Headshots (2011)

OT: Headshots - 92 Minuten -
Headshots (2011)
Kinostart: 04.05.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Headshots

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Mit Headshots versucht Regisseur Lawrence Tooley an der schillernden Oberfläche einer jungen kreativen Gesellschaftsschicht zu kratzen, um dem funkelnden Image von Karriere und kurzweiligen zwischenmenschlichen Beziehungen die Schattenseiten abzugewinnen. Doch der gleichen Oberflächlichkeit, die der Regisseur an einem gehypten Lebensstil zu identifizieren glaubt, fällt auch sein Film zum Opfer.

Marianne (Loretta Pflaum) ist am Zenit ihres Lebens angelangt. Sie verkehrt als Fotografin in der aufregenden Modewelt Berlins und führt abwechslungsreiche Beziehungen mit verschiedenen Liebhabern. Als eines Tages eines ihrer Models bei einem Shooting zusammenbricht und kurz darauf verstirbt, erlebt Marianne eine harte Zesur in ihrem Leben. Nach und nach wird sie auf die oberflächliche Struktur ihres gesamten Lebensinhalts aufmerksam und driftet immer mehr in eine persönliche Krise. Niemand reagiert auch nur annähernd auf die fundamentalen Veränderungen in Mariannes Leben und als sie schlussendlich erfährt, dass sie schwanger ist, verschwimmen für sie endgültig die Grenzen zwischen Realität und inneren Gedankenkonstrukten.

Im Zentrum des Films steht die Figur der Marianne. Die nach individueller Geltung strebende Protagonistin versucht durch philosophische Erleuchtungen gegen den in ihrem Leben dominierenden Wertekodex anzukämpfen und klammert sich dabei an die Anerkennung ihres abwesenden Vaters und an die körperliche Nähe zu einem verheirateten Bekannten. Mit einer bewussten Übertreibung lässt sich von einer modernen hysterischen Persönlichkeit sprechen, die der Film wie ein Gespenst verborgen mit sich trägt. So driftet Marianne immer mehr in ihre eigene isolierte Welt ab und repräsentiert keine starke individuelle Persönlichkeit, sondern eine unreflektierte, orientierungslose Frau, deren persönlicher Verfall – wie soll es anders sein – in einer Schwangerschaft gipfelt, deren Resultat absehbar ist. Dieses sehr flach und simpel gezeichnete Charakterbild lässt den Film träge, an vielen Stellen penetrant übertrieben, erscheinen, was allerdings durch gewisse inszenatorische Eingriffe wieder aufgelockert wird. Es kommt zu Überschneidungen der episodenhaften Erzählzeit, zu ästhetischen Einschnitten, die den Film aufbrechen und zu teils aggressiv eingesetzter Musik, die das Publikum wach rüttelt.

An manchen Stellen ist Headshots ein lauter Film, ein experimenteller Film, ein ernüchternder Film. Selten wird die junge kreative Szene Berlins in einem so dystopischen Licht präsentiert. Dabei lässt es sich der Regisseur nicht nehmen sich selbst an der Trickkiste künstlerisch angehauchter Filmexperimente zu bedienen. Immer wieder wird altes Archivwerbematerial ausgegraben, in der Manier einer phänomenologischen Filmstudie aufgearbeitet und in Zeitlupe vor- und zurückgespielt, in seine Einzelbilder zerlegt und akustisch verzerrt. Ungewöhnlich für einen Spielfilm, doch ein interessanter, wenn auch etwas orientierungsloser, Versuch die verschieden Seelenzustände Mariannes visuell umzusetzen.

Alles in allem reiht sich Headshots in eine lange Reihe deutschsprachiger Produktionen ein, die ein großes Potential in sich bergen und sich nicht davor scheuen die ästhetischen Möglichkeiten des Mediums auszuloten. Den Geschmack einer breiten Publikumsschicht kann Headshots nicht treffen. Die teils einfallsreichen Inszenierungsstrategien können nicht über das schwache Drehbuch hinweg täuschen und da der Film sich weder auf eine ästhetische noch auf eine inhaltliche Seite konzentriert, bleibt er in der Schwebe, ist weder Apfel noch Orange, und verliert dadurch seine Anziehungskraft. Nichts desto trotz ist Headshots ein ehrlicher Versuch das Spiel mit dem Medium voran zu treiben und verlangt nach Aufmerksamkeit nicht zuletzt um eine vielfältige Filmlandschaft zu fördern.

Fazit:
Lawrence Tooley liefert mit seinem Spielfilmdebüt Headshots ein eindringliches Portrait einer gebeutelten Mittdreißigerin, die sinnbildlich für eine ganze Gesellschaftsschicht junger kreativer Menschen steht. Von der schillernden Anziehungskraft der Kunst- und Modewelt ist nicht mehr viel übrig geblieben und die anekdotenhaften Szenen zeichnen ein ernüchterndes Bild eines zerstörerischen Lebensstils. Denn nicht alles ist Gold was glänzt. Kratzt man die schnörkellose Oberfläche an, kommt die emotionale Distanz, die Zerbrechlichkeit einer ungefestigten Liebe, die individuelle Isolation, das Abtriften von der Wirklichkeit und das Verdrängen unmittelbarer Probleme zum Vorschein. Die entstandenen Kratzer beginnen jedoch dort zu rosten, wo Tooleys Argumentation in die Charakterentwicklung mündet, da es seine Protagonistin nicht schafft ihrerseits unter die Oberfläche zu tauchen.

Wertung:
6/10 Punkte
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