Dein Weg (2010)

OT: The Way - 123 Minuten - Abenteuer / Komödie / Drama
Dein Weg (2010)
Kinostart: 13.07.2012
DVD-Start: 09.11.2012 - Blu-ray-Start: 09.11.2012
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Filmkritik zu Dein Weg

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Es war im Jahr 2007 als Sean Penn in seinem grandiosen Aussteigerdrama Into the Wild einen jungen, klugen und eigenwilligen Kerl aus der Gesellschaft ausbrechen ließ um sein Glück in der Natur und der Einsamkeit zu finden. Dein Weg von Emilio Estevez geht einen etwas anderen Weg, um ein vergleichbares Thema zumindest zu tangieren. Denn hier ist die eigentliche Aussteigerfigur nur eine Randerscheinung und der Katalysator für den Vater um sich auf einen eigenen Seelentrip zu begeben, der unter anderem auch dazu nötig ist um den Wertvorstellungen des Sohns auf den Grund zu gehen. Und auch wenn Dein Weg die ganz große Klasse eines Into the Wild fehlt, gelingt es dem Film doch für feinfühlige Unterhaltung zu sorgen.

Eigentlich wollte Tom Avery (Martin Sheen) nur eine entspannte Golfpartie genießen, als ihn schlechte Nachrichten überraschen: Sein Sohn Daniel (Emilio Estevez) ist ums Leben gekommen, als er gerade auf einer Wanderung am Jakobsweg unterwegs war. Zeit für Tom seine Beziehung zu Daniel noch einmal Revue passieren zu lassen: Beide waren stets sehr verschieden. Während Tom immer seinem geordneten Leben nachging, zog es Daniel in die Ferne, um auf unbeschwerte Reisen und Abenteuer zu gehen. Doch als sich Tom auf die Reise macht um die Überreste seines Sohns zu holen, beschließt er sich selbst auf ein Abenteuer einzulassen: Er will den Jakobsweg beschreiten und dort die Asche seines Sohnes verstreuen...

Emilio Estevez ist mit Dein Weg eine berührende Vater-Sohn Geschichte gelungen, die im Kern aus einer stringent vorgetragen Erkenntnisreise besteht, die vor allem dezent und bodenständig geschildert ist. Auch durch die interessante Besetzung gewinnt der Film zusätzlich an Reiz: Dass die Vater-Sohn Ebene so berührend ist, wie sie ist, verdankt der Film nicht zuletzt der Tatsache, dass mit Estevez und Martin Sheen ein echtes Vater-Sohn-Gespann auf der Leinwand agiert. Schön ist auch, dass der Film nicht versucht durch übermäßiges Drücken auf die Tränendrüse, mit Gewalt die gewünschten Emotionen herbei zu zwingen, sondern sich immer auf die ruhig erzählte Geschichte verlässt, der es auch ohne Nachdruck gelingt die Empathie des Publikums zu wecken.

Das Zentrum des Films bildet dabei natürlich die Reise von Tom, der versucht durch das Beschreiten des Jakobsweg seinem Sohn näher zu kommen, und vielleicht dessen Motive zumindest nach seinem Ableben zu verstehen, nachdem es ihm zu Lebzeiten seines Sohnes nie gelungen ist. Aber Estevez tut gut daran Tom auch ein paar Gefährten zur Seite zu stellen. Holländer Joost (Yorick van Wageningen), Kanadierin Sarah (Deborah Kara Unger), und Ire Jack (James Nesbitt) schließen sich dem ruhigen Tom an und begleiten ihn auf seiner Reise - dabei gelingt das Kunststück allen Figuren einen spannenden Charakter anzueignen, ohne dass man dabei in die Trickkiste greifen müsste - alles geschieht einfach organisch aus dem Erzählfluss der Geschichte.

Weniger gut ist Dein Weg immer dann, wenn man den geerdeten Charakter des Films in den Hintergrund schiebt: Scheinbar ist es auch Regisseur Estevez nicht entgangen, dass die Wanderung an manchen Stellen eine Spur zu langatmig ausgefallen ist, sodass ein Bedarf an Abwechslung geortet wurde. Doch leider bleiben die eingeschobenen Spannungsmomente (in der Regel auf einen unerwarteten Verlust des Rucksacks reduziert) ein Fremdkörper und sind letzten Endes weder besoderns spannend, noch fügen sie sich in das Gefüge der Geschichte ein. Da diese Szenen aber die Ausnahme sind und es Dein Weg (mit Unterstützung eines gelungenen Soundtracks) ansonsten gelingt für eine berührende Abenteuerreise ohne unnötigen Kitsch und religiösen Pathos zu sorgen, kann man diese Schwäche durchaus verschmerzen.

Fazit:
Dein Weg ist ein gelungener und berührender kleiner Film, der zwar nicht für Jubelstürme sorgen wird, dessen ruhiger und bodenständiger Stil aber eine wohltuende Abwechslung darstellt und für entspannende Kinounterhaltung sorgt. Emilio Estevez gelingt in Zusammenarbeit mit Vater Martin Sheen eine subtil erzählte Vater-Sohn Geschichte ohne Kitsch und Pathos, aber mit viel Herz und gutem Willen. Zwar bleiben gewisse, eingestreute Spannungsmomente ein Fremdkörper, aber ansonsten ist der besinnliche Seelentrip alle Mal einen Blick wert.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013