Das Boot (1981)

OT: Das Boot - 208 Minuten - Anti / Kriegsdrama
Das Boot (1981)
Kinostart: 17.09.1981
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Boot

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In vielen Filmen, die den Zweiten Weltkrieg thematisieren, fällt dem Betrachter eines relativ schnell ins Auge: Die Helden (die Alliierten) sind normale, meist sensible, jedoch nicht minder heroische junge Männer, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um der faschistischen Tyrannei ein Ende zu setzen. Die Bösen (die Deutschen bzw. Japaner) sind blutrünstige, von nationalsozialistischer Propaganda durchsetzte Killer, kurzum ein Feindbild, wie geschaffen dafür um den Kontrast zu verstärken und die Helden in noch besserem Licht erscheinen zu lassen. Diese „Schwarz - Weiß" - Darstellung lässt sich oft in amerikanischen Kriegsfilmen der 60er und 70er Jahre feststellen. Dass sie sich bis heute relativ stark verändert hat und in modernen Kriegsfilmen auch einmal der Feind von seiner menschlichen Seite gezeigt wird, ist nicht zuletzt dem Einfluss und dem Erfolg von Das Boot zu verdanken, der in seiner englischen Sprachfassung vor allem in den USA sehr bekannt wurde und 1983 in sechs Kategorien für den Oscar nominiert wurde.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim, der im Zweiten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter für die deutsche Kriegsmarine an mehreren Fahrten auf U-Booten teilnahm. Der enorme Erfolg des Buches bzw. des Filmes lässt sich auf seinen bestechenden Realismus zurückführen: Buchheim schickt darin U-96 auf die Jagd, dasselbe Boot, auf dem er selbst 1941 zwei Feindfahrten mitmachte, die er im Roman allerdings zu einer einzigen verschmelzen ließ. Alle Charaktere haben reale Vorbilder und alle beschriebenen Erlebnisse haben in dieser Form wirklich stattgefunden. Das Boot war bei seiner Erscheinung einer der ersten Filme, der deutsche Soldaten sowohl als kämpfende Einheiten, als auch als Menschen, die unter den extremen Bedingungen des Krieges leiden, kurzum, als  Täter und als Opfer zeigt. Dieses Darstellungsschemata galt Anfang der 80er Jahre, als der Aufarbeitungsprozess des Krieges in Deutschland in vollem Gange war, als Neuheit und beinahe als Tabubruch.

Oktober 1941: Der junge Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), kommt als Marinekriegsberichter auf das Unterseeboot U-96, welches am Morgen nach einer äußerst feuchtfröhlichen Abschiedsfeier vom französischen Atlantikhafen  La Rochelle zu einer Feindfahrt ausläuft. „Tonnagekrieg" ist das Schlagwort, englische Frachter versenken, den feindlichen Nachschub unterbinden, die „Tommies" auf ihrer Insel aushungern. Geführt wird das Boot vom brummigen, aber erfahrenen Kommandanten (Jürgen Prochnow), dessen Name nie genannt wird und der von der Besatzung nur mit „Herr Kaleun" (Abkürzung für Kapitänleutnant) angesprochen wird. Gemeinsam mit dem U-Boot - Neuling Leutnant Werner lernt der Zuschauer die bedrückende Enge, die sozialen Verhaltensregeln und das alltägliche Leben im stählernen Bauch kennen. Die Mannschaft ist ein bunter Querschnitt verschiedenster Persönlichkeiten, die Besatzungsmitglieder kommen aus allen Ecken des Deutschen Reiches, Norddeutsche, Berliner, sogar zwei Österreicher sind mit von der Partie.

Nach der ersten euphorischen Erwartung auf das Abenteuer wird Leutnant Werner schnell von der öden Routine eingeholt, die Feindfahrt besteht vornehmlich aus  schier endlosem Warten, Spähen und Probealarm. Die ausschweifenden Erzählungen der sexuellen Abenteuer der Unteroffiziere rauben Werner ebenso den Schlaf wie das ständige Kunstlicht, der Dieselgestank und der Seegang. Die Langeweile verfliegt jedoch schnell, als das Boot nach mehreren Wochen erfolgloser Fahrt plötzlich auf einen feindlichen Geleitzug trifft. Die Eintönigkeit weicht Jagdfieber und ungeheurer Spannung, als der Kommandant mehrere Frachter torpediert. Das Boot wird jedoch von einem englischen Zerstörer entdeckt, zum Wegtauchen gezwungen und mehrere Stunden lang mit Wasserbomben gejagt. Nach Einbruch der  Nacht kann das Boot auftauchen und den zugefügten Schaden, einen in Flammen stehenden, halb gesunkenen Frachter begutachten. Die Freude darüber endet jäh, als überlebende Besatzungsmitglieder auf das Boot zuschwimmen und um Rettung flehen. Der Kommandant muss wegen des Verbots, feindliche Schiffbrüchige aufzunehmen, und den mangelnden Platzverhältnisse an Bord  gegen sein Gewissen die Seemänner ihrem Schicksal überlassen und abdrehen.

Das Boot ist nach zahlreichen Wasserbomben- und Fliegerangriffen schwer beschädigt und will die Heimreise nach Frankreich antreten, als von der Führung ein folgenschwerer Befehl kommt: Durchbruch bei Gibraltar, Vorstoß ins Mittelmeer und Einlaufen in einem italienischen Hafen. Die Mannschaft ist konsterniert: Gibraltar, eine Meerenge, dazu noch von den Engländern besetzt, ein reines Himmelfahrtskommando! Der Durchbruch scheint anfangs wider Erwarten zu gelingen, doch das Boot wird von einem Flugzeug entdeckt, bombardiert und zum Tauchen gezwungen. Dabei verklemmt das Tiefenruder und das Boot steuert unkontrolliert in die Tiefe. Wie durch ein Wunder schlägt es auf einem Felsenriff auf und wird so vor der sonst unvermeidlichen Zerstörung durch den gigantischen Wasserdruck bewahrt. Die folgenden Stunden sind ein Kampf um Leben und Tod, Wassereinbrüche im ganzen Boot, der Sauerstoff droht knapp zu werden, und nicht zuletzt manövriert ein riesiger feindlicher Flottenverband über der Wasseroberfläche.

Das Boot ist kein Kriegsfilm im konventionellen Sinn. Die zerreißende Spannung ergibt sich nicht aus unmittelbaren Kampfhandlungen, sondern aus der beklemmenden Enge und der nackten Angst der Männer, der Gewissheit um ihre geringen Überlebenschancen. Besonders eindringlich sind die Detonationen der Wasserbomben, die das Boot hin und her werfen. Unter Wasser kann der Gegner nur gehört, aber nicht gesehen werden, die Schraubengeräusche der Zerstörer sägen an den Nerven. Der Film profitiert von einem Mix aus realistischen Bildern (für den Dreh wurde ein Modell-Uboot im Maßstab 1:1 nachgebaut, welches sich Steven Spielberg später auslieh um es in Jäger des verlorenen Schatzes einzusetzen), seinem eindringlichen Soundtrack, und seinen überragenden Schauspielern: Für viele der Darsteller war Das Boot der große Durchbruch im Filmgeschäft. Besonders gelobt wurde Jürgen Prochnow als missmutiger, von der Nazi-Propaganda angeekelter Seebär, der seinen Schützlingen jedoch stets ein Vorbild an Ruhe und Überlegtheit ist. Im starken Kontrast zum Kommandanten steht der steife Erste Wachoffizier (Hubertus Bengsch, bekannt als deutscher Synchronsprecher von Richard Gere), ein junger, vom „Idealbild" des ordentlichen und sauberen deutschen Offiziers durchdrungener Mann, der mit seiner Ergebenheit an die Führung einen Fremdkörper in der Mannschaft darstellt, der es in erster Linie ums nackte Überleben geht. Die Besetzung der Darsteller zieht einen Querschnitt durch verschiedene Persönlichkeitsmuster: Der Zweite Wachoffizier (Martin Semmelrogge) ist ein Spaßvogel, der jedoch gewissenhaft seinen Dienst leistet, der aggressive Dieselheizer Ario (Claude-Oliver Rudolph) attackiert ständig den tiefgläubigen „Bibelforscher" (Joachim Bernhard) und der Obermaschinist Johann (Erwin Leder), wegen seiner ausgemergelten Gestalt nur „das Gespenst" genannt, scheint mit seinen Dieselmaschinen besser auszukommen als mit seinen Kameraden.

Für einen Kriegsfilm beinhaltet Das Boot verhältnismäßig viel Humor, wenn auch oft der derben Sorte. Die spaßigste Szene ist eindeutig jene, in der der Kommandant die Lieblingsplatte der Mannschaft auflegen lässt, ausgerechnet einen englischen Schlager, der von den Männern begeistert mitgegröhlt wird, nur um den parteitreuen Ersten Wachoffizier zu ärgern. Regisseur Wolfgang Petersen hielt sich bei der Verfilmung sehr genau an die Romanvorlage, fast alle der Dialoge im Film sind wortwörtlich aus dem Buch übernommen. Alleine das unmittelbare Ende entspricht nicht den historischen Begebenheiten.

Fazit:
Ein unglaublich packendes Kriegsdrama, bei dem der Mix aus Action, Spannung, Dramatik und grandiosen Schauspielern einfach stimmt. Da die Thematik des U-Boot-Krieges  nie so intensiv verfilmt wurde, bietet der Film damals wie heute sehr viel Neues an Bildern, Informationen und Emotionen.

Wertung:
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Filmering.at
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