Fahrenheit 451

OT: -  112 Minuten - SciFi / Drama
Fahrenheit 451
Kinostart: 23.12.1966
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Fahrenheit 451

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Francois Truffaut gilt als einer der Mitbegründer der Novelle Vague. In Frankreich konnte der ehemalige Kritiker und Regisseur sich filmisch austoben, doch Fahrenheit 451 ist seine erste Großproduktion. Im Jahr 1966 flimmerte der, in den Londoner Pinewood Studios produzierte, Film über die Leinwände und begeisterte Cineasten rund um den Globus.

 

Doch der visionäre Truffaut stand bei seinem ersten englischsprachigen Film sehr unter Druck: Die englischen Produzenten erwiesen sich als viel bodenständiger als die risikobereiten Franzosen und Truffaut musste der atemberaubenden Vorlage Ray Bradburys gerecht werden. Doch der Ausnahmeregisseur zeigte dass ihn schwierige Umstände nur noch mehr zum Glänzen bringen.

 

In naher Zukunft wird die Welt von einer totalitären Regierung geführt, die jeden Individualismus, der als Quelle aller Traurigkeit gilt, verbannen will. Vor allem das Lesen von Bücher ist per Strafe verboten. Da die modernen Häuser längst absolut feuerresistent sind wird mit der Einhaltung dieses Gesetzes die Feuerwehr betreut. Wenn jemand verdächtigt wird heimlich Bücher zu besitzen, dann wird sein Haus durchsucht und alle gefundenen Bücher verbrannt. Einer dieser Feuerwehrmänner ist Montag (Oskar Werner), der diesen Beruf nur aus Gewohnheit ausübt und nicht einmal weiß dass die Feuerwehr früher einen anderen Tätigkeitsbereich hatte. Eines Tages trifft er in der Schwebebahn seine Nachbarin Clarisse (Julie Christie), die ihm unangenehme Fragen stellt. Unter anderem auch die Frage warum Montag denn Bücher für schlecht befinden könnte wenn er noch nie eines gelesen habe. Montag beschäftigt sich sehr mit diesen Fragen und das Interesse an den verbotenen Büchern gewinnt überhand. Er verstößt nun selbst gegen das Gesetz, das er früher kontrollierte...

 

Der Visionär Francois Truffaut hat sich mit Fahrenheit 451 an ein sehr starkes Thema herangewagt und verleiht ihm mit seiner fabelhaften Regie zusätzliche Stärke. Schon der Vorspann des Films bereitet uns darauf vor dass das folgende keinesfalls nur Durchschnittskost ist, sondern intellektuelles Kino auf aller höchstem Niveau.

 

Mit außerordentlicher Feinfühligkeit nähert sich Truffaut der gigantischen literarischen Vorlage und adaptiert ihre Essenz absolut makellos. Er zeigt uns die Wichtigkeit menschlicher Gefühle und hebt die Wichtigkeit des Individuums über das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft. Denn was bedeutet es schon wenn man das Land zwar unter Kontrolle hat, aber dieses Land nur aus abgestumpften Uhrwerken besteht, die sich nur mehr durch die Einnahme von Drogen selbst kontrollieren können?

 

Die Bücher wecken in den Menschen genau das, was die Regierung unterdrücken will: Eigene Emotionen, die das Individuum in einen anderen Zustand als die große Masse hebt. Durch die Bücher fühlen sich jene Leute überlegen, die sie gelesen haben, und verabscheuen die, die das Buch nicht verstanden haben. Mit diesen Lügen schürt die Regierung die Angst vor Büchern, da sie ja nur schlechtes mit sich bringen.

 

Truffauts Stil erinnert einem sofort an Stanley Kubricks Uhrwerk Orange. Zwar ist Fahrenheit 451 keinesfalls so verstörend wie Kubricks Meisterwerk, allerdings soll er das auch gar nicht sein. Truffaut behandelt ein ähnliches Thema wie Stanley Kubrick, jedoch legt er deutlich mehr Wert auf die Emotionen der Protagonisten, anstatt wie Kubrick auf abstoßende Bilder zu setzen. Doch trotz der feinen Unterschiede handeln beide Filme von der Wichtigkeit des Individuums und dem zwangsmäßigen scheitern einer Unterdrückung eben dessen.

 

Zusätzlich ähneln sich die beiden Filme auch sehr in ihrer Optik: Truffaut präsentiert uns seine Zukunftsvision, ähnlich wie Kubrick 5 Jahre später, in sehr kalten Bildern, die die Emotionslandschaft der Menschen noch unterstreichen. Die einzigen kräftigen Farben sind die rot-schwarzen Farben der Feuerwehr, welche die Macht des Bösen noch zusätzlich hervorheben. Hier findet Truffaut die perfekte visuelle Ausdrucksform um seinen Film abzubilden.

 

Eine Handschrift die man in Fahrenheit 451 noch finden kann ist jene von Alfred Hitchcock, den Truffaut ja für sein fabelhaftes Buch Mr. Hitchcock wie haben sie das gemacht? interviewte und der ihn auch sichtlich inspirierte. Dies liegt nicht nur an der passenden Musik von Hitchcocks Stammkomponisten Bernard Herrmann.

 

451 Grad Fahrenheit, dies ist die Temperatur bei der Papier zu brennen beginnt. Dies ist auch jene Nummer die die Feuerwehr auf ihren Helm stehen hat. Genau diese Temperatur gibt den Film seinen Namen und offenbart uns einen wesentlichen Aspekt seiner Handlung. Die Buchverbrennungen sind ein wesentliches Ausdrucksmittel um die Unterdrückung der Freiheit zu klassifizieren.

 

Vor allem ist es fabelhaft zu sehen mit welcher masochistischer Brillanz Truffaut die „reinigende" Kraft des Feuers zeigt und seine zerstörerische Wirkung auf das gedruckte Wort inszeniert. Als Buchliebhaber spürt man beinahe die brennenden Schmerzen wenn die Buchstaben durch das Feuer schwarz „übermalt" werden und ein literarisches Meisterwerk nach dem anderen vernichtet wird.

 

Truffaut schafft es mit Fahrenheit 451 einen sehr emotionalen Film zu schaffen, der zutiefst berührt und zum Denken anregt. Die Zukunft wie sie uns Truffaut zeigt, ist sowohl abstoßend, ungewohnt, als auch möglich. Und dieser Film liefert seinen Beitrag dazu ab um uns diese Zukunft zu ersparen.

 

Am Ende des Films sehen wir Montag in einer sehr gefühlsstarken Sequenz bei den Buchmenschen, von denen jeder sein Lieblingswerk auswendig gelernt hat um es zu erhalten. In diesen Szenen fällt Schnee, der mit solch einem kristallklaren Weis gezeichnet ist, dass man förmlich spürt wie das Weis das zerstörende Rot der Feuerwehr überdeckt und uns allen Hoffnung für einen besseren Neuanfang bietet. Ein Meisterwerk!

 

Fazit:

Ein literarisches Meistwerk findet durch einen Meisterregisseur seine würdige filmische Umsetzung. Fabelhaft!

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 11
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