser so, als wäre es nur der Rohschliff, bei dem erst die Texturen erzeugt werden müssen. Die Pixar-Filme haben vor 10 Jahren schon besser ausgesehen.

Doch man soll den ganzen Film nicht nur auf sein Äußeres reduzieren, da es vor allem das Herz ist, das einen gelungenen Film ausmacht. Doch auch in diesem Punkt ist Lissi und der wilde Kaiser nur eine herbe Enttäuschung. Kann man bei Ratatouille noch jeden Herztropfen erahnen, den die Macher in diesen Film gesteckt haben, und ihn so von innen heraus mit Leben befüllen, so wirkt es so, als hätte der neue Bully Film nur eine Ansammlung an stählernen Zahnrädern in seinem Brustkasten. Denn außer bis in den letzten Winkel berechnete Gags hat dieser Film eigentlich kaum etwas zu bieten.

Es scheint, als hätten sich die Macher, als sie begonnen haben, das Drehbuch zu schreiben, zuerst eine Liste mit aktuellen "In-Themen" geschrieben, für die sich die Jugendlichen heutzutage interessieren. Dementsprechend hat man sich dann ein Drehbuch zurechtgeschustert, das all diese Themen irgendwie zusammenwürfelt, um so bei seinem Zielpublikum anzukommen. Auch der Soundtrack wurde dementsprechend gestalltet, und so scheint es absolut irrelevant zu sein, ob die eingesetzte Musik denn nun zur Szene passt oder nicht, Hauptsache man bekommt einen Soundtrack, der sich später als CD-Auswertung auch wieder verkaufen lässt.

Vom Humor her setzt Bully weitestgehend auf sehr flachen, fast schon dümmlichen Humor, der dem Zuseher mit der Brechstange um die Ohren geschlagen wird. Bei der Frequenz, in der Bully seine Gags verpulvert, ist es eine echte Überraschung, wie wenige davon letztendlich wirklich zünden. Hinzu kommen zahlreiche Filmanspielungen, bei denen auch nur das Fluch der Karibik-Zitat mit dem Yeti auf einer untergehenden Schwimmhilfe für den Hauch eines Grinsers sorgt. Viel weiter geht man allerdings bei den Kollegen von Shrek und Ice Age, die man nicht nur zitiert, sondern bei denen man schon so weit geht, dass ich sagen würde, man hat die Ideen ganz einfach gestohlen.

Die ersten 20 Minuten dümpelt Lissi und der wilde Kaiser noch vor sich hin und hat eigentlich keine nennenswerte Geschichte, die dem Film einen Weg vorzeichnet. Hier wird in bester Bullyparade-Manier eine Sketchshow abgezogen, die unzusammenhängend leider nur sehr unbefriedigende Witze reißt. Danach beginnt die Geschichte, und somit auch der große Ideenklau bei Shrek. Geht es nur mir so, oder kenne ich die Geschiche von der Prinzessin, die von einem auf den ersten Blick grimmigen, aber bei näherem Hinsehen doch ganz netten Monster entführt wird, wirklich von irgendwo her? Auch an Ice Age erlaubt man sich einige Referenzen, die schon fast an Ideenklau grenzen, wie zum Beispiel die Surfszene im Schnee.

Wie sieht also meine endgültige Empfehlung für die Leser aus? Für mich ist Lissi und der wilde Kaiser ein penetrant nervtötender Film, der seine Gags mit dem Vorschlaghammer rausknüppelt und dabei eine peinlich niedrige Trefferquote erreicht. Dennoch gibt es einige Gags, die zumindest zum Schmunzeln anregen. Dennoch hat man mit einer völlig überladenen "Spaßshow" selbst die an sich guten Ideen zunichte gemacht. Selbst die durchaus witzigen beiden KGB Leute, die im unverständlichen Dialekt reden, gehen dem Zuseher nach einer gewissen Zeit einfach nur noch auf die Nerven, weil man eben alles auf derart nervtötende Weise tot trampelt, dass einem das Lachen vergeht. Warum gibt es dennoch 4 Punkte? Ganz einfach: Als Filmkritiker betrachte ich jeden Film mit einem objektiven, und einem subjektiven Auge. Und objektiv bleibt mir noch das finale Statement über: Wer (T)Raumschiff Surprise unglaublich toll fand, wird auch diesen Film hier mögen. Alle anderen können ihr Geld besser ausgeben. Zum Beispiel Lotto spielen, da ist die Chance auf eine Freude größer.

Fazit:
Lissi und der wilde Kaiser zeigt bereits durch seine lieblose und detailarme Animation, woher der Wind weht. Konnte man beim kürzlich erschienen Pixar-Meisterwerk Ratatouille noch jede Faser im Holz, jeden Kratzer im Stein und den Geschmack der Lebensmittel durch die unglaublich detailierte Animation erahnen, so klatscht dieser Film alles, was nicht im direkten Hauptaugenmerk ist, lieblos auf die Leinwand. Hinzu kommt ein durchkalkulierter Humor, der ausschließlich auf "In-Themen" setzt, um die Jugend zu begeistern, und dabei alle Gags dermaßen gefühllos mit dem Holzhammer rausknüppelt dass einem fast übel wird. Die Trefferquote ist bei der Gagdichte peinlich gering, und von der Story bleibt, wenn man den Ideenraub von Shrek und Ice Age rausnehmen würde, eigentlich nichts mehr übrig, bis auf die vollkommen unpassende Inkludierung des Teufels, der eigentlich so gar nicht in die Geschichte passt. Warum gebe ich dennoch 4 Punkte? Zum einen sehe ich als Kritiker den Film mit einem subjektiven und einem objektiven Auge. Während sich mein subjektives Auge zusammenzieht und um Gnade schreit, muss ich objektiv doch sagen, dass wohl jeder, der (T)Raumschiff Surprise toll fand, auch diesen Film mögen wird. Zum anderen gibt es zumindest einige wenige Szenen, die zum Schmunzeln sind. Auch wenn diese im dichten Gagdschungel beinahe untergehen.

Wertung:
4/10 Punkte












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