Das Bourne Vermächtnis (2012)

OT: The Bourne Legacy - 135 Minuten - Action / Abenteuer / Thriller
Das Bourne Vermächtnis (2012)
Kinostart: 14.09.2012
DVD-Start: 10.01.2013 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Bourne Vermächtnis

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Alleine die Tatsache, dass Das Bourne Vermächtnis gemacht wurde, ist schon eine gewisse Ansage von Hollywood. Dass innerhalb eines Franchise ein Regisseur ein nicht unbedingt schwierig zu ersetzender Part ist, wissen wir bereits und das hat auch die Bourne Reihe bereits hinter sich: Nachdem Doug Liman den ersten Teil inszenierte, übernahm Paul Greengrass das Ruder und führte die Reihe zu neuen Qualitätsufern, was ganz besonders beim überragenden dritten Teil Das Bourne Ultimatum deutlich wurde. Aber dass man auch einen Haupdarsteller einfach so absägen kann, ist abgesehen von großen Ausnahmen wie der James Bond Reihe doch eher eine Seltenheit. Doch als Matt Damon ankündigte, dass er nur mehr zur Verfügung steht, wenn Paul Greengrass am Regiestuhl sitzt, zögerte man nicht allzu lange ein neues Konzept vorzustellen: Und überraschenderweise funtkioniert dieses Konzept ziemlich gut - und Jeremy Renner muss sich nicht hinter Matt Damon verstecken.

Nachdem die US-Regierung eindeutig die Kontrolle über Jason Bourne (Matt Damon) und das gesamte Threadstone-Programm verloren hat, beschließt der hochrangige Eric Byer (Edward Norton) die Reißleine zu ziehen und das Projekt zu stoppen. Und zwar mit absoluter und finaler Konsequenz. Bevor Informationen durchsickern, lässt man lieber alle Superagenten über die Klinge springen und beschließt sie koordinert zu töten. Auch den höchst talentierten Aaron Cross (Jeremy Renner) soll es treffen, als sich dieser mitten in einer Eiswüste in der Ausbildung befindet. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen, kommt Cross mit dem Leben davon. Er sucht die Wissenschaftlerin Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz) auf, die ebenfalls auf der Abschussliste steht und will sich ein für alle mal völlig unabhängig von seinen Medikamenten machen und von der Bildfläche verschwinden...

Aus dem Streit zwischen Regisseur Paul Greengrass, Hauptdarsteller Matt Damon und Universal ist vor allem einer als strahlender Sieger hervorgegangen: Tony Gilroy. Der langjährige Autor der Bourne Reihe, der sich mit seinem Regiedebüt Michael Clayton auch für größere Aufgaben empfahl, sitzt nun alleine am Ruder und hält die Zukunft der Bourne-Reihe als Autor und Regisseur in den Händen. Und tatsächlich macht er seine Sache sehr gut Das Bourne Vermächtnis plausibel in die Reihe einzugliedern. Und das ist kein einfaches Unterfangen, unterscheidet sich doch nicht nur der Cast augenscheinlich, sondern der gesamte Stil hat sich geändert. Doch durch geschickte Bezüge und die zeitliche Parallelität zu Das Bourne Ultimatum, vergisst man den größeren Kontext der Reihe in keiner Sekunde.

Bereits abzusehen war allerdings, dass man das rasend-mitreissende Tempo von Das Bourne Ultimatum nicht aufrecht halten kann. Immerhin hat sich die Reihe zwei Teile lang die Zeit genommen um alles in Position zu bringen und dann im dritten Teil eine unglaubliche Actionhetzjagd veranstalten zu können, die ihres gleichen sucht. In Das Boure Vermächtnis beginnt man zwar nicht direkt wieder bei Null, man muss aber doch ordentlich Zeit aufbringen um das neue Setting zu etablieren und die neuen Figuren einzuführen. Dass es dabei nicht möglich ist ein ähnlich straffes Tempo wie im letzten Teil durchzuziehen ist verständlich - und in Anbetracht des durchwegs hohen Unterhaltungswert des Films auch absolut verschmerzbar. Vor allem, da man das Gefühl hat, dass die Geschichte dafür auf moralischer Ebene etwas komplexer ausgefallen ist.

Der gesamte erzählerische Aufbau, rund um die herangezüchteten Superagenten und den Umgang mit ihnen - bzw. rund um Vertuschungen und Verschwörungstheorien, gerade auch wie Tony Gilroy beide Seiten der Medaillen zeigt, ist imponierend und zugegeben etwas durchdachter und ambivalenter als die Plots der Vorgänger. Aber dies erkauft sich der Film auch durch einige kleinere Probleme, was aber durchaus auch an der bisherigen Geschichte der Reihe liegen könnte: Denn bis dato wurde der Zuseher richtiggehend verwöhnt. Jeder Teil schaffte es den Vorgänger zu toppen, das Tempo wurde ständig angezogen und am Ende stand nun mal mit Das Bourne Ultimatum einer der besten Hetzfilme der Filmgeschichte, der mit spektakulärer Körperlichkeit, rasanten Verfolgungsjagden und einem wahnwitzigen Tempo eigentlich kaum mehr zu übertreffen ist.

Deshalb fällt es auch umso stärker auf, wie bewusst Gilroy auf die Bremse steigt, um sich gar nicht erst mit dem Vorgänger messen zu müssen. Dass man das Augenmerk mehr auf die Geschichte verlegt führt aber auch dazu, dass sich eine gewisse Trägheit eingeschlichen hat und man das Gefühl hat, dass sich der Film immens viel Zeit lässt um endlich zum Punkt zu kommen. Und so imponierend es ist, dass sich Gilroy auch die Zeit nimmt die Strippenzieher im System zu Wort kommen zu lassen, muss man doch sagen, dass der Film immer dann am besten ist, wenn man Jeremy Renner einfach machen lässt. Und das wird auch bereits zu Beginn klar, als Renner sein Survivaltraining im ewigen Eis absolviert und dabei eine enorm reduzierte Körperlichkeit verströmt, die höchst beeindruckend ist.

Überhaupt erweist sich der gesamte Auftritt Renners als sehr positiv. Er besticht in den actionreichen Szenen des Films mit einer enormen Präsenz, wirkt als übermenschlicher Superagent absolut glaubwürdig (was sicherlich auch der oben erwähnten, grandiosen Einführung seines Charakters geschuldet ist) und trägt den restlichen Film ebenso souverän dank seines spitzbübischen Charismas. Kurz: Jeremy Renner ist ein absoluter Gewinn für die Reihe und lässt in nicht wenigen Szenen Matt Damon alt aussehen. Aber schlussendlich verhindert der etwas zu gemächliche Aufbau des Films und die Tatsache, dass vielen Actionszenen der besondere, letzte Kick fehlt, dass sich der Film mit dem atemberaubenden Vorgänger messen kann. Aber Das Bourne Vermächtnis macht dennoch sehr viel Spaß und muss sich nicht hinter den ersten beiden Teilen der Reihe verstecken.

Fazit:
Der Neustart in eine Bourne-Zukunft ohne Regisseur Paul Greengrass und Hauptdarsteller Matt Damon ist durchaus geglückt. Tony Gilroy verlegt den Fokus mehr auf die Geschichte und nimmt deutlich Tempo raus. Das führt dazu, dass sich Das Bourne Vermächtnis im Vergleich zum atemberaubenden Bourne Ultimatum etwas behäbig und besonders in den Actionszenen etwas weniger faszinierend, anfühlt, aber dafür gelingt es dem Film einige moralisch spannende Fragen aufzuwerfen. Da dies insgesamt gesehen zu einem sehr unterhaltsamen Film führt, der sich durchaus auf Augenhöhe mit den ersten beiden Bourne Filmen befindet, spricht absolut nichts gegen einen Kinobesuch. Aber man sollte sich nicht eine ähnlich eindrucksvolle Show wie in Das Bourne Ultimatum erwarten - dafür muss man eingestehen, dass Hauptdarsteller Jeremy Renner ein absoluter Gewinn für die Reihe ist und Matt Damon spürbar den Rang abläuft.

Wertung:
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Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 17
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