Königreich Arktis (2007)

OT: - 86 Minuten - Dokumentation
Königreich Arktis (2007)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 02.12.2011
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Filmkritik zu Königreich Arktis

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Die Arktis ist die vielleicht unwirtlichste Umgebung auf unserem blauen Planeten. Weit und breit ist nur das ewige Eis in Sicht und von einer Vegetation kann nicht gesprochen werden. Die Tiere, die in dieser Gegend leben, müssen lernen sich immer und überall anzupassen. Gleichzeitig ist es einer der wenigen Landstriche der Erde, der von Menschen kaum besiedelt ist. Die Filmemacher Adam Ravech und Sarah Robertson haben dieser vernichtenden Umwelt getrotzt und für National Geographic, in 15 Jahre langer Arbeit, den Film Königreich Arktis gedreht.

Dabei war es das Ziel, eine familientaugliche Dokumentation zu erschaffen, die das Leben in der Arktis betrachtet. Die Mühen, die die Filmemacher sich dafür gemacht haben, um das fertige Produkt schließlich in unsere Kinos zu bringen, können nur erahnt werden. Es hat alleine Jahre gedauert, bis die Tiere die Anweseheit der Kamera toleriert hatten. Nur durch diese Eingewöhnungsphase war es auch möglich, die fantastischen Bilder des Films auf die Leinwand zu bringen. Als Zuseher ist man immer mitten im Geschehen, egal ob die gefilmten Tiere nur herumliegen oder ob sie jagen bzw. fliehen.

Im Zentrum des Geschehens steht zum einen die kleine Familie des Babyeisbären Nanu. Die Eisbären sind die Herrscher der Arktis und haben keinen natürlichen Feind. Das Einzige, das der jungen Familie Sorgen macht, ist Nahrung zu besorgen, aber, abgesehen von einem fremden männlichen Bären, gibt es kein Tier, das ihnen Schaden zufügen könnte. In akribischer Detailarbeit ist es gelungen, das Leben der Eisbären aufzugreifen und von ihren Kindestagen an die junge Nanu zu begleiten. Dabei wird das Publikum Zeuge, wie ihr von ihrer Mutter alles beigebracht wird und sie schließlich alleine losziehen muss und dabei erkennt, dass die schmelzenden Polkappen ihr Jagdgebiet immer mehr schmälern.

Weiters wird auch noch die Walross-Sippe der kleinen Seela näher betrachtet und man bekommt Einblicke, wie sich die Leben der beiden verschiedenen Spezien voneinander unterscheiden. Während die Eisbären nur maximal zu dritt unterwegs sind, schließen sich die Walrösser zu großen Sippen zusammen. Obwohl es eigentlich nicht üblich ist, zwingt der sich verändernde Lebensraum die Bären dazu, auch auf die gigantischen Walrösser Jagd zu machen. So kommt es auch, dass sich Nanu und Sheela gegenüberstehen. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Durch die globale Erwärmung werden sowohl Walrösser als auch Eisbären dazu gezwungen sich, einen neuen Lebensraum zu suchen...

Königreich Arktis geht einen durchaus interessanten Weg, der zwar keine Revolution in das Genre der Tierdokumentationen bringt, aber zumindest für etwas Abwechslung sorgt. Der gesamt Film bekommt durch seine Inszenierung einen "spielfilmartigen" Charakter. Dies geschieht dadurch, dass es der sehr gute Schnitt schafft, Szenen, die vielleicht Jahre auseinander liegen, so zu montieren, dass ein Spannungsfeld entsteht. So wird bei der Jagd eines Eisbären auf eine Robbe nicht nur die Perspektive des Jägers gezeigt, sondern auch das Abtauchen der Robbe und die durch die Flucht entstehende Spannung, da man ja durch das Zeigen der Robbe den Eisbären nicht mehr sehen kann. Nun wird in Parallelmotage gezeigt, wie sich die Robbe unter einer Schneeschicht verstecken will und der Bär sie gleichzeitig jagt. Durch solch eine interessante Inszenierung wird der Zuseher immer bei der Stange gehalten und interessiert sich für das Gezeigte.

Auch ist es bemerkenswert, wie sich die Filmemacher, stets unter widrigen Bedingungen, an die Fersen der Arktisbewohner heften und ihnen selbst im eiskalten Wasser der Arktis nicht von der Seite weichen. Dies ist auch das wohl Bemerkenswerteste an diesem Film: Man kann das Herzblut, das die Macher in ihren Film gesteckt haben, förmlich fühlen, wenn man sich das vollendete Werk schließlich ansieht. Der Aufwand, der nötig war, um in der ummittelbaren Nähe der Tiere zu drehen, muss gigantisch gewesen sein, selbstverständlich bei nicht unerheblichen Risiken, aber nur so war es möglich, Bilder eines stillenden Eisbären oder Ähnlichem zu zeigen.

Queen Latifah fungiert dabei als Erzählerin, und ihre Monologe wurden unter anderem von Al Gores Tochter Kristin Gore mitgeschrieben. Doch hier ist auch ein großer Negativpunkt des Films zu finden. Man merkt nämlich deutlich, dass Kristin in die Fußstapfen ihres Vaters tritt und genau wie er jedes Forum ausnutzt, um über die globale Erwärmung aufzuklären. Doch ich persönlich, und das ist ein rein subjektiver Standpunkt, halte den Hype um eben diese nicht mehr aus. Letztes Jahr war es noch angebracht, als Al Gore mit Eine unbequeme Wahrheit den Nerv der Zeit traf, aber jetzt wird das Thema schon sehr breitgetreten und durch den warnenden Zeigefinger von allen Seiten (Stichwort Pro 7) erzielt man nur einen Overkill.

Zwar muss man zugeben, dass die Moralpredigt rund um die globale Erwärmung zumindest schön in die gezeigte Geschichte der Tiere eingebaut wurde und so kein Fremdkörper im Film ist, aber es ist eben so, dass mir diese Moralpredigten persönlich zu viel sind. Auch merkt man, dass der Film sehr kindgerecht aufbereitet wurde. So baut man immer kuschelige und liebenswerte Szenen ein, und vor allem hat man die brutale Realität etwas aus dem Film verbannt, denn wie das Ende der Nahrungsbeschaffung in der Wildnis aussieht, wird dem Publikum vorenthalten. Nichtsdestotrotz ist Königreich Arktis ein visuell schöner Film, der sicher für einen unterhaltsamen Familienabend sorgt, auch wenn Parallelen zu einer guten Universum-Folge nicht abstreitbar sind.

Fazit:
Königreich Arktis versucht, in eine ähnliche Kerbe wie Die Reise der Pinguine zu schlagen, indem man einen Erzähler das Geschehen auf lustige Weise kommentieren lässt. Dabei hat man die Wahrheit über das Leben in der Arktis zwar familientauglich gemacht und so einige brutale Fakten unterschlagen, aber dennoch überzeugt der Film vor allem durch seine einzigartigen Bilder, die eine gelungene Dramaturgie in das Gegenspiel zwischen Jäger und Gejagten bringen. Etwas nervig ist die Ökubotschaft des Films, und hinzu kommt, dass man nicht unbedingt ins Kino muss, um ihn zu sehen, da man Ähnliches auch in vielen anderen Tierdokus zu sehen bekommt.

Wertung:
6/10 Punkte






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Liste von elfe85
Erstellt: 27.06.2015