Gefahr und Begierde

OT: -  157 Minuten -  Spionage / Romantik
Gefahr und Begierde
Kinostart: 01.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.10.2011
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Filmkritik zu Gefahr und Begierde

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Ang Lee ist mit Sicherheit einer der vielschichtigsten Regisseure der Welt. Er schafft es immer wieder zu überraschen, und so umfasst sein Œuvre neben Filmen wie Der Eissturm, Sinn und Sinnlichkeit, Tiger and Dragon oder Brokeback Mountain auch einen Film wie Hulk, der scheinbar gar nicht zu ihm passt. Ang Lee ist einer der ganz großen Filmemacher unserer Zeit, und mit seinem neusten Streich Gefahr und Begierde, nach einer Kurzgeschichte von Eileen Chang, taucht er tief in das Shanghai der 40er Jahre ab und serviert einen gelungenen Mix aus Spionagefilm, Romanze, Drama und Erotikthriller. Der Lohn für sein zutiefst persönliches Werk war der Goldene Löwe bei den Filmfestspielen in Venedig, den er zuletzt erst für sein Meisterwerk Brokeback Mountain im Jahr 2005 bekam.

Shanghai, 1941: Große Teile Chinas befindet sich unter japanischer Okkupation. Eine Gruppe junger Studenten will sich nicht mehr länger zurückhalten und so entwickeln sie einen Plan, der den einflussreichen Regierungsbeamten Yi (Tony Leung), der sich mit den Feinden Chinas arrangiert, das Leben kosten soll. Über seine Ehefrau (Joan Chen) schafft es die junge Wang Jiazhi (Tang Wei) in das Haus von Yi und freundet sich mit ihm und seiner Frau an. In langwieriger Kleinstarbeit schafft sie es nach und nach, den akribisch vorsichtigen Yi für sich zu gewinnen. Die beiden beginnen eine brutale und leidenschaftliche Affäre, doch Yi ahnt nicht, dass die Falle über ihm bereits langsam einrastet...

Gefahr und Begierde ist sicher nicht der Film, der vom großen Hollywoodregisseur Ang Lee kommt. Es wirkt so, als würde er sich zurück auf seine chinesischen Wurzeln besinnen und mit seinem Film einen zutiefst persönlichen Wunsch befriedigen. Das große Publikum wird er wohl mit diesem Film nicht erreichen, denn Gefahr und Begierde wendet sich zur Gänze an den etwas anspruchsvolleren Zuschauerkreis, und durch sein langsames Pacing, das den Film auf stolze 157 Minuten anschwellen lässt, erreicht er zwar, dass seine Geschichte eine fast schon epische Breite bekommt, aber er wird wohl das Massenpublikum vollends verschrecken.

Ang Lee kennt in seinem Werk keine Hektik. Viele warfen schon seinem meisterhaften Brokeback Mountain Langeweile vor, und auch Gefahr und Begierde baut sich in einem ähnlich langsamen Tempo auf. Der Film beginnt mit der Szene, die schließlich das Ende der Spionageoperation einläuten soll, und dreht nach 15 Minuten Einführung die Zeit zurück, um die Vorgeschichte des Spektakels zu zeigen. Dann baut Ang Lee in akribischer Kleinarbeit sein Schachbrett auf und führt die Figuren zum drohenden Unheil. Zunächst zeigt er wie die Studenten planen den hochrangigen Regierungsbeamten zu töten und in Honkong alles dafür einrichten, ihren Anschlag durchzuziehen.

Sie rotten ihr letztes Geld zusammen, um die Fassade rund um Wang Jiazhi aufrecht zu halten, die sich als reiche Frau ausgeben muss, um das Vertrauen von Yi und seiner Frau zu gewinnen. Die Operation wird von Lee weder künstlich beschönigt, noch in ihrem Ablauf beschleunigt. Der Zuseher sieht lange dabei zu, wie sich die Schachfiguren verschieben, und genau als Yi endlich in Greifweite für die Attentäter kommt, unterbricht Ang Lee das Vorhaben und lässt Yi von Hongkong nach Shanghai ziehen. Für die Studenten ist die Situation damit erledigt und Yi scheint für immer außerhalb ihrer Reichweite zu sein.

Jahre später in Shanghai ist Yi noch mächtiger geworden und wird auch noch besser beschützt. Dennoch schafft es Wang Jiazhi wieder, in sein unmittelbares Umfeld zu kommen und wird diesesmal sogar seine Geliebte. Nun manifestiert Ang Lee seine Geschichte in der harten, unerbittlichen Liebe der beiden Hauptfiguren. Der zuvor noch ehrenhaft wirkende Yi wird in brutalen Sexszenen entmystifiziert und offenbart seinen wahren Charakter. Wang Jiazhi wird dabei vom brutalen Yi förmlich überrollt, und die beiden schlingen sich ineinander und scheinen tief in den Geist des Partners einzudringen. Dabei zeigt Ang Lee in seinen sehr expliziten Sexszenen viel von seinem Talent. In fast schon pornographischen Bildern bringt er das Innere seiner Figuren nach außen. Für den Zuseher ist der Vulkanausbruch, den Yi bei der ersten Sexszene hervorruft, mit Sicherheit eine große Überraschung.

Die beiden Hauptdarsteller werden dabei aufs Äußerste beansprucht. Tony Leung spielt den zurückhaltenden Yi, der zu Beginn vor allem als interessante Schattenfigur auftritt, die undurchschaubar und ehrenhaft ist. Man weiß nur, dass er ein hochrangiger Regierungsbeamter ist, der von den Studenten als Verräter bezeichnet wird, aber nach und nach zeigt sich sein wahre Gesicht. In seiner brutalen Liebe zu Wang Jiazhi zeigt sich zum ersten Mal, was wirklich in ihm steckt. Unter der Oberfläche brodelt es, und langsam offenbart sich auch, dass er nicht der ehrenhafte Beamte ist, sondern dass er die Widerstandskämpfer foltert und zu allem bereit ist, um eine Revolution zu ersticken.

Als starke Neuentdeckung darf sich sicher die erstmals in einem Film auftretende Tang Wei bezeichnen. Ihre opportunistische Figur tritt unschuldig der Studentengruppe bei, aber nach und nach muss sie ihre Werte opfern, um sich dem größeren Ganzen unterzuordnen. So muss sie schließlich in einer tragisch-komischen Szene ihre Jungfräulichkeit einem Studenten opfern, sodass sie glaubhaft die Geliebte von Yi spielen kann. Sie ist es schließlich, die Yis Panzer durchbricht und ihn in die Falle lockt, doch sie scheint immer mehr Zweifel zu bekommen und vielleicht wirklich eine eigene Art von Liebe zu ihrem Feind aufzubauen.

Gefahr und Begierde ist sicherlich ein großer und starker Film, in dem es Ang Lee erneut schafft für Magie im Kino zu sorgen. Er bleibt seinem Stil treu und erzählt eine politisch dimensionierte Geschichte, indem er in die Seelen zweier Liebender blickt. Dabei erzeugt er fast schon poetisch unterkühlte Bilder, die einen künstlerisch sehr hochwertigen Eindruck hinterlassen. Dass ein großer Regisseur wie Ang Lee sein Handwerk perfekt beherrscht, ist dabei schon beinahe selbstverständlich. Die ganz große Klasse seines Brokeback Mountain erreicht er dabei zwar nicht, und es haben sich auch einige Längen in den Film geschlichen, aber ein starkes cineastisches Werk ist dennoch herausgekommen.

Fazit:
In Gefahr und Begierde taucht Ang Lee tief in das Shanghai des zweiten Weltkriegs und in unterkühlten, aber dennoch starken Bildern erzählt er seine Geschichte aus Verrat, Liebe, Gewalt und Leidenschaft. Er bleibt erneut seinem Stil treu und dringt durch die Blickwinkel seiner beiden Hauptfiguren auf eine politische Ebene vor. Dabei nimmt er sich allerdings sehr viel Zeit, um seine Figuren in Stellung zu bringen, und wird somit auch vollends am Mainstreampublikum vorbeirauschen. Die emotionale Wucht seines Brokeback Mountain erreicht er damit allerdings nicht. Nichtsdestotrotz ist Gefahr und Begierde ein starker und vor allem eindrucksvoller Film, der in Erinnerung bleibt. Besonders die heftigen, aber atemberaubend eingefangenen expliziten Sexszenen heften sich durch ihre Wucht in den Gedanken des Zusehers fest.

Wertung:
8/10 Punkte

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