Das Schwein von Gaza (2011)

OT: When Pigs Have Wings, Le Cochon De Gaza - 98 Minuten - Komödie / Drama
Das Schwein von Gaza (2011)
Kinostart: 03.08.2012
DVD-Start: 15.02.2013 - Blu-ray-Start: 15.02.2013
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Filmkritik zu Das Schwein von Gaza

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Beim „Schwein von Gaza“ handelt es sich um das Erstlingswerk des französischen Multitalentes (neben Regisseur und Drehbuchautor ist er auch als Journalist, Schriftsteller und Fotograf tätig) Sylvain Estibal. Dass es sich hierbei um eine gelungene Arbeit handelt, befanden auch die französischen Preisjuroren und so bekam Estibal auch gleich den „Cesar“, in der Sparte bester Debütfilm überreicht. Dafür sicherlich mitverantwortlich ist die Thematik, welcher sich der Film annimmt. Er handelt nämlich vom Konflikt im Nahen Osten, zwischen der jüdischen und der palästinensischen Bevölkerung. Dabei verarbeitet der Film dieses heikle Thema mit Humor und versucht trotzdem seine Ernsthaftigkeit nie zu verlieren.

Aber kurz genauer zum Inhalt: Der palästinensische Fischer Jafaar, scheint vom Pech verfolgt zu sein. Nicht nur das er keine Mittel hat, seiner Frau ein schönes Leben zu bieten und so mit ansehen muss wie sie immer mehr den Respekt vor ihm verliert. So hat er auch als Fischer keinen Erfolg und muss mit dem Spott seiner Mitbürger leben. Doch eines Tages, geht ihm ein Dicker Brummer ins Netz. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um einen Fisch, sondern um ein großes dunkles Schwein. Der Unglücksrabe Jafaar, versucht nun alles um das Tier loszuwerden. Doch bei dem Versuch es zu verkaufen und Geld damit zu machen, muss er sich in gefährlichen Situationen begeben. Denn Schweine gelten in Gaza als unreine Tiere und sind mehr als unerwünscht.

Die Grundidee des Filmes ist klar: Ein prekäres Thema, das eigentlich wie gemacht für ein politisches Drama zu sein scheint, in eine Komödie zu verpacken, die aber trotz allem dessen tragische Situation nicht verharmlosen und zum Nachdenken anregen soll. Dieses Prinzip ist allerdings nichts Neues. So ist es etwa Roberto Benigni in seinem Werk „Das Leben ist schön“ gelungen den Zuseher den II. Weltkrieg mit Humor näher zu bringen und doch letztendlich nicht seine Ernsthaftigkeit zu verlieren. Aber auch Charlie Chaplin hat dieses Prinzip im weltberühmten Film: „Der große Diktator“ verfolgt. Anders als diese beiden Werke, handelt Das Schwein von Gaza aber nicht vom II. Weltkrieg, sondern behandelt den Konflikt im Gaza Streifen. Und dies ist durchaus sehr mutig. Denn die Auseinandersetzung zwischen der jüdischen und palästinensischen Bevölkerung im Nahen Osten, ist bestimmt ein weniger massentaugliches Thema, als es etwa die beiden Weltkriege sind. So werden wohl nur sehr wenige Europäer ein großes Wissen darüber besitzen, was sich dort eigentlich abspielt.

Also kurz gesagt, möchte Estibal den Zuseher mit Humor und einer liebevollen Geschichte unterhalten, ihm dabei den Konflikt zwischen der palästinensischen und jüdischen Bevölkerung näher bringen und das Publikum dabei zum Nachdenken anregen. Zum Teil gelingt dies dem Film auch, allerdings fehlt ihm dann doch einiges um an so große Meisterwerke wie „Das Leben ist schön“ oder „Der große Diktator“ aufzuschließen. Aber zuerst einmal zur Figur des palästinensischen Fischers Jafaar. Ein gutherziger, einfacher Mann, der vom Leben bestraft wird und sich trotz all dem Pech, den Schwierigkeiten und den Ungerechtigkeiten nicht aufgibt. Getragen durch die Liebe zu seiner Frau, versucht er alles um ihr ein anständiges Leben bieten zu können. So bringt er sich selbst oft in Schwierigkeiten und macht Fehler, doch all dies mit einer guten Absicht dahinter.

Bei dieser Beschreibung werden sich schon einige denken, dass so eine Figur schon öfters in der Filmgeschichte erschienen ist. Das stimmt natürlich auch. Allerdings darf man hierbei nicht so streng sein. Einerseits, weil mit einer anderen nicht so typischen Filmfigur, der Film wohl nicht funktioniert hätte. Wichtig ist es, dass Jafaar die Herzen der Zuseher berührt, dass sie Mitleid mit ihm haben und jeder sich wünscht, dass er es schafft sich aus dem Schlamassel herauszukämpfen. Anderseits, weil Sasson Gabay seine Rolle hervorragend und glaubwürdig umsetzt. Er haucht der Figur Leben ein und schafft es Jafaar seine eigene Note zu geben. Ebenfalls überzeugend ist die Figur von Jafaars Ehefrau Fatima. Im Gegensatz zu Jafaar ist sie keine klischeehafte Figur, sondern versprüht eine zum Nachdenken anregende weibliche Ruhe und Eleganz. Fatima ist eine gebrochene und traurige Frau, bei der sich ein innerlicher Zwiespalt aufdringt. Nämlich einerseits, ihren Mann zu unterstützen und ihm beizustehen aber anderseits, ihre egoistische Seite, die weiß dass sie sich ein besseres Leben verdient hätte. Fatimas Figur spiegelt das Drama des Filmes wieder, sie hat kaum komödiantische Züge an sich.

Damit wären wir auch bei einer Schwachstelle des Filmes. Dem Drehbuch gelingt es nicht wirklich den Zuseher zum Lachen zu bringen. Es gibt viele Situation die durchaus zum Schmunzeln anregen. Etwa wenn das Schwein verkleidet als Schaaf zu sehen ist oder wenn ein Soldat das angebliche Arzneimittel gegen Rheuma von Jafaar trinkt. Allerdings regen diese Situationen eben NUR zum Schmunzeln an. Was fehlt ist der verbale oder kommunikative Humor. Keiner der Figuren schafft es mit Dialogwitz zu überzeugen. Dem Zuseher kommt ab und zu ein Lächeln über die Lippen, nicht mehr und nicht weniger. Dies führt auch dazu, dass der Film etwas langatmig wirkt. Vor allem im späten Mittelteil, geht der Geschichte etwas die Luft aus. Dem Drehbuch fehlt es hier etwas an Schwung und Ideen die zu Wendungen bzw. spannenden Elementen führen. So plätschert der Film 20-30 Minuten dahin, fängt sich dann aber bald wieder. Und das Ende kann man als durchaus gelungen bezeichnen, da es nicht zu stark aufgetragen ist und die Botschaft des Filmes eigentlich perfekt zusammenfasst bzw. abschließt.

Aber das Wichtigste ist, dass der Film das Herz am richtigen Fleck hat. Dem Regisseur gelingt es die Absurdität der Situation die im Nahen Osten herrscht wiederzugeben, ohne sich jedoch auf irgendeine Seite zu stellen. Es geht nicht darum, wer der Böse und wer der Gute ist. Vielmehr soll dem Zuseher vermittelt werden, wie schwachsinnig dieser Konflikt eigentlich ist. Bitte nicht falsch verstehen. Denn jemand der kein Hintergrundwissen über diesen Konflikt hat, wird auch nach dem Film nicht viel mehr darüber wissen. Doch das ist auch nicht die Absicht dahinter. Der Film soll viel mehr den Zuseher dazu anregen, sich danach näher mit der Problematik beschäftigen zu wollen. So handelt das Werk eigentlich von einem politischen Thema, nimmt aber kaum politische Züge an (mit Ausnahmen von einigen politischen Anspielungen).

Fazit:
Alles in Allem ist „Das Schwein von Gaza“ ein gelungenes Erstlingswerk geworden. Auf der positiven Seite stehen ein starker Cast, das Gelingen eine gewisse Botschaft dem Zuseher zu übermitteln und ein durchaus gelungenes und anspruchvolles Ende. Allerdings kann das Werk nicht restlos überzeugen. Das liegt zum einen daran, dass es dem Film trotz einiger recht lustigen Situationen leider nie wirklich gelingt, viel mehr als nur ein Schmunzeln beim Publikum hervorzurufen. Zum anderen daran, dass es dem Drehbuch im Mittelteil an Ideen fehlt und der gesamte Film dadurch etwas zu lang erscheint. Trotzdem verlässt man den Kinosaal letztendlich mit einem positiven Gefühl und dem Interesse mehr über den Konflikt im Nahen Osten erfahren zu wollen.

Wertung:
7/10 Punkte
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013