Rock of Ages (2012)

OT: Rock of Ages - 123 Minuten - Komödie / Drama / Musical / Romanze
Rock of Ages (2012)
Kinostart: 15.06.2012
DVD-Start: 19.10.2012 - Blu-ray-Start: 19.10.2012
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Filmkritik zu Rock of Ages

Von am
Musicals sind immer so eine Sache: Das Publikum dürfte recht deutlich in zwei Lager gespalten sein und man muss schon viel Pepp und Kreativität mitbringen um auch die Nichtfans zu überzeugen. Denn man muss schon ehrlich sein: Es hat durchaus etwas befremdliches wenn eine Gruppe Menschen im einen Moment noch genüsslich miteinander singt und tanzt und im nächsten Augenblick so tut als wäre nichts geschehen. Hinzu kommt, dass die Story in vielen Fällen zu kurz kommt und nur die einzelnen Nummern im Zentrum stehen, sodass eben ein völlig anderer Flow zustande kommt, als man es gewöhnlich im Erzählkino gewohnt ist. Das soll nicht heißen, dass der Performanceaspekt eines Musicals, der seinen Reiz aus der Auskostung des Moments gewinnt nicht ebenfalls seine Stärken haben kann, aber in vielen Fällen machen es sich die Filmemacher leider zu leicht, sodass eben nur die wirklichen Genrefans angesprochen werden - so auch in Rock of Ages.

Die 80er, Zeit des Rock: Sherrie Christian (Julianne Hough), ein Mächen vom Land, kommt nur mit ein paar Dollar und einem Koffer ausgestattet nach Los Angeles und will den Durchbruch als Sängerin schaffen. Nachdem sie bei ihrer Ankunft gleich überfallen wird, lernt sie Drew Boiley (Diego Boneta) kennen - er arbeitet im legendären Rockclub „Bourbon Room" gemeinsam mit dem durchgeknallten Lonny Barnett (Russell Brand). Da gerade eine Kellnerin gekündigt hat, fackelt Boss Dennis Dupree (Alec Baldwin) nicht lange und stellt Sherrie ein. Er kann auch jede Unterstützung brauchen, denn Rockstar Stacee Jaxx (Tom Cruise) hat angekündigt mit dem letzten Auftritt seiner Band Arsenal im “Bourbon Room” zu gastieren, was den Club finanziell retten könnte. Doch eben jener Auftritt rückt auch die Sittenwächter in Form von Patricia Whitman (Catherine Zeta-Jones) auf den Plan...

Von Sex, Drugs & Rock’n’Roll ist in Rock of Ages nur wenig zu sehen. Der Film nimmt sich bewusst zurück und setzt eher auf eine jugendfreie Darstellung, was auch dazu führt, dass man es in der Regel bei Andeutungen belässt und nicht allzu viel Haut zeigt. Dieser eher weiche Charakter des Films greift auch teilweise auf die Musik über, die aus dem versprochenen Rock schon einmal gerne einen eher sanfteren Kuschelrock macht. Überhaupt hat man nicht selten den Eindruck, dass man die Zügel, die den Filmemachern angelegt wurden förmlich sehen kann. Als Beispiel sei die durchaus sympathische, homosexuelle Romanze zwischen Alec Baldwin und Russell Brand genannt, die man zwar anschneidet, aber letzten Endes hat man scheinbar nicht den Mut irgendetwas daraus zu machen.

Dieses Problem besteht leider auch im Umgang mit Tom Cruise. In den letzten Jahren war Cruise ja immer am besten, wenn er sich vom Heldenimage lösen konnte und auch einmal selbstironisch mit der Erwartung der Fans spielen konnte (das Highlight dieser Experimente bildet sicherlich sein schräger Auftritt in Tropic Thunder). Auch in Rock of Ages soll Cruise nun bewusst ins Extrem gehen und unter anderem auch das eigene Strahlemannimage durch den Kakao ziehen, in dem er als exzessiver Rockstar, der sein ganzes Leben als große Show versteht, aber dabei sein eigenes, privates Ich zu vergessen scheint, natürlich völlig überzeichnet ist. Aber man spürt hier auch immer wieder das Kalkül und teilweise auch die Fußschellen, die ihm die Filmemacher verpasst haben dürften, was dazu führt, dass seine Rolle leider nicht immer die Ausstrahlung hat, die er haben sollte.

Überhaupt hat Rock of Ages ein kleines Problem mit der unfreiwilligen Komik. Zahlreiche Szenen bestehen aus einem explosiven Gemisch aus Gesang, Schmalz und etwas abseits vom richtigen Punkt inszenierten Kniffen, was dazu führt, dass viele Szenen leider ein etwas befremdliches Gefühl im Zuseher auslösen. Man kann es auch so ausdrücken: Von Anfang an kauft man Rock of Ages den Rockcharakter nicht ab, den der Film sich gerne umhängen würde. Gerade in Anbetracht der selbstbewussten Eigeninszenierung erscheint es seltsam, wenn der angeblich so raue und losgelöste Rocker in der Kabine in sanften Kuschelrock verfällt und als Spitze des Eisbergs natürlich am Ende auch noch zur Besinnung kommt, gezähmt wird und somit die heile Weltordnung wieder hergestellt ist - gerade jene Weltordnung, gegen die der Film doch eigentlich anzuecken scheint.

Diese inhaltliche Zwiespältigkeit könnte man aber noch verzeihen, wenn der Film wenigstens ansonsten vieles richtig machen würde: Aber eigentlich läuft alles nur auf eine banale “A Star is Born” Variation hinaus, gespickt mit schrägen Nebenfiguren und inszeniert als endlose Ansammlung von Musikstücken. Kohärente Erzählstruktur findet man keine, stattdessen ist Rock of Ages ein reines Flickwerk, das motivationlos Szenen aneinander reiht und auf das Beste hofft. Natürlich muss man hier auch relativieren: Rock of Ages macht innerhalb seiner Möglichkeiten durchaus Spaß, und manche Szenen funktionieren für sich genommen ganz ordentlich. Nur es fügen sich die einzelne Flecken eben nicht zu einem schönen Teppich zusammen, sondern bilden nur ein recht einfallsloses Sammelsurium. Kurz: Kann man sich als Musicalfan ansehen, muss man aber nicht.

Fazit:
Rock of Ages ist ein Musical, bei dem sich die Filmemacher scheinbar nicht entscheiden konnten, was sie eigentlich erreichen wollen. Auf der einen Seite schreibt sich der Film Sex, Drugs & Rock’n’Roll auf die Flagge, auf der anderen Seite bietet er all dies nur in einer weichgespülten Variante um auch ja keine mögliche Zielgruppe zu vertreiben. Hinzu kommt ein sehr zerstückelter Stil, der dazu führt, dass Rock of Ages nur aus Einzelmomente besteht, die sich nie zu einem größeren Ganzen zusammenfügen, sondern nur eine weitere Variante der klassischen “A Star is Born” Geschichte zu erzählen. Über die altbackene Musicalstilisitik, Menschen sich gegenseitig etwas vorsingen zu lassen, nur damit sie nachher tun als wäre nichts gewesen, kann man natürlich auch geteilter Meinung sein. Für Fans des Genres bietet der Film einen soliden Unterhaltungswert, aber man macht auch nichts falsch wenn man Rock of Ages einfach auslässt.

Wertung:
5/10 Punkte
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Ø Wertung: 5.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 5
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