Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden (2012)

OT: Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden - xx Minuten - Drama
Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden (2012)
Kinostart: 15.06.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden

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Tabu - Es ist die Seele … ein Fremdes auf Erden ist ein gleichermaßen bewegendes, wie auch poetisches Inzestdrama, rund um den expressionistischen Künstler Georg Trakl (Lars Eidinger) und seiner Schwester Grete (Peri Baumeister).

Obwohl das Verhältnis zwischen den Geschwistern nie nachgewiesen werden konnte, bringt der deutsche Regisseur Christoph Stark (Julietta) - mit einem erstaunlichen Gespür für das Vermitteln von Emotionen - Leben in die Geschichte. Es macht den Anschein, als hätte man sich beim Besetzten des Filmes nicht gefragt, wer Georg Trakl am besten verkörpern könne, sondern wer ein derartiges Tabu-Thema so gefühlsbeladen transportieren kann, dass es regelrecht entkräftet wird. Denn fragt man sich zu Beginn der Geschichte noch, wie man dieses Szenario mit seinen eigenen Moralvorstellungen vereinbaren soll, so wird man schlussendlich Gefahr laufen, ein heimliches Mitgefühl für das verbotene Liebespaar zu hegen. Lars Eidinger scheint seiner Aufgabe mehr als gewachsen, wenn er uns einen Trakl zeigt, dessen Leben von seinen Gewissensbissen und Schuldgefühlen völlig aufgefressen wird. Intensive Bilder unterstreichen die ausdrucksvolle Schauspielerei aller Hauptfiguren und sorgen für eine breite Gefühlspalette.

Der Inhalt fokussiert sich weniger darauf, ein Portrait des Dichters zu zeigen, sondern den Verfall zweier Menschen, die an ihrer unmöglichen Liebe nach und nach zerbrechen. Georg Trakl studiert gerade in Wien Pharmazie, als ihm seine Schwester dorthin folgt, um sich der Musikwissenschaft zu widmen. Sie lehnt es ab, Georgs Distanziertheit zu akzeptieren und schafft es, die Jugendliebe zwischen ihnen erneut aufflammen zu lassen. Doch das Verhältnis bleibt nicht lange ungetrübt, denn Trakl kann seine intensiven Gefühle zu Grete weder ganz leben, noch ignorieren. Dieser Konflikt wird ihm zum Verhängnis. Es reicht ihm nicht mehr, sein schlechtes Gewissen im Zuge seiner Gedichte zu verarbeiten und er greift zu Alkohol und Drogen. Während Grete noch hofft, dass ihre Liebe am Ende Erfüllung findet, wälzt sich Trakl bereits in einem Sumpf aus Verurteilung, der eine dramatische Welle von Selbstzerstörung nach sich zieht. Obwohl er es dennoch schafft, sein erstes Gedichtbuch zu veröffentlichen, hilft ihm der Erfolg nur kurz über seinen Kummer hinweg. Er zwingt seine Schwester schließlich regelrecht dazu, ihren rund 20 Jahre älteren Musikprofessor Brückner (Rainer Bock) zu heiraten, in der Hoffnung, die Situation so regeln zu können. Grete fühlt sich in der Ehe jedoch immer einsamer und lässt sich schließlich von ihrem Bruder schwängern. Sie plant, Brückner das Kind unterzujubeln, um so wenigstens einen Teil von ihrer großen Liebe bei sich zu haben. Ihr Schmerz gelangt zu einem tragischen Höhepunkt, wenn sie das Baby verliert und ihre Lüge auffliegt.

Am Ende des Films muss Grete von Georg endgültig Abschied nehmen, und sie stellt fest, dass man alles was man gibt, noch im Leben zurückbekommt, und nach dem Tod bereits sündenfrei ist. Trakls Zeilen aus seinem Gedicht Blutschuld geben Anlass zu glauben, dass die Beziehung tatsächlich stattgefunden hat, und werden im Film des Öfteren wiederholt. Ein Stilmittel, das seine Wirkung im Zusammenspiel mit dem Film nicht verfehlt, wenn es immer wieder heißt:

„Es dräut die Nacht am Lager unsrer Küsse.
Es flüstert wo: Wer nimmt von euch die Schuld?
Noch bebend von verruchter Wollust Süße.
Wir beten: Verzeih uns, Maria, in deiner Huld.“

Fazit:
Man muss gewiss kein Trakl-Fan sein, um mit den Hauptfiguren mitleiden zu können. Der Film nimmt uns  in die tiefen Abgründe einer unnatürlichen Liebe mit, für die man zwar kein Verständnis hat, - die einem aber dennoch berührt. Ein Spiel aus Distanz und Nähe und dem ständigen Konflikt zwischen Liebe und Schuld, sorgt für ein emotionsbeladenes Filmerlebnis, jedoch ohne Happy End. Das Publikum wird letztendlich selbst entscheiden müssen, ob zwei - von Grund auf - gutherzige Menschen, durch ihre leidenschaftliche und unkontrollierbare Liebe, zu Sündern werden.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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