Das Meer in mir

OT: -  125 Minuten -  Drama
Das Meer in mir
Kinostart: 10.03.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 25.11.2011
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Filmkritik zu Das Meer in mir

Von am

 

„Es gibt nur eins das schlimmer ist als einen Sohn zu haben der stirbt. Einen Sohn zu haben der sterben will."

Ramón Sampedros Vater

 

Das Meer in mir erzählt die beeindruckende Geschichte von Ramón Sampedro. Ramón ist 50 Jahre alt, er liebt das Meer, doch seit nun mehr 28 Jahren ist er Querschnittsgelähmt und an sein Bett gefesselt. Ramón ist liebenswert, charmant, beliebt, intelligent und eine Inspiration für alle die um ihn sind. Doch, seit seinem Sprung in das zu seichte Gewässer hat Ramón nur einen Wunsch: Sterben. Nur leider würde er dazu die Hilfe eines anderen Menschen benötigen, und so führt er einen verzweifelten Kampf gegen die Justiz Spaniens um sein Sterbehilfegesuch akzeptiert zu bekommen. Diese jedoch stellt sich stur und verweigert Ramón die Hilfe.....

 

Die wahre Geschichte von Ramón Sampedro ist ein höchst brisantes Thema, das in den falschen Händen wohl zu einigen handgreiflichen Skandalen geführt hätte. Das Meer in mir steht nämlich ganz und gar auf der Seite von Ramón. Wäre man diese Thematik falsch angegangen, so hätten sich viele Querschnittsgelähmte vor den Kopf gestoßen gefühlt ,denn es wäre gänzlich falsch zu behaupten dass ein solches Leben nichts lebenswertes hätte. Doch in gewisser Weise tut Das Meer in mir genau das, nur wird dieser Konflikt auf eine sehr feinfühlige Art in Angriff genommen. Es wird nie behauptet dass das Leben als Querschnittsgelähmter keinen Sinn machen würde, Ramón behauptet lediglich dass es für ihn ein Qual ist. Er hat das Recht auf seine Meinung, und wenn wir ehrlich sind haben wir keine Ahnung von solch einen Leben. Wer sollte besser von Ramóns Qualen wissen als er selbst? Ein Mensch der einen Selbstmordversuch überlebt, wird keine rechtliche Konsequenzen über sich ergehen lassen müssen, aber sobald jemand die Hilfe eines anderen benötigt, ist das in unserer Gesellschaft sofort ein Tabu Thema. Dies hat jedoch keinen rechtlichen Hintergedanken, sondern basiert ausschließlich auf der alteingesessenen, bornierte Religiösen Haltung der Menschen. 

 

Dieses gewagte Projekt wurde Gott sein dank von einem der fähigsten Jungregisseure der Welt übernommen. Kein geringerer als der 32 jährige Chilene Alejandro Amenábar übernahm das Projekt. Alejandro ist ein Visionär, sowohl als Autor als auch als Regisseur. Er zeichnet sich für grandiose Werke wie The Others, oder Open your eyes verantwortlich. Open your eyes ist die Vorlage zu Cameron Crowes Vanilla Sky. Alejandro Amenábar zeigt mit Das Meer in mir erneut dass er ein Genie ist. Seine feinfühlige Herangehensweise an den kontroversen Stoff brachte ihm großes Kritikerlob ein und er hinterlässt uns mit seinem bisherigen Meisterwerk einen Film der sowohl Herz, als auch Verstand gleichermaßen anspricht. Es entfachte jedoch eine erbitterte Diskussion als Alejandro Amenábar bekannt gab wer die Hauptrolle in seinem neuen Film spielen sollte. Er überlies dem 30 jährigen Javier Bardem, der für seine Rolle in Before Night Falls für den Oscar als Bester Hauptdarsteller vorgeschlagen wurde, die Darstellung des über 50 jährigen Ramón Sampedro. Doch als Das Meer in mir schließlich in die Kinos kam verstummten die Kritiker schnell. Nicht nur dass Javier Bardem unter seinem ausgezeichnetem Make-up kaum wiederzuerkennen war, er vollführte eine Schauspielerische Meisterleistung die sich zu den Besten aller Zeiten zählen kann. Er spielt den bettlägigen Ramón mit außergewöhnlichem Feuer und Charme. Viele Schauspieler würden an der nicht vorhandenen Körpersprache verzweifeln, doch Javier Bardems überwältigende Mimik sagt mehr über das Innenleben Ramóns aus als es viele Darsteller mit ganzem Körpereinsatz geschafft hätten. Bei seiner Aufgabe dem behinderten Ramón Leben einzuhauchen wird Javier Bardem von den zwei talentierten Darstellerinnen Belén Rueda und Lola Dueñas gekonnt unterstützt. Die beiden Frauen an Ramóns Seite sind unterschiedlicher wie sie kaum sein könnten: Lola Dueñas spielt Rosa, die sich in Ramón verliebt, und ihn mit allen möglichen Mitteln von seinem Selbstmord abhalten will, und Belén Rueda gibt Julia, die sich ebenfalls in Ramón verliebt, ihn aber bei seinem vorhaben unterstützen will. 

 

Das Meer in mir ist die traurige Geschichte eines besonderen Mannes, dessen Wünsche von der gesamten Welt ignoriert wurden. Sowohl die grandiose Geschichte, als auch der tiefere Hintergrund und die brilliante Inszenierung wissen auf ganzer Linie zu überzeugen. Ramón weigert sich einen Rollstuhl zu akzeptieren, da er sonst nur das sehen kann, das ihm auf ewig verwehrt bleiben wird. Aber sobald er seine Augen schließt, begibt er sich wieder zurück an den für ihn schönsten Ort der Welt. Er steht auf, schiebt sein Bett zur Seite und fliegt hinaus, über Hügel und Täler Richtung Meer. Die wundervolle Gestaltung dieser Flugszene ist ein technischer Augenschmaus, und dir Kamerafahrt, die ohne einen Schnitt von Ramóns Zimmer bis zum Meer erfolgt zählt zu den Besten der Filmgeschichte. 

 

Fazit:

Trotz der gut ausgearbeiteten Dialoge, der tollen Schauspielerischen Darbietung und der bewegenden Geschichte ist Das Meer in mir vor allem eins: Ein Film der sehr zum nachdenken anregt. Wie kann man Ramóns Wunsch zu sterben nur 28 Jahre lang ignorieren? Er sieht in seinem Leben keine Würde, keinen Inhalt und hat vor allem keine Freude mehr. Dennoch wird er 28 Jahre lang gezwungen gegen seinen Willen zu leben. Das Leben sollte ein Geschenk, und kein Zwang sein. 

 

Ins Meer hinein, ins Meer,
in seine schwerelose Tiefe, 
wo die Träume sich erfüllen, 
und Zwei in einem Willen sich vereinen, 
um zu stillen eine große Sehnsucht. 

Ein Kuss entflammt das Leben
mit einem Blitz und einem Donner, 
und sich verwandelnd
ist mein Körper nicht mehr Körper, 
als Dräng ich vor zum Mittelpunkt
des Universums. 

Die kindlichste Umarmung
und der reinste aller Küsse, 
bis wir beide nicht mehr sind
als nur noch eine große Sehnsucht. 

Dein Blick und mein Blick
wortlos hin und her geworfen, 
wie ein Echo wiederholend: tiefer, tiefer, 
bis weit jenseits allen Seins, 
aus Fleisch und Blut und Knochen. 

Doch immer wach ich auf
und immer wär ich lieber tot, 
um endlos mich mit meinem Mund
in deinem Haaren zu verfangen.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 9.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 7
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