Black Snake Moan

OT: -  115 Minuten -  Drama
Black Snake Moan
Kinostart: 18.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Black Snake Moan

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Regisseur Craig Brewer konnte sich bereits mit seinem Erstling Hustle & Flow einen Namen machen, mit dem er unter anderem seinem Hauptdarsteller Terence Howard eine Oscarnominierung bescherte. Nun kommt mit Black Snake Moan sein zweiter Langspielfilm in die Kinos und erneut begibt er sich tief in den amerikanischen Süden, wo er viel Gespür für die Menschen beweist. Auch sind es wie in Hustle & Flow die Darsteller, die in Erinnerung bleiben. Samuel L. Jackson und Christina Ricci überzeugen mit einer gandenlosen Performance, was besonders während der zahlreichen Musiknummern für Gänsehautstimmung sorgt.

Die nymphomanische Rae (Christina Ricci) ist mit Sicherheit keine einfache Persönlichkeit. Bereits als Teenager war sie die Highschoolschlampe und sie scheint es einfach nicht fertig zu bringen, ihre Triebe unter Kontrolle zu bringen. Zunächst scheint sich ihre Lage zu bessern, als sie mit ihrem Freund Ronnie (Justin Timberlake) zusammenlebt, doch als dieser zum Militär geht und die Stadt verlässt, ist Rae am Boden. Sie kann ihre Lust nicht unter Kontrolle bringen und verbringt ihre Nächte damit, nach langen Alkohol- und Drogenexzessen, mit gut gebauten schwarzen Liebhabern ihre sexuelle Befriedigung zu suchen.

Nach einer dieser Nächte landete sie im Auto eines nicht so zurückhaltendem Mann, der sie verprügelt und schließlich schwer ramponiert am Straßenrand liegen lässt. Dort wird sie auch am nächsten Morgen vom alten, verbitterten Bluessänger Lazarus (Samuel L. Jackon) aufgelesen, der sie zu sich nach Hause bringt und dort gesund pflegt. Aber als dieser von den sexuellen Problemen seiner Patientin erfährt, beschließt er, sie auf eine Art und Weise zu heilen, die weit über ihre körperlichen Wunden hinausgeht. Er kettet sie fest und will sie erst gehen lassen, wenn sie von ihrer Nymphomanie befreit ist...

Erst einmal sei erwähnt, dass das Marketing hinter Black Snake Moan sehr irreführend ist. Während die Plakate, die eine angekettete Christina Ricci, die vom dominanten, bösen Schwarzen festgehalten wird, eher einen Sexploitation-Reißer der Grindhouse-Schiene versprechen, entpuppt sich der fertige Film schließlich als überraschend unkonventionelles und vor allem einfühlsames Drama. Getragen wird dieses, neben den groß aufspielenden Darstellern, vor allem durch unglaublich stilsicher eingesetzte Bluesmusik, die einen Großteil zur erzeugten Südstaaten-Atmosphäre beiträgt.

Trotz aller Unterschiede erinnert Black Snake Moan zu Beginn allerdings wirklich etwas an ein schäbiges Schundfilmchen. Die Einleitung zeigt Christina Ricci in Bestform, die gerade zum letzten Mal für lange Zeit mit ihrem Freund Ronnie sexuell tätig wird. Danach läuft sie ihm halbnackt hinterher, um sich schließlich zuckend am Rasen zu winden. Bereits hier macht Regisseur Craig Brewer klar, dass Black Snake Moan kein 08/15 Film wird. Danach zeigt man eine begierig nach Lust suchende Ricci, die sich quasi durch die Reihen vögelt.

Erst nachdem sie von Lazarus aufgelesen wurde, beginnt sich der Film zu verändern, wenngleich Christina Ricci ihr lasziv sexuelles Spiel nie eindämmt. Hier entwickelt sich ein starkes Drama, das sich angenehm vom Durchschnitt abhebt. Brewer beweist viel Gespür für die Menschen des Südens und inszeniert zwar etwas überzogene Figuren, die aber nie aufgesetzt wirken, oder sich gar über die, in vielen Filmen lediglich als dummen Hinterwäldler gezeigten, Südstaatler lustig machen. Dabei ist es eine denkbar ungewöhnliche Situation, wie man einen einfühlsamen Samuel L. Jackson zeigt, der seine Patientin als Gefangene an einer sehr stark dimensionierten Kette hält.

Richtig funktionieren kann der Film nur, weil die beiden Hauptfiguren, die an sich realtiv schlicht gezeichnet sind, von ihren Schauspielern mit unglaublicher Präsenz verköpert werden, was den Figuren schließlich auch die nötige Tiefe verleiht. Dabei ist es beinahe egal, dass die Nebenfiguren nicht wirklich interessant sind, und bis auf den von Justin Timberlake verkörperten Ronnie auch keine in Erinnerung bleibt. Black Snake Moan konzentriert sich, wie in einem Kammerspiel, auf das psychologische Duell zwischen Lazarus und Rae.

Samuel L. Jackson, der ja schon in vielen Filmen bewiesen hat, dass er in der Lage ist, den überlebensgroßen, coolen Typen zu spielen, hält sich in Black Snake Moan etwas zurück und bietet damit den gelungenen Kontrast zu Christina Riccis powergeladener Performance. Jackson spielt den gealterten Blues-Sänger mit viel Würde, und vor allem sehr ehrfurchtgebietend. Als Attraktion bleibt allerdings Christina Ricci in Erinnerung, die ihre Dämonen punktgenau für die Leinwand visualisieren kann. Sie hat sehr viel Mut bewiesen, als sie diese sehr freizügige Rolle ausgewählt hat, und muss den ganzen Film über sehr spärlich bekleidet durch das Bild irren, immer auf der Suche nach dem nächsten Mann.

Auch bei der Inszenierung geht Black Snake Moan einen nicht gerade typischen Weg. Craig Brewer erzeugt eine sehr fiebrige und heruntergekommene Atmosphäre und macht dabei auch nicht vor seinem Schnitt halt. Mit vielen Jump Cuts erzeugt er einen etwas untypischen Rythmus, und schafft es öfter die Erwartungen des Zusehers zu enttäuschen, wenngleich sich das endgültige Ende des Films dann als relativ schwach erweist, und man auch nicht leugnen kann, dass Black Snake Moan eine Spur zu lang ist. Auch eine gewisse Affinität zur Bluesmusik sollte man mitbringen, da man sonst keinen Zugang zu den die Musik zelebrierenden Momenten des Films finden wird.

Fazit:
Black Snake Moan ist ein sehr interessanter Film der etwas anderen Art. Man sollte sich allerdings nicht von der Marketingkampagne, die einen schäbigen Sexploitation-Reißer verspricht, in die Irre führen lassen, denn obwohl Black Snake Moan gewisse Paralellen zu diesem Genre hat, ist es doch ein feinfühliges Drama. Besonders erwähnenswert sind mit Sicherheit die beiden großartigen Hauptdarsteller des Films, und vor allem sein starker Blues-Soundtrack. Lediglich das schwache Ende und einige Längen im letzten Drittel dämpfen diesen ansonsten sehr starken Film etwas.

Wertung:
7/10 Punkte

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