Wilde Erdbeeren

OT: -  91 Minuten -  Drama
Wilde Erdbeeren
Kinostart: 21.07.1961
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wilde Erdbeeren

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Wilde Erdbeeren. Mit diesem Titel assoziert man sofort Dynamik, Frische, Sünde und Freude. Doch der schwedische Originaltitel dieses cineastischen Meisterwerks Smultronstället trifft den Kern dieses Films um einiges präziser. Smultronstället bezeichent nämlich nicht die Wilden Erdbeeren, sondern den Ort an den man diese findet. Es ist ein ruhiger, abgeschiedener Ort, an dem man alleine ist und den man niemanden zeigt. Genau diese einsame Schönheit und Ruhe findet sich in Ingmar Bergmans fantastischem Film wieder.

 

Professor Isak Borg (Victor Sjöström) ist mittlerweile 78 Jahre alt geworden. In Lund soll er für seine Forschungen ausgezeichnet werden. Seine Frau ist  gestorben und am Morgen seiner Preisverleihung streitet er sich mit seiner Haushälterin Agda (Jullan Kindahl) und beschließt deshalb nicht wie geplant mit dem Flugzeug, sondern gemeinsam mit seiner Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin) mit dem Auto zur Preisverleihung zu fahren. Auf dem Weg nehmen sich die beiden viel Zeit um an verschiedenen Stationen aus Isaks Leben halt zu machen...

 

Smultronstället, diesen Ort findet nur derjenige der an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit, das Richtige sucht. Isak Borg beschreibt sich selbst als lebender Toter, der sein Leben vergeudet hat und im Folgenden werden wir sehen warum er gerade dieser Mensch geworden ist und wie er sich gegen dieses Dasein wehrt.

 

Am Morgen seines großen Tages hat Isak einen Alptraum, in dem er sich in einem ihm unbekannten Stadtteil Stockholms verirrt und dann sich selbst als Leiche findet. Doch dies soll erst der erste Schritt von Isaks Selbstreflektion werden. Nach und nach entdeckt er was er im Leben falsch gemacht hat. Es folgen traumhafte Rückblicke, in denen er sieht wie er sein Leben verworfen hat. Er sieht ein, dass sein kaltherziges Verhalten falsch war, und nimmt drei jugendliche  Anhalter mit, die ihn mit ihrem kindlichen Verhalten sichtlich verjüngen.

 

Doch die Idylle wird jäh unterbrochen als sie in einen Unfall geraten. Es wird niemand verletzt und sie nehmen auch das Ehepaar mit welches noch am Unfall beteiligt war. In deren Gesichtern erkennt Isak eine Wiederholung seiner eigenen gescheiterten Ehe und durch einen Tagtraum wird er immer mehr gezwungen sich mit seinem früheren Fehlverhalten auseinanderzusetzen. Mariane offenbart ihm das sein Sohn genauso wie er geworden ist und Isak beginnt zu verstehen welchen Schaden er mit seiner Kälte bereits angerichtet hat. Doch auch Mariane erhält eine Offenbarung als sie Isaks Mutter mit ihrer eisigen Kälte kennenlernt. Mariane und Isak lernen sich während dieser Fahrt kenen und verstehen und entwickeln die Zuneigung zueinander, welche ihnen die Jahre zuvor verwährt blieb.

 

Heute würden wir Wilde Erdbeeren wohl am ehesten als Road Movie bezeichnen. Doch dies ist viel zu einfach um für diesen Film geltend zu sein. Wilde Erdbeeren ist lediglich ein Film der etappenweise aus dem Leben eines Mannes erzählt, welcher dem Tod näher als dem Leben ist. Die Straße dient diesen Etappen als Verbindung. Man könnte meinen sie wäre das Symbol für die Jahre, die man benötigt um die einzelnen Lebensabschnitte miteinander zu verbinden. Am Ende der Straße trifft Isaks altes Leben wieder mit seiner Reflektion zusammen, doch dieser Aufprall erweckt ihn aus seiner Lethargie.

 

Ingmar Bergman gilt als einer der bedeutendsten Regisseure aller Zeiten und Wilder Erdbeeren ist eines seiner Meisterwerke. Der Film erzählt von einem alten Mann, der einsehen muss, dass er trotz seines beruflichen Erfolges, im Leben gescheitert ist. Es ist beeindruckend mit welcher Leichtigkeit sich Bergman diesem schwierigen und komplexen Stoff nähert und es ist eine Offenbarung zu sehen mit welcher Präzision er seine Figuren zeichnet und wie er es schafft dieses schwierige Thema in ein lockeres Gewand zu stecken.

 

Besonders hervorzuheben ist Bergmans Spiel mit dem Licht, das besonders in der Alptraumszene zu Beginn des Films hervortritt. Der ganze Film tritt in schön eingefangenen Bildern auf, welche die Geschichte gekonnt unterstützen. Der Film verwendet einige Rückblenden und Traumsequenzen, und Ingmar Bergman schafft es diese optisch differenziert vom restlichen Film zu präsentieren.

 

Die Liebe zu seinen Figuren kann man dem Film in jeder Sekunde ansehen und Wilde Erdbeeren ist an erster Stelle keine psychologische Studie, sondern viel mehr ein feinfühliges Charakterdrama, dass sich sehr viel Mühe gibt die Gefühle seiner Hauptfigur zu beleuchten und seine Lebensweise verständlich zu machen. Erfreulich ist es vor allem zu sehen, wie sich Isak von der kalten Figur, die er zu Beginn des Films ist, wegbewegt um am Ende ein offenerer und wärmerer Mensch zu sein, der dennoch nichts von seinem rustikalen Charme verloren hat.

 

Fazit:

Ingmar Bergman ist ein Meister der Bilder und Wilde Erdbeeren ist ein fantastischer Klassiker der Filmgeschichte, den es sich lohnt anzusehen.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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