Das Hochzeitsvideo (2012)

OT: Das Hochzeitsvideo - 86 Minuten - Komödie
Das Hochzeitsvideo (2012)
Kinostart: 11.05.2012
DVD-Start: 11.10.2012 - Blu-ray-Start: 11.10.2012
Will ich sehen
Liste
16461
Bewerten:

Filmkritik zu Das Hochzeitsvideo

Von am
Auf über 16 Millionen Klicks hat es ein YouTube-Video gebracht, das ein Paar bei einem Hochzeitstanz zeigt, der zuerst klassisch beginnt und dann in eine fetzige Choreographie übergeht. Es ist bei weitem nicht das einzige Video auf der Plattform, das Ausschnitte aus einer Hochzeit zeigt. Dabei kann die Flut an Hochzeitsvideos im Wesentlichen in zwei Kategorien unterteilt werden: entweder die Hochzeitsgäste werden mit einer netten Choreographie oder einem Sketch überrascht oder etwas läuft gehörig schief. Beides ist in Sönke Wortmanns im Homevideo-Stil gefilmter Komödie „Das Hochzeitsvideo“ der Fall und Anspielungen auf etwaige YouTube-Videos bleiben dabei auch nicht aus. Damit schwimmt  der Regisseur zwar sowohl stilistisch, als auch thematisch („Hangover“ und „Brautalarm“ lassen grüßen) mit dem Strom der Zeit, allerdings fehlt dem Film die Konsequenz und Leichtigkeit seiner Hollywood-Vorbilder und die Authentizität eines YouTube-Clips – und der gelegentlich weit unter die Gürtellinie gleitende Humor macht es nicht besser.

Sebastian (Marian Kindermann) und Pia (Lisa Bitter) kennen sich zwar erst ein paar Monate, sind aber so unsterblich ineinander verliebt, dass sie heiraten wollen. Die Hochzeitsvorbereitungen im alten Schloss laufen auf Hochtouren und werden von Sebastians Freund Daniel (Martin Aselmann) und Pias Halbschwester Despair (Luecie Heinze) auf Video dokumentiert. Doch ganz so einfach ist es nicht, die Hochzeitsgesellschaft zufrieden zu stellen, zumal Sebastians prüde Eltern (Christiane Lemm und Michael Abendroth) mit Pias durchgeknallter Patchwork-Familie so gar nichts anfangen können. Spätestens wenn genug Alkohol im Spiel ist, sind die Probleme vorprogrammiert. Dann taucht auch noch Pias Exfreund, Porno-Darsteller Carlos (Simon Eckert), auf, von dem Sebastian eigentlich gar nichts weiß.

Sönke Wortmanns Konzept, auf bekannte Schauspieler zu verzichten - mit Ausnahme eines gelungenen Gastauftritts von Popstar Sascha – geht durchaus auf, da die großteils unbekannten Darsteller tatsächlich wie jene Typen wirken, die man auf einer Hochzeit finden kann: der beste Freund, der alle unterhalten will, die genervten jüngeren Geschwister, die angetrunkene Freundin, der aus Höflichkeit eingeladene Chef...  Dieses Spiel mit Typen bringt wirklich viele witzige Moment und auch die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank souverän. Allerdings schießt Wortmann hier in Sachen Klischee gelegentlich übers Ziel hinaus oder überreizt einen eigentlich guten Gag mit nicht enden wollenden Wiederholungen. Um dem Publikum möglichst viele Lacher zu entlocken, greift der Film gelegentlich auch in die unterste Schublade, wo sich unter anderem ein Pornodarsteller mit Spitznamen „Keule“, eine splitternackte Stripperin und ein Zoophiler finden.

Stilistisch ist „Das Hochzeitsvideo“ leider nicht ganz das, was es verspricht. Anstatt konsequent auf den Amateurfilmstil zu setzen, wurden einige Dialoge im Schuss-Gegenschuss-Verfahren gefilmt und die Bilder sind oft einfach zu lupenrein. Um es weniger technokratisch auszudrücken: immer wieder gibt es Szenen, die weder von Daniels noch von Despairs Handkamera stammen und diese Inkonsequenz trübt die authentische Atmosphäre des Films. Das ist insofern schade, als das Spiel mit der Handkamera (und vor allem den Filmern dahinter) für recht amüsante Momente sorgt – etwa wenn Sebastians verklemmte Eltern ein Interview geben und sich darüber auslassen, dass ihre zukünftige Schwiegertochter nicht den Familiennamen des Bräutigams annehmen will, aber der Kameramann sich einen Spaß erlaubt und mal lieber auf die biedere Tapete im Hintergrund zoomt.

Dass „Das Hochzeitsvideo“ eine deutsche Filmproduktion mehr ist, die sich ihre Idee Übersee abgeschaut hat, wird übrigens sogar angemerkt, wenn die Braut am Morgen nach dem Junggesellenabschied die Wohnung betritt und ein „Hier sieht’s ja aus wie in ‚Hangover’“ von sich gibt. Diese augenzwinkernde Anspielung kann man dem Film auf jeden Fall zugute halten.

Fazit:
In „Das Hochzeitsvideo“ bringt Sönke Wortmann seine Figuren in eine peinliche Situation nach der nächsten, die oft ziemlich witzig, manchmal richtig komisch, aber viel zu oft zu konstruiert und nicht zuletzt einige Male ein derber Fehlgriff sind. Damit wird der Film seinen amerikanischen Vorbildern wie „Hangover“ und „Brautalarm“ nicht wirklich gerecht, denen es gelingt, leichtfüßig auf einem Drahtseil zwischen Genialität und Geschmacklosigkeit umher zu tänzeln.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
50%
4 /10
0%
3 /10
50%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Project X (2012)
Ted (2012)
Magic Mike (2012)
7 Psychos (2012)
Movie 43 (2013)
Ein Jahr vogelfrei! (2011)
Bad Sitter (2011)
Wie ausgewechselt (2011)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!