In guten Händen (2011)

OT: Hysteria - 100 Minuten - Komödie / Romanze
In guten Händen (2011)
Kinostart: 01.06.2012
DVD-Start: 18.05.2012 - Blu-ray-Start: 18.05.2012
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Filmkritik zu In guten Händen

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Wenn es in einem Film um Vibratoren und die Befriedigung der weiblichen Sexualität geht, kann sich selbstverständlich jeder vorstellen, um welches Genre es sich dabei handeln könnte. Aber Halt! In Tanya Wexlers historischer Romantikkomödie „In guten Händen“ geht es relativ jugendfrei und gar nicht versaut zu. Vielmehr wird hier auf historischen Tatsachen beruhend die Geschichte der Erfindung des elektrischen Vibrators für Frauen aufgerollt. Dass man die nicht ganz ohne Augenzwinkern behandeln kann und zuweilen auf Faktentreue verzichten muss, versteht sich natürlich von selbst. So ist „In guten Händen“ vor allem eine amüsante und kurzweilige Romanze, die nebenbei die englische Prüderie auf die Schaufel nimmt.

Im viktorianischen England ist der junge Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy) auf der Suche nach einem Job, während sein Freund Edmund St. John-Smythe (Rupert Everett) mit der gerade aufkommenden Elektrizität experimentiert. Bei Dr. Dalrymple (Jonathan Pryce) findet Mortimer schließlich eine Anstellung. Der braucht ohnehin dringend Unterstützung. Seit er eine offensichtlich revolutionäre Methode zur Behandlung der vermeintlichen Krankheit „weibliche Hysterie“ gefunden hat, stehen die Londoner Frauen bei ihm Schlange. In Wahrheit handelt es sich dabei um eine Massage an besonders intimen Stellen, doch Mortimer nimmt seine neue Arbeit ernst und macht sie mit so viel Eifer, dass Dr. Dalrymple ihm seine schöne Tochter Emily (Felicity Jones) als Ehefrau verspricht. Als Mortimer aufgrund von Krämpfen im Handgelenk fürchtet, seine Stelle zu verlieren, tut er sich mit seinem besten Freund zusammen und entwickelt den elektrischen Vibrator. Zugleich fühlt er sich immer mehr zu Emilys Schwester, der fortschrittlich eingestellten Charlotte (Maggie Gyllenhaal), hingezogen...

„Hysteria“ lautet der Originaltitel des Films. Auch wenn sich das womöglich eher nach einem Horrorfilm oder Psychothriller anhört, sagt dieser Titel schon deutlich mehr über den Inhalt des Films aus. Zwar dreht sich die Handlung tatsächlich um die Erfindung des Vibrators, aber ein noch gewichtigerer Teil wird historischen Unwahrheiten und Binsenweisheiten der Medizin zum weiblichen Körper und der Psyche gewidmet. Und das ist tatsächlich auf weiter Strecke ziemlich komisch. Das Ärzteduo nimmt seine medizinisch erprobte Methode nämlich mehr als Ernst, während es so scheint, als würden die Frauen am Behandlungstisch dem Publikum von heute vergnügt zuzwinkern, wenn die beiden Herrn mit vollem Einsatz an gewissen Stellen Hand anlegen. Zugleich wird aber auch in der Gestalt von Charlotte die aufkommende Frauenbewegung und der Kampf gegen die elendigen Zustände der Armen in viktorianischen London zum Thema gemacht. So bietet „In guten Händen“ nebenbei auch ein Sittenbild des Englands Ende des 19. Jahrhunderts.  Doch obwohl so gewichtige Themen wie medizinischer Irrglaube, technischer Fortschritt und Emanzipation abgearbeitet werden, darf man am Ende nicht überrascht sein, dass der Film nicht mehr als eine unterhaltsame Romantikkomödie ist.

Der britische Schauspieler Hugh Dancy legt die Rolle des Dr. Mortimer Granville eher zurückhaltend an, was dem Film keinen Abbruch tut, da er gegen Charmebolzen wie Maggie Gyllenhaal oder Rupert Everett so oder so blass aussehen würde. Everett hat einmal mehr einen herrlich selbstironischen Auftritt, in dem seine sexuelle Orientierung mit wenigen Szenen und Blicken angedeutet wird, und Gyllenhaal bietet eine überaus hinreißende Darstellung als draufgängerische Emanze, die ihrer Zeit voraus ist. Leider fällt die Liebesgeschichte dann doch eher bescheiden aus. Zwar wird diesem Handlungsstrang mehr als genügend Raum gegeben, jedoch fliegen zwischen Gyllenhaal und Dancy nie wirklich die Funken. So ist „In guten Händen“ immer dann am Besten, wenn der Zuseher von heute teilweise peinlich-berührt über die Erkenntnisse zur weiblichen Psyche aus dem 19. Jahrhundert schmunzeln kann.

Fazit:
Tanya Wexler bietet mit „In guten Hände“ eine entzückende und stellenweise irre komische Romantikkomödie. Natürlich hätte ein Film, der sich um die Erfindung des Vibrators dreht, eine Prise mehr Ironie und Witz und weniger Romanze vertragen, aber das Gesamtergebnis ist dennoch mehr als zufriedenstellend.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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