Die Fremde in Dir

OT: -  122 Minuten -  Thriller / Drama
Die Fremde in Dir
Kinostart: 28.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Fremde in Dir

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Scheinbar sind Rache-Thriller wieder in Mode. Nachdem Saw-Regisseur James Wan erst kürzlich seinen Beitrag zum Thema mit Death Sentence ablieferte, folgt ein weiterer Film dieser Gattung mit Die Fremde in Dir, der sich der bekannten Thematik auf andere Weise nähert. Prinzipiell hat sich nicht viel geändert, seit Charles Bronson damals rot gesehen hat, aber Oscarpreisträger Neil Jordan schickt in bester Kill Bill-Manier eine Frau ins Gefecht, um das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Der Film leidet dabei etwas an unmotivierten Gewalteskapaden, die nicht so recht Sinn ergeben, aber dank einer großartigen Jodie Foster kommt man dennoch großteils auf seine Kosten.

Erica Bain (Jodie Foster) feiert mit ihrer Radioshow Street Walk berufliche Erfolge, und auch privat führt sie mit ihrem Verlobten David Kirmani (Naveen Andrews) ein glückliches Leben, doch dies soll sich schnell ändern, als die beiden spät am Abend noch eine Runde mit ihrem Hund im Central Park drehen wollen. Eine Gruppe brutaler Schläger überfällt sie, und David bezahlt diesen Ausflug mit seinem Leben. Erica hat zwar überlebt, und langsam beginnen ihre äußeren Verletzungen auch zu heilen, aber in ihr hat sich etwas verändert: Sie ist nicht mehr die selbe wie zuvor.

Die Stadt, die sie früher liebte, ist ihr nun fremd, und sie fühlt sich verfolgt und bedroht. Um sich selbst zu schützen, will sie sich einen Revolver zulegen, aber die lange Wartezeit im Waffengeschäft schreckt sie ab. Zum Glück hat ihr Gespräch in selbigem jemand mitgehört, der ihr, ohne lange nachzufragen, eine Waffe für 1000 Dollar gibt. Nun fühlt sich Erica wieder sicherer und wagt es auch wieder, vor die Tür zu gehen. Doch als sie in einen Laden geht wird sie Zeuge, als ein Mann seine Frau tötet und muss den Mörder in Notwehr erschießen. Da ihre Waffe nicht registriert ist, vertuscht sie ihre Anwesenheit, nimmt das Überwachungsband mit und schleicht sich davon. Doch dies soll erst der Anfang sein, denn nun lässt sich Erica von niemandem mehr etwas gefallen...

Jeder Film, dessen zentrales Thema eine Person ist, die das Gesetz selbst in die Hand nimmt, ist wohl dazu prädestiniert, Kontroversen hervorzurufen. Egal wie sich die Geschichte entwickelt, es ist für den Kritiker einfach, auf der Problematik der Selbstjustiz herumzureiten. Wer es sich also einfach machen möchte bei Die Fremde in Dir, sagt einfach von vorne herein: "Nein, die Hauptperson des Films nimmt das Gesetzt selbst in die Hand, also transportiert der Film eine nicht zu unterstützende Botschaft und ist deshalb nicht empfehlenswert!". Doch so einfach wollen wir es uns hier natürlich nicht machen.

Denn Die Fremde in Dir bringt das Publikum in die Perspektive des Opfers Claire, das sich den Film über interessant weiterentwickelt. Die moralischen Konflikte der Hauptfigur werden dabei ausgesprochen gut aufbereitet und als Zuseher wird man förmlich dazu gezwungen, über das Gezeigte nachzudenken. Ist es moralisch vertretbar, wie Claire vorgeht? Sicher nicht, aber ist es nicht zumindest sehr verständlich? Das auf jeden Fall, und es ist auch gut gelungen, zu zeigen, wie Claire zunächst aus Notwehr handelt und die Gewalt dann immer mehr selbst heraufbeschwört.

Allerdings ist es auch dieser Aspekt an der Geschichte, den man kritisieren muss. Denn wie sich die eher ruhige Claire innerhalb kurzer Zeit zur spektakulären Killerin entwickelt, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Zwar will ich gar nicht bestreiten, dass es theoretisch möglich ist, dass eine Person, die dasselbe wie Claire erlebt hat, auch so reagiert wie es im Film gezeigt wurde, aber es ist auf jeden Fall nicht plausibel. Eine etwas bodenständigere Darstellungsweise wäre hier sicher besser gewesen. Auch hätte es ein niedrigerer Bodycount auch getan, aber man wollte anscheinend, obwohl man die Morde überraschend dezent in Szene setzt, einige Spannungselemente einbauen.

Wirklich gut gelungen ist allerdings die eingesetzte Off-Erzählstimme, die meiner Meinung nach in Filmen nur eingesetzt werden sollte, wenn es wirklich dem Konzept dient, da Film zeigen und nicht erzählen soll. In Die Fremde in Dir passt dieser Schachzug insofern gut ins Konzept, da Claire ja Radiomoderatorin ist und mit ihrer angenehmen Stimme eine gewisse Konstante in den Film bringt, die ihn von innen heraus beleuchtet und den Zuseher in den Kopf der Protagonistin bringt. Auch diverse Wackelkameraszenen, die mit ihrem schaukelndem Stil Unruhe und Unsicherheit vermitteln, bringen das Publikum mehr in die Lage von Claire.

Verkörpert wird diese ausgesprochen stark von Jodie Foster, die, aus welchem Grund auch immer, besonders in Thrillern eine sehr gute Figur abgibt. Jede Facette ihrer Figur hat sie angenommen und sie verkörpert Claire in jedem Stadium ihres Leben ausgezeichnet und glaubhaft. Vielleicht beschert diese Rolle ihr erneut eine Oscarnominierung. Verdient hätte sie es auf jeden Fall. An ihrer Seite agiert ein solider, aber ziemlich zurückhaltender Terrence Howard, der zwar etwas unter Fosters Niveau agiert, aber immer noch stark aufspielt.

Warum ist Die Fremde in Dir nun dennoch nicht der große Wurf geworden? Trotz guter Ansätze ist der Film kein richtiger Knaller geworden. Dies liegt zum einen daran, dass die Charakterentwicklung irgendwann einfach nicht mehr glaubhaft ist und der Film sich in eine oberflächliche Richtung entwickelt. Diese Tendenz steigert sich immer mehr, bis Jodie Foster schließlich nur mehr ein weiblicher Rambo ist, der nach Blut dürstet. Kurzweilig bleibt das Ganze bis zum Ende dennoch, aber der Schluss ist dann eine richtige Enttäuschung. Nicht nur, dass die Auflösung an den Haaren herbeigezogen ist, sie ist auch noch schnulzig und verweichlicht, wie Hollywood sie gerne hat. Dem Film gibt es allerdings einen sehr negativen Nachgeschmack, sodass er unverdientermaßen sogar fast um einen Punkt weniger bekommen hätte.

Fazit:
Die Fremde in Dir ist letztendlich ein grundsolider Rache-Thriller. Beinahe hätte es die toll aufspielende Jodie Foster geschafft, den Film noch mehr aufzuwerten, aber ihre unplausible Charakterentwicklung, bei der sie nicht nur den Tod ihres Mannes rächt, sondern beginnt jeden Verbrecher töten zu wollen, und vor allem das absolut, man kann es nicht anders sagen, grottenschlechte Ende, ziehen den Film runter. Wenn man diese Negativpunkte außer Acht lässt, bleibt ein kurzweiliger und über weite Strecken ziemlich guter Thriller. Nicht Weltklasse, aber sicher sehenswert.

Wertung:
6/10 Punkte

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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013