Argo (2012)

OT: Argo - xx Minuten - Drama / Thriller
Argo (2012)
Kinostart: 09.11.2012
DVD-Start: 08.03.2013 - Blu-ray-Start: 08.03.2013
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Filmkritik zu Argo

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Die irrwitzigsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst: Das gilt besonders für jene Akte, die im Jahr 1997 von der amerikanischen Regierung freigegeben wurde und deren Inhalt eine unglaubliche Story offenbarte. Für Regisseur Ben Affleck, der mit seinen großartigen ersten Regiearbeiten Gone Baby Gone und The Town bereits eindrucksvoll gezeigt hat, dass ein riesiges Talent in ihm schlummert, war diese Geschichte ein wahrer Glücksgriff. Mit enormen Geschick und inszenatorischer Kreativität, bündelt Affleck mit viel Feingefühl den politischen Thriller mit dem lockeren Unterhaltungsfilm und toppt dabei nicht nur sein bisheriges Oeuvre, sondern präsentiert einen der besten Filme des Kinojahres.

1979: Der Iran befindet sich im Umbruch. Der Schah wird gestürzt und flieht in das amerikanische Asyl. Aus der alten Monarchie entsteht eine neue, religiöse Republik. Im Volk brodelt es - man fordert die Auslieferung des Schahs, um diesen hinzurichten, doch die USA weigern sich. Doch dann eskaliert die Lage: Das wütende Volk stürmt die amerikanische Botschaft und besetzt sie. Nur sechs Amerikaner können fliehen und finden schließlich im Haus des kanadischen Botschafters (Victor Garber) Unterschlupf. Nun ist Feuer am Dach, denn als nach über 60 Tagen immer noch keine Lösung in Sicht ist, sieht sich die CIA gezwungen die sechs Amerikaner zu befreien, bevor die Geiselnehmer sie aufspüren. Und der zugezogene Experte Tony Mendez (Ben Affleck) hat auch schon einen außergewöhnlichen Plan: Er will ein Hollywoodprojekt vortäuschen und im Zuges des Location-Scouting nach Teheran reisen um die Geiseln zu befreiden - doch dazu muss auch jedes Detail perfekt sitzen und so reist er nach Hollywood um gemeinsam mit dem oscarprämierten Make-up Künstler John Chambers (John Goodman) und dem Produzenten Lester Siegel (Alan Arkin) einen großartig-gefakten Film vorzubereiten...

Die Geschichte klingt so verrückt, dass man sie wohl kaum glauben würde, wenn sie nicht tatsächlich passiert wäre. Doch selbst wenn man sich einmal mit diesem Umstand angefreundet hat, bleibt noch die Skepsis ob sich diese Story überhaupt in einen guten Film verwandeln lässt. Doch bereits nach wenigen Minuten ist alle Skepsis und jeder Zweifel verflogen: Mit einer großartigen Animationssequenz erklärt Affleck höchst präzise die politische Lage im Iran und schwenkt anschließlich genauso galant hin zu einem drückenden, realistischen Stil, wenn er auf eindringliche Art und Weise die Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Szene setzt. Kurz: Bereits die ersten 10 Minuten von Argo packen den Zuseher und der Film lässt einen auch bis zum Ende nicht mehr los.

Dabei ist es höchst eindrucksvoll wie gut die beiden Seiten des Films funktionieren. Auf der einen Seite ist Argo ein rauer, harter und atmosphärisch bedrückender Polit-Thriller, der an die Nieren geht. Der Film bricht von ganz unten ausgehend den Radikalisierungsprozess der Einzelnen auf und ermöglicht damit auch einen Blick auf den Staat Iran und seine Funktionsprinzipien - aber eben auch nicht nur spezifisch auf den Iran, sonder auch auf radikalisierte Massen im Allgemeinen. Die Gefahr um Leib und Leben, der Terror auf den Straßen und allgemein der Zustand im Hexenkessel eines politischen Umbruchs dieser Dimensionen, wird von Argo präzise und glaubwürdig geschildert, sodass auch die Bedrohung der Figuren stets glaublhaft und unmittelbar dem Zuseher bewusst ist.

Auf der anderen Seite ist Argo aber auch noch ein pointierter Unterhaltungsfilm, der mit köstlichem Satirecharakter quasi die gesamte US-Filmidustrie auf die Schippe nimmt und auch amüsante Einblicke in Prozesse und den alltäglichen Wahnsinn liefert. John Goodman und Alan Arkin brillieren dabei als kongeniales Duo, das man einfach gerne beobachtet - mit subtilen Gesten, scharfen Wortwitzen und individuellen Finessen (im Fall von Goodman das charmante Spitzbubentum, im Fall von Arkin, die sympathische Form von ruppiger Boss-Großkotzigkeit) wickeln sie das Publikum sofort um den Finger. Die lockeren und wirklich höchst unterhaltsamen Szenen mit diesen beiden Schauspielgrößen bieten einen wohltuenden Kontrast zum bedrückenden Rest des Films.

Es ist aber dabei Ben Affleck hoch anzurechnen, dass er es als Regisseur meisterhaft versteht diese beiden Ebenen zu verbinden und auch in Kontrast zu setzen. So bleibt einem das Lachen auch mal im Hals stecken, wenn eine Eskalation der Konflikte im Iran auf das lockere Hollywoodgeplänkel folgt. Aber nicht nur im Großen hat Affleck alles richtig gemacht, auch die Details sitzen: Die Atmosphäre der Zeit wird durch die wundervolle Ausstattung, das präzise Setdesign und natürlich auch durch großen Ideenreichtum perfekt auf den Punkt gebracht. Und überraschenderweise gelingt es Affleck auch den größten Fallstrick solcher Filme in einen Pluspunkt zu verwandeln: Denn im Gegensatz zu den meisten Genrekollegen, wird die Schilderung des Privatlebens der Hauptfigur hier nicht zum Bremsklotz. Im Gegenteil: Die eher subtile Darstellung sorgt dafür, dass man die Bedrohung (auch auf das Leben des CIA-Agenten) besser in Relation setzen kann. Und tatsächlich gibt es auch so manche magische Szene, die sich daraus ergibt, wie etwa das gemeinsame Fernsehen von Vater und Sohn an verschiedenen Orten, oder natürlich auch die Schlussszene des Films.

Ben Affleck überzeugt in Argo aber nicht nur als Regisseur, sondern leistet auch als Darsteller viel. Zwar erscheint seine Darbietung auf den ersten Blick äußerst stoisch, aber im Detail verstecken sich tatsächlich viele subtile Gesten und ein zartes Spiel mit den Ausdrücken, die auch stets vor Augen führen, um was es eigentlich geht - nämlich um Menschenleben. Zu Bemängeln gibt es eigentlich nur eines: Im Finale weicht Affleck etwas zu sehr vom Realismuskonzept ab, und liefert eine Prise zu viele Hollywood. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn Argo ist ein wirklich fantastischer Film, der für eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle sorgt und es auf präzise Art und Weise versteht den Polit-Thriller mit der Hollywood-Satire zu kreuzen. Insgesamt also ein wunderbares Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit:
Bereits mit seinen ersten beiden Regiearbeiten hat Ben Affleck ordentlich aufgezeigt, aber mit Argo schafft er es tatsächlich noch einmal eines drauf zu setzen. In seinem bisher wohl ausgereiftesten und komplettesten Werk gelingt es ihm auf hohem Niveau den Polit-Thriller mit der Hollywood-Satire zu kreuzen. Die sympathischen und höchst unterhaltsamen Szenen mit John Goodman und Alan Arkin stehen in Kontrast zu den packenden Szenen im Iran, und insgesamt sorgt Argo so für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 48
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