Total Recall (2012)

OT: Total Recall - 121 Minuten - Action / Abenteuer / SciFi / Thriller
Total Recall (2012)
Kinostart: 24.08.2012
DVD-Start: 19.12.2012 - Blu-ray-Start: 19.12.2012
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Filmkritik zu Total Recall

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Arnold Schwarzenegger genießt sicherlich nicht den besten Ruf als Darsteller. Sein erster Film „Hercules in New York“ ist ein Kracher auf Youtube wegen Arnies witzigem steirischen Akzent, bei den Razzies, die alljährlich für die schlechtesten filmischen Leistungen vergeben werden, konnte Schwarzenegger bisher acht Nominierungen einheimsen. Trotzdem ist es dem Steirer in seinen Filmen immer wieder gelungen, einfach jede Szene zu stehlen und eine schier einzigartige Leinwandpräsenz zu kreieren. Da war es also von Anfang an klar, dass der irische Schauspieler Colin Farrell kein leichtes Spiel haben wird, wenn er in einem Remake von Paul Verhoevens „Totel Recall“ auf den Spuren von Arnie wandert. Wie sein Hauptdarsteller müssen sich aber auch Regisseur Len Wiseman und der Film den Argusaugen des Publikums stellen – schließlich handelt es sich bei „Total Recall“ um einen waschechten Klassiker. Während Colin Farrell sich erst gar nicht als Muskelikone versucht, sondern zum Glück lieber auf Schauspiel als auf Körperlichkeit setzt, schlägt Wiseman nur bedingt eigene Wege ein und muss sich dann doch dem direkten Vergleich aussetzen. Und in diesem Fall muss man zugeben: „Totel Recall“ ist nicht schlecht, aber weit davon entfernt, die literarische Vorlage „Erinnerungen en gros“ von Philip K. Dick erneut zum Meisterwerk zu krönen.

In der Zukunft ist nach einem chemischen Krieg ein Großteil der Erde unbewohnbar geworden. Die Überlebenden sind auf zwei Regionen zusammengepfercht: Großbritannien und die Kolonie Australien. Täglich pendeln die durch das Mutterland unterdrückten Arbeiter aus der Kolonie auf die andere Seite der Welt nach Britannien, indem sie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel namens „The Fall“ den Erdkern durchqueren. Auch Doug (Colin Farrell) begibt sich Tag für Tag in das von Kanzler Cohaagen (Bryan Cranston) regierte Britannien, um dort seiner Arbeit in einer Roboterfabrik nachzugehen. Da er mit seinem Leben nicht zufrieden ist und nachts heimlich davon träumt, ein Geheimagent zu sein, wird er auf „Rekall“ aufmerksam – eine Organisation, die es möglich macht, die persönlichsten Wünsche in Erinnerungen zu verwandeln. Doch in dem Moment, als er am „Rekall“-Stuhl Platz nimmt, taucht eine Truppe des Militärs auf und will ihn in Gewahrsam nehmen. Doug gelingt die Flucht, doch zu Hause wartet bereits seine vermeintlich liebevolle Ehefrau Lori (Kate Beckinsale) auf ihn und versucht ihn zu töten. Allmählich wird Doug klar, dass er wohl keineswegs ein einfacher Fabriksarbeiter ist, sondern der Geheimagent aus seinen Träumen. Als er auf seiner Flucht unerwartet Hilfe von Melina (Jessica Biel) bekommt, erzählt sie ihm, dass er eigentlich Carl Hauser heißt und Teil der Widerstandsbewegung um Matthias (Bill Nighy) ist.

Über die Notwendigkeit von Remakes kann man diskutieren. Die einen halten es für vollkommen unnötig und unmöglich, ein gelungenes Original besser oder zumindest genau so gut nochmal zu machen, die anderen sehen darin eine tolle Huldigung eines Klassikers und zugleich eine Chance. Huldigen will Len Wiseman Paul Verhoevens „Total Recall“ auf jeden Fall. In einigen Sequenzen nimmt das Remake auf sein Original Bezug. Wer sich also den 1990er-Paul Verhoeven-Klassiker angesehen hat, wird mehr entdecken und nicht selten etwas zum Schmunzeln finden. Len Wiseman will mit „Total Recall“ aber keineswegs eine Kopie des Originals erreichen, sondern einen eigenständigen Film kreieren. Seine neuen Ansätze blicken schon in der ersten Minute durch, da sein „Total Recall“ ausschließlich auf einer postapokalyptischen Erde angesiedelt ist und der Mars als Schauplatz der 1990er-Version komplett gestrichen wurde. Vor allem der Ansatz, Großbritannien als Mutterland und Australien als Kolonie zu sehen, ist vollkommen neu und man könnte ihn als politisches Statement gegen die jahrhundertelange und teils immer noch vorhandene Abhängigkeit Australiens von Großbritannien sehen. Sollte hinter diesem interessanten neuen Kniff in der Geschichte aber tatsächlich eine kritische Botschaft versteckt sein, hätte das Wiseman wohl mit etwas mehr Konsequenz angehen sollen. Insgesamt kann man dies aber auf jeden Fall als gelungene Drehbuchidee sehen. Anders sieht es dann schon beim Unterhaltungswert des Remakes aus.

Paul Verhoeven und seine Drehbuchautoren haben „Total Recall“ vor allem einen unglaublichen Charme verliehen, indem sie so manche Szene mit Augenzwinkern nahmen und den Film stellenweise sogar eine dezent trashige Note gaben. Wiseman hingegen nimmt das Skript unglaublich ernst, was nicht weiter tragisch wäre, wenn dadurch nicht der Zauber, der das Original mitunter auszeichnet, fehlen würde. Außerdem gelingt es Wiseman auch nicht – gewollt oder ungewollt – die Balance zwischen Traum und Realität zu halten. Ist man sich in Paul Verhoevens Film nie sicher, was nun und ob tatsächlich etwas in der Wirklichkeit passiert, weiß man bei Len Wiseman recht schnell, wie der Hase läuft.

Colin Farrell macht seine Sache als verwirrter, aber knallharter Geheimagent ordentlich und versucht erst gar nicht, auf „Terminator“ Arnold Schwarzenegger zu machen. Stattdessen legt er gelungen sein Hauptaugenmerk auf die innere Unsicherheit des Protagonisten, die klar im Kontrast zu seinen konsequenten, fast einprogrammierten  Handlungen steht. Da wirken die Damen an seiner Seite, Jessica Biel und Kate Beckinsale, vergleichsweise etwas blass. Vor allem Beckinsale gibt sich der Illusion hin, dass ein Bösewicht dann besonders ernst genommen wird, wenn er/sie möglichst finster dreinschaut. Unter den Nebendarstellern finden sich mit Bryan Cranston als Kanzler und Bill Nighy als Widerstandsanführer durchwegs ausgezeichnete Mimen, die jedoch maßlos unterfordert sind. Ein bisschen mehr Leinwandzeit hätte beiden nicht geschadet, denn die Spannung zwischen den beiden Charakteren hätte durchwegs Potenzial gehabt.

Fazit:
Warum ist trotz all dieser Kritikpunkte das Remake von „Total Recall“ kein Totalausfall? Weil es krachende Actionszenen, ausgezeichnete Spezialeffekte, gelungene neue Regie- und Drehbuchansätze bietet und vor allem, weil die Kurzgeschichte von Philip K. Dick „Erinnerungen en gros“ vor Genialität strotzt, die auch im Remake von Len Wiseman immer noch zu spüren ist.

Wertung:
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