Django Unchained (2012)

OT: Django Unchained - 165 Minuten - Drama / Western
Django Unchained (2012)
Kinostart: 18.01.2013
DVD-Start: 23.05.2013 - Blu-ray-Start: 23.05.2013
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Filmkritik zu Django Unchained

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Quentin Tarantino hat der Popkultur seinen Stempel aufgedrückt. Seit 20 Jahren versorgt er uns mit seiner persönlichen Interpretation der Filmgeschichte und spaltet die Filmfans in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen die Anhänger des Regisseurs, die es zu schätzen wissen, wie er aus den unterschiedlichsten Einflüssen einen ganz eigenen Stil kreiert und sich die verschiedensten Genres zu eigen macht. Für andere ist es schon wieder cool gegen Tarantino zu sein. Sicher ist nur eines: Zumindestens mit Pulp Fiction hat er es geschafft seinen Platz in der Filmgeschichte zu fixieren, aber auch abgesehen davon sorgt Tarantino immer wieder für ausgezeichnete Unterhaltung. Auch sein neuester Film Django Unchained wird an dieser Position nichts ändern: Tarantino-Fans bekommen einen köstlichen Unterhaltungsfilm mit unzähligen Referenzen zu sehen, seine Gegner werden wieder Gründe finden um sich zu beschweren.

Die Südstaaten der USA, zwei Jahre vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges: Die Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen befindet sich auf dem Höhepunkt. Django (Jamie Foxx) ist ein Sklave, der von seiner Frau Broomhilda (Kerry Washington) getrennt wurde und nun durch das Land geschleppt wird. Doch sein Leben ändert sich, als plötzlich der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) auftaucht und ihn befreit. Django kennt die Gesichter der Brittle-Brüder und soll ihm helfen sie zu töten und das Kopfgeld zu kassieren. Da er seine Sache so gut macht bietet ihm Schultz einen Deal an: Sie gehen gemeinsam auf Kopfgeldjagd, dafür bekommt Django später seine Freiheit und Schultz hilft ihm seine Frau zurück zu bekommen. Doch das erweist sich als schwieriges Unterfangen, befindet sie sich doch im Besitz des skrupellosen Plantagenbesitzers Candie (Leonardo DiCaprio)...

Nachdem sich Tarantino ausgiebig dem Heist-Film (Reservoir Dogs, Jackie Brown), der Schundliteratur (Pulp Fiction), dem asiatischen Kino (Kill Bill), dem Grindhousekino (Death Proof) und dem Kriegsfilm (Inglourious Basterds) gewidmet hat, ist nun der nächste wesentliche Einfluss auf seinen Filmgeschmack an der Reihe: Die Liebe zum Spaghetti-Western, die in Kill Bill Vol. 2 bereits eingeflossen ist, darf endlich voll und ganz ausgelebt werden. Wie man es von Tarantino gewohnt ist, ist sich sein Film nicht nur seiner Genrevorgeschichte bewusst, dank des großen Wissens des Regisseurs, legt der Film die Italo-Westerngeschichte wie einen Mantel um sich und schafft es innherhalb dieser Vorgabe dennoch etwas Neues zu erschaffen.

Der Grund warum dies bei Tarantino so gut funktioniert ist, dass man einfach spürt, dass es ihm unglaublich viel Spaß macht Filme zu machen. Man erkennt bei Tarantino keine Müdigkeit, keine Verbissenheit, sondern man merkt, dass er immer noch wie ein Kind im Spielzeugladen agiert, wenn er seine Filme zusammenbaut. Das führt auch zu seiner großen Stärke: Humor. Django Unchained, ist genau wie die meisten Tarantino Film unglaublich witzig, ohne dass er dafür jede Ernsthaftigkeit über Bord werfen müsste. Man hat nicht das Gefühl, dass die Story oder die Figuren verraten wurden um einen schnellen Lacher zu erzwingen. Stattdessen führen die durchgeknallten und aberwitzigen Charaktere völlig selbstverständlich zu schrägen Situationen in denen man sich das Lachen nicht verkneifen kann.

Gleichzeitig besitzt Django Unchained aber auch unzählige grimmige und überaus brutale Momente. Besonders die Shootouts scheinen es Tarantino angetan zu haben, nutzt er diese doch um sehr grafische Brutalität auf die Leinwand zu bringen. Allerdings muss man auch erwähnen, dass der völlige Overkill und die Blutfontänen fast schon Comiccharakter bekommen, sodass man sie nicht direkt ernst nehmen kann. Andere Szenen, wie das Zerfleischen eines Sklavens durch Hunde, haben aber einen ganz anderen Effekt und insgesamt gelingt es Tarantino sehr gut die Grausamkeit der Zeit einzufangen, den Wut zu illustrieren, gleichzeitig in einen Popkulturdialog mit der Geschichte zu treten und dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Und gerade diese Facetten sind es auch, die sein Werk so spannend machen und es ist immer wieder schön zu sehen, wie er sich ein Genre zu nutze macht und es mit seinem Stil verschmelzen lässt.

Ähnlich wie Inglourious Basterds ist auch Django Unchained ein fiktiver Rachefilm mit historischen Bezügen. Zwar treibt es Tarantino bei Django Unchained mit diesem Aspekt nicht ganz so weit, wie bei seiner Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, aber Django Unchained ist zumindestens vom gleichen Schlag. Man merkt förmlich wie es Tarantino genießt einen Sklaven zum Helden zu machen und mit welcher Freude er die Ungerechtigkeit gegenüber den Schwarzen rächt. Zahlreiche Weiße kommen dabei allerdings nicht allzu gut weg: Tarantino inszeniert die Südstaatler als Vollidioten, die irgendwo zwischen ewigen Kindern, dummen Schulschlägern und tollpatschigen Dumpfbacken hin- und herpendeln. Aber gerade in der comichaften Überzeichnung der Charaktere verbirgt sich jene Magie, die Django Unchained zu einem großartigen Blaxploitation-Spaghetti-Western werden lässt.

Probleme bekommt der Film allerdings nach rund zwei Dritteln der Laufzeit. Hier trampelt er etwas auf der Stelle und auch das blutige Finale wirkt im Vergleich zur Kreativität anderer Aspekte der Inszenierung vergleichsweise platt. Manche Szenen (wie die Vorstellungen Djangos seine Frau zu sehen) fügen sich nie ein, sodass der Film etwas ausfranst. Die Geschichte selbst ist eher simpler Natur - auch wenn das in einem Tarantino Film nie wirklich stört, muss man doch festhalten, dass der Story im Laufe der 165 Minuten Laufzeit etwas die Luft ausgeht, da sich gewisse Motive zu sehr wiederholen. Wirklich überraschend ist allerdings die Tatsache, dass Tarantino nichts mit seiner weiblichen "Hauptfigur" anzufangen weiß. Gerade er, der es immer geschafft hat sowohl starke Männer- als auch Frauenfiguren zu skizzieren, beschränkt sich darauf Kerry Washington als reines Eyecandy zu zeigen, die nur ein paar Sätze sprechen darf und lediglich als Katalysator für die Handlung fungiert - was leider auch dazu führt, dass die wichtige emotionale Bindung zwischen ihr und Django nicht so funktioniert wie gewünscht.

Aber: Das ist jammern auf hohem Niveau und letzten Endes ist Django Unchained ein radikaler Mix, der einfach nur Spaß machen will und genau das auch tut. Tarantino-Fans werden mit Sicherheit zufrieden sein und besonders die Darsteller zeigen sich einmal mehr von ihrer allerbesten Seite. Christoph Waltz ist erneut eine Offenbarung und brilliert als liebenswerter, eloquenter Kopfgeldjäger mit gutem Herzen, Samuel L. Jackson überzeugt in einer schrägen Nebenrolle und sowohl Leonardo DiCaprio, als auch Don Johnson spielen ihre unterschiedlichen Plantagenbesitzerfiguren mit viel Freude und einigen verborgenen Gustostückerln. Auch Jamie Foxx fügt sich perfekt ein, bekommt einige herausragende Szenen und trägt souverän durch den Film. Kurz: Wie man es von Tarantino erwartet ist der Cast absolut grandios und natürlich überzeugt der Film auch durch seine geschickte Musikauswahl. Wie gesagt: Tarantino-Fans werden sich freuen, Gegner werden weiter lästern - es ist also alles wie immer.

Fazit:
Quentin Tarantino läuft zwar weiterhin seinem nächsten Meisterwerk hinterher, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass auch Django Unchained ein höchst unterhaltsamer und stilsicherer Film geworden ist, der seine Fans mit Sicherheit zufrieden stellen wird. Der Blaxploitation-Spaghetti-Western mischt Komödie, brutales Sklavendrama, Rachethriller und garniert all dies mit einer Vielzahl an wunderbaren Charakteren, tollem Soundtrack, großartigen Bildern und vor allem einem umwerfenden Cast. Jamie Foxx trägt souverän durch den Film, zum Showstealer werden aber vor allem die Nebendarsteller rund um den überragenden Christoph Waltz. Lediglich im letzten Drittel geht der simplen Story etwas die Luft aus und es ist schade, dass es Tarantino nicht gelingt die Figur von Kerry Washington interessanter zu charakterisieren. Doch trotz den kleinen Problemchen ist Django Unchained ein ausgezeichneter Unterhaltungsfilm, der die Tarantino-Fans mit Sicherheit glücklich machen wird.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.8/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 87
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