Operation: Kingdom

OT: -  110 Minuten -  Polit / Action
Operation: Kingdom
Kinostart: 12.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Operation: Kingdom

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Regisseur Peter Berg darf sich in seiner vierten Regiearbeit nach eher flachen Filmen á la Welcome to the Jungle das erste Mal an einem politisch brisanten Film versuchen. Operation: Kingdom trägt in sehr vielen Szenen die deutliche Handschrift seines Produzenten Michael Mann, der es wie kein anderer versteht, einen Thriller mit starkem politischen Hintergrund und vor allem mit detailliert gezeichneten Charakteren zu inszenieren. Peter Berg schafft es dabei sehr gut, das Publikum auf seine Seite zu ziehen, und es ist tatsächlich so, dass man am Ende einen sehr guten Eindruck von Operation: Kingdom hat. Doch je mehr man über den Film nachdenkt, umso mehr bröckelt seine Fassade.

Im saudi-arabischen Riad herrscht Ausnahmezustand. Was zunächst als gewöhnliches Baseballspiel begonnen hat, endet in einer gigantischen Explosion, nachdem arabische Terroristen eine amerikanische Wohnsiedlung gestürmt haben. Amerika zeigt sich entsetzt, und da man keine großflächige Militäraktionen durchführen kann, schickt man ein kleines Spezialistenteam nach Saudi-Arabien, welches die Täter ausfindig machen soll. Unter der Leitung von Ronald Fleury (Jamie Foxx) reist das Team ein und muss feststellen, dass man im fremden Land nicht allzu positiv aufgenommen wird. Die heimischen Behörden halten sich mit ihrer Unterstützung zurück, und bald schon steht das Team selbst auf der Abschussliste...


Operation: Kingdom beginnt ziemlich stark mit einer ca. 3minütigen Animationssequenz, die in beeindruckend kurzer Zeit die Beziehung zwischen den USA und Saudi-Arabien auf den Punkt bringt. Es ist ein fragiles Zusammenleben, das lediglich durch die Ölpolitik irgendwie aufrecht erhalten wird. Diese Sequenz ist nicht nur außerordentlich stimmungsvoll, sondern lässt vor allem auf einen politisch brisanten Thriller hoffen, der nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern tiefer geht und den Zuseher mit in die kulturellen Kontraste zwischen dem Islam und der westlichen Welt nimmt.


Das Niveau wird auch noch weiterhin hoch gehalten, und alles steuert auf den Anschlag hin, der schließlich den Ausschlag für die weitere Geschichte gibt. Dabei ist es höchst dramatisch, wie das Vorgehen der Terroristen gezeigt wird, was sogar soweit geht, dass ein Kind das Attentat filmen muss, und somit bereits die nächste Generation an Mördern heranwächst, die scheinbar gar keine Wahl hat, sondern in dieses Leben hineingeboren wird. Die Spannungsschraube bleibt stets angezogen, bis schließlich die amerikanischen Ermittler ins Land kommen und das zweite Drittel des Films eingeläutet wird.


Hier dreht sich schließlich alles um die Ermittlungen im CSI-Stil, und parallel dazu wird gezeigt, wie sich die amerikanischen und arabischen Ermittler nach und nach annähern. Zunächst liegt noch gegenseitige Ablehnung in der Luft, und die Saudis wollen den Amerikanern keine Knochen zuwerfen, aber nachdem die amerikanischen Methoden erste Früchte zeigen, beugen sich die örtlichen Behörden und arbeiten mit den FBI-Spezialisten zusammen. Dabei kann man aber nicht abstreiten, dass sich die Figurenzeichnung etwas am klischeehaften amerikanischen Helden orientiert, der den unterentwickelten Arabern zu Hilfe eilt, auch wenn man dem Film zugestehen muss, dass die aufkeimende Freundschaft der Ermittler etwas Sympathisches hat. Vielleicht sogar ein Wink Richtung Politik?


Danach gibt es einen ziemlichen Bruch in der Struktur von Operation: Kingdom. Während der Film in den ersten beiden Dritteln hauptsächlich ein gutes politisches Drama war, kippt er im letzten Abschnitt in Richtung Actionfilm. Dabei muss man leider erwähnen, dass die Substanz dabei vollkomen vernachlässigt wurde. Während es Michael Mann wie kein anderer versteht, seinen Actionszenen das gewisse Etwas zu geben und sie immer passend in den Film integriert, wirkt die abschließende Action in Operation: Kingdom so, als wollte man dem Mainstream-Kinogänger ein Häppchen vorwerfen.


Die ersten beiden Drittel richten sich eher an ein politisch interessiertes Publikum, und Operation: Kingdom wagt es sogar, interessante Themen anzusprechen, aber im letzten Drittel wirft man all diese Ansätze über Bord und will nur mehr für Schauwerte sorgen. Dabei hat man das Problem, dass diejenigen, die den ersten Abschnitt des Films gut fanden, wohl ihre Probleme mit dem Schlussteil haben werden, und diejenigen, die den Actionpart toll finden, werden sich wohl zu Beginn etwas langweilen. Etwas mehr Konsequenz in die eine oder die andere Richtung wäre hier der richtige Weg gewesen.


Auffällig ist auch, dass man sich für die ersten beiden Drittel, also sozusagen demnpolitischen Teil der Geschichte, viel Zeit genommen hat, um das Szenario aufzubauen und die Geschichte zu etablieren. Doch während sich die Story nur langsam entwickelt, kommt das Ende umso abrupter. Es wirkt so, als wäre nicht mehr genügend Zeit vorhanden gewesen, um alle Fäden glaubwürdig zu Ende zu führen, und so wirkt das schließliche Finden der Täter mehr als unglaubwürdig. Da man die Geschichte nicht mehr geradlinig beenden konnte, hat man sich irgend etwas einfallen lassen, um den zugrunde liegenden Fall zu lösen.


Wahrscheinlich hätte es Operation: Kingdom besser getan, wenn er nicht nur von Michael Mann produziert, sondern auch von ihm inszeniert worden wäre. Der Film weist nämlich alle typischen Merkmale eines klassischen Michael Mann-Filmes auf, lässt aber dessen Finessen vermissen. Hätte Mann den Film gemacht, würde das FBI-Team wohl nicht aus einer Ansammlung an möglichst "coolen" Gestalten bestehen, die den USA alle Ehre machen, sondern wohl etwas tiefgründigere Figuren aufweisen. Auch die finale Actionsequenz wäre keine Methode, um den Bodycount an möglichst gesichtslosen Feindbildern in die Höhe zu treiben. Doch so wie Operation: Kingdom von Peter Berg inszeniert wurde, weist er nun eben all diese Schwächen auf.


Dennoch möchte ich mit Operation: Kingdom nicht allzu hart ins Gericht gehen. Denn der Film macht auch ziemlich viel richtig, kann aber seine Qualität nicht über die volle Laufzeit halten. Nachdem sich der Film sehr gelungen aufbaut, mutiert er zu einer Michael Mann light-Version, die schließlich in einer etwas motivationslosen Actionschlacht gipfelt, aber allerdings durch das zugegeben gelungene Ende als etwas besser in Erinnerung bleibt, als er wirklich ist. Dies bewirkt, dass man nach dem Abspann tatsächlich das Bedürfnis hat, über den Film nachzudenken. Leider fallen dann auch die ganzen Schwächen des Films auf, die eine höhere Wertung verhindern. Dennoch ist das Gesamtpaket auf gewisse Weise stimmig, und da der Film auf handwerklicher Ebene absolut keine Mängel aufweist, gibt es dennoch 7 Punkte für einen guten, aber nicht herausragenden Film.


Fazit:
Operation: Kingdom ist ein wirklich spezieller Film, bei dem man nach dem Ansehen tatsächlich das Gefühl hat, einen sehr guten Film gesehen zu haben, über den man noch reflektieren möchte. Am Ende des Film schwankte ich zwischen 7 und 8 Punkten, mit Tendenz zur besseren Wertung, aber nachdem man sich den Film noch einmal vor Augen führt, fallen sofort die Fehler ins Auge: So sind die Figuren nur nach Schema F umrissen, und besonders das FBI-Team ist nur eine Ansammlung an Helden, die den verlorenen Arabern zu Hilfe eilen. Auch das letzte Drittel erweist sich rückblickend als sehr unmotiviert, da der Action-Showdown die Geschiche möglichst rasch und nicht wirklich glaubhaft zu Ende führt und eigentlich nur noch für einen finalen Schauwert sorgt. Die letzte Szene des Films ist dann allerdings wieder als gelungen zu betrachten, und rettet Einiges, was vorher falsch gemacht wurde. Dennoch schwankte ich nach gründlichem Überlegen zwischen 6 und 7 Punkten, aber dank des finalen Twists, der jeden Hurra-Patriotismus der Amerikaner zunichte macht, gibt es hier die bessere Wertung.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 7
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