Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene (2007)

OT: Breach - 110 Minuten - Thriller / Drama
Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene (2007)
Kinostart: 30.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene

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Nachdem es, vor allem dank der James Bond-Franchise, in der Filmindustrie zum Standard wurde, Agententhriller fernab von jeder Realität anzusiedeln und das Publikum auch gar nichts anderes wollte, ist es schön, mitanzusehen, wie sich dieser Trend nun ins Gegenteil wendet. Während James Bond auf die Jagd nach immer überzogeneren Superschurken ging, und dabei alle möglichen technischen Spielereien wie zum Beispiel sein unsichtbares Auto zur Verfügung hatte, kam ein bodenständiger Kerl namens Jason Bourne an und zeigte, dass es auch mit etwas bodenständigerer Inszenierung geht.

Die Bourne-Franchise erreichte erst in diesem Jahr ihren Höhepunkt mit dem furiosen Bourne Ultimatum, das neue Maßstäbe in punkto Tempo und Spannung setzte, und selbst der berühmte britische Geheimagent korrigierte mit Casino Royale den Kurs und schwenkte in Richtung der eher realistischen Inszenierung der Bourne-Franchise ein. Enttarnt geht nun noch einen Schritt weiter und zeigt das Leben von Agenten, wie man sich durchaus vorstellen kann dass es wirklich abläuft. Dabei wurde der Film von Regisseur Billy Ray vollkommen bodenständig und schnörkellos inszeniert. Der Fokus liegt immer auf den Charakteren, und diese erreichen durch ihr komplexes Psychoduell eine unglaubliche Kraft.

Eric O´Neill (Ryan Phillippe) ist beim FBI und will unbedingt Agent werden. Durch seinen neuen Auftrag soll er dieses Ziel erreichen, doch zunächst zeigt sich Eric wenig begeistert von der Aufgabe, die man ihm zugeteilt hat. Anstatt sich um die außenpolitischen Feinde der USA zu kümmern, wird er Robert Hanssen (Chris Cooper), einem bekannten IT- und Sowjetexperten, zugeteilt. Dieser soll laut Erics Vorgesetzter Kate Burroughs (Laura Linney) im Internet schmutzige Sexspielchen abziehen, was den Ruf des FBI schädigen könnte. Doch trotz aller Mühen kann Eric nichts entdecken, was in irgendeiner Weise auf dieses Laster hindeutet.

Viel mehr erlebt er eine vollkommene Überraschung, als er Robert näher kennenlernt: Er ist ein tiefreligöser Mensch, der mit seiner Frau ein glückliches Leben führt. Ein vielleicht religiös etwas übereifriger Kerl, der sich darauf freut, wenn seine Enkel am Sonntag zu Besuch kommen. Da auch die Durchsuchung von Roberts Computer nichts ergibt, stellt Eric Kate zur Rede. Mit dem Rücken zur Wand weiht diese Eric in die wahren Fakten ein: Robert soll in Wirklichkeit mit den Russen zusammenarbeiten und hat bis jetzt noch jeden bezwungen, der versucht hat, ihn zu überführen...

Enttarnt beruht auf der wahren Geschichte des FBI Agenten Robert Hanssen. Dieser arbeitete über 15 Jahre lang als Doppelagent für die Russen und übermittelte wichtige Fakten, die den USA schweren Schaden zufügten. So schickte er Listen mit den Namen aller in Russland tätigen Doppelagenten, und sandte auch Karten, auf denen die Schutzanlagen der Regierung eingezeichnet sind, die hochrangige Regierungmitglieder im Fall eines Atomkriegs schützen sollten. Am 18. Februar 2001 wurde er verhaftet und sitzt nun 23 Stunden am Tag in Einzelhaft.

Enttarnt widmet sich dieser Spionageaffäre mit viel Liebe zur echten Geschichte und verzichtet so auch auf großangelegte Verfolgungsjagden und sonstigen Spielereien, wie sie im Agentenfilm ansonsten an der Tagesordnung stehen. Auch auf Nahkämpfe oder Feuergefechte wurde zur Gänze verzichtet. Enttarnt verlässt sich zur Gänze auf seine detailliert gezeichneten Charaktere und bezieht seine Spannung ausschließlich aus dem psychologischen Duell zwischen Eric und Robert. Dabei setzt man auch viel auf Situationen, die unter Zeitdruck geschehen müssen und so Suspense erzeugen.

Dabei hat man sich fast wörtlich an der Hitchcock´schen Auffassung des Wortes "Suspense" orientiert. Zum Beispiel inszeniert das FBI einen Fototermin für Robert, sodass Eric ungestört dessen Büro durchsuchen kann. Nun wird in genau getimeter Parallelmontage gezeigt, wie sich Eric die Daten von Roberts Palm sichern möchte und gleichzeitig Robert immer näher zu seinem Büro kommt. Der Zuseher wird durch dieses geschickte Hin- und Herwechseln der Perspektiven sehr gut ins Geschehen eingebaut und Enttarnt baut so ein gut gelungenes Spannungsfeld auf. Solche Szenen gibt es noch viele mehr im Film, und sie werden auch immer durch kleinere Einfälle aufgewertet, aber an dieser Stelle will ich nicht zuviel verraten, da sonst die Spannung nicht ihre Wirkung entfalten kann.

Der wahre Höhepunkt des Films sind allerdings seine starken Charaktere. Besonders die Rolle des Antagonisten Robert Hanssen ist wunderbar angelegt. Verkörpert wird die Figur, unübertrefflich stark, von einem Chris Cooper in Bestform, der die Abgründe seines Charakters in seiner gesamten Mimik manifestieren kann. Die Risse in seiner Persönlichkeit, hervorgerufen durch das jahrelange Spionieren auf beiden Seiten, bewirken, dass er sich zunehmend in die Religion flüchtet und schließlich einem christlichen Übereifer erlegen ist. Chris Cooper verleiht dieser Figur eine gigantische Präsenz und liefert eine mehr als oscarwürdige Darstellung.

In seinem Schatten gibt Ryan Phillipe alles, um mit seiner deutlich undankbareren Rolle zurechtzukommen. Er wirft sein ganzes Talent in die Waagschale, um mit dem großartigen Chris Cooper mitzuhalten, doch dieser ist in Enttarnt einfach viel zu stark. Während es Ryan Phillipe obliegt, dem Film als "Held" zu dienen, und so auch mehr Licht auf sein Wesen fällt, kann Chris Cooper seine Auftritte viel pointierter und eindrucksvoller anlegen. Ryan Phillipes Figur bleibt so etwas blass, da der Kontrast zu Cooper einfach zu auffällig ist, aber nichtsdestotrotz liefert auch Phillipe ein solide Vorstellung ab.

Doch so geglückt Enttarnt auch ist, er schafft es dennoch nicht, in die Riege der meisterhaften Filme aufgenommen zu werden. Dazu ist er einfach etwas zu klein und unbedeutend. Der Film bleibt zweifellos kurzweilig, intensiv und er überzeugt im Rahmen seiner Möglichkeiten auch, aber lange in Erinnerung wird er nicht bleiben. Wahrscheinlich hängt dies auch mit der Tatsache zusammen, dass sich Enttarnt an einigen Stellen fast schon zu unprätentiös gibt und nicht die Wucht erreicht, die nötig ist, um den Zuseher so zu beeindrucken, dass man das Bedürfnis hat, den Film sofort nocheinmal zu sehen. Gut bleibt Enttarnt natürlich dennoch.

Fazit:
Enttarnt ist ein bodenständiger und außerordentlich realistischer Agenten-Thriller, der sich sehr auf das psychologische Duell seiner beiden Charaktere verlässt und durch viele Suspense-Szenen für Spannung sorgt. Der wahre Höhepunkt des Films ist die intensive und glaubwürdige Darstellung von Chris Cooper, der bei jedem Auftritt die ganze Leinwand für sich einnimmt. Ryan Phillipe geht, trotz einer guten Darstellung, neben dem toll aufspielenden Cooper unter. Auch ist Enttarnt schon beinahe zu unprätentiös, was bewirkt, dass er es nicht schafft, in die Riege der großartigen Filme aufzusteigen.

Wertung:
7/10 Punkte










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Ø Wertung: 4.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
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