Der Sternwanderer (Stardust)

OT: -  130 Minuten -  Fantasy
Der Sternwanderer (Stardust)
Kinostart: 19.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Sternwanderer (Stardust)

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Neil Gaiman schreibt Romane, Comicbücher und Drehbücher und konnte sich mit seinen verschiedenen Bereichen weltweit eine Menge Fans sichern. Vor 10 Jahren erschien seine märchenhafte Fantasygeschichte Stardust, im deutschsprachigen Raum Der Sternwanderer, die nun endlich im Zuge der Nachwehen von Der Herr der Ringe, der es Fantasyfilmen deutlich leichter machte, von Hollywood adaptiert wurde. Nachdem es Peter Jackson schaffte, den lange als unverfilmbar gehandelten Roman von J.R.R. Tolkien Der Herr der Ringe meisterhaft auf die Leinwand zu bringen und damit nicht nur den Oscarrekord von Titanic und Ben Hur zu egalisieren, sondern vor allem auch beim Einspielergebnis zu neuen Ufern aufzubrechen, scheint man in der Traumfabrik für ähnliche Projekte offen zu sein.

Dabei wirft die bombastische Der Herr der Ringe-Trilogie natürlich einen weiten Schatten auf jedes Projekt, das nur in eine ähnliche Richtung geht, denn wenn man als Zuseher ein Meisterwerk gesehen hat, gibt man sich auch in Zukunft nicht mit weniger zufrieden. Allerdings wird man auf einen ähnlich wegweisenden Film noch lange warten müssen, denn auch Der Sternwanderer ist nicht das Werk geworden, das sich mit dem Genreprimus messen kann. Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: Der Film will sich nämlich gar nicht mit Jacksons Film messen, sondern verlegt sich in einen anderen Teil des Genres: Wo Der Herr der Ringe ein ernster Fantasyfilm ist, ist Der Sternwanderer vor allem ein herzerwärmendes Märchen, das umwerfend gut unterhält. Und vor allem kommt der Film für Fans des Genres dem Genrekönig so nahe wie kein anderer.

Tristan Thorne (Charlie Cox) ist ein durchschnittlicher Niemand in seiner kleinen englischen Heimatstadt. Als er eines Abends gemeinsam mit seiner Angebeteten Victoria (Sienna Miller) unter freiem Himmel ist, sehen sie wie ein Stern auf die Erde stürtzt. Victoria verspricht Tristan, dass sie ihn heiraten wird, wenn er ihr innerhalb einer Wochen den Stern bringt, ansonsten würde sie jemand anderes heiraten. Tristans Heimatstadt ist durch eine Mauer vom mysteriösen Königreich Stormhold getrennt, aber um die Einwohner beider Seiten am Überqueren zu hindern, ist eine Wache am Übergang postiert.

Tristans Problem ist nur, dass der Stern in Stormhold gelandet ist und er irgendwie auf die andere Seite der Mauer muss. So verrät ihm sein Vater schließlich, dass seine Mutter aus der anderen Welt stammt, in der Hexerei und ähnliches an der Tagesordnung steht. Als Tristan schließlich mit Hilfe einer Zauberkerze, die ihm seine Mutter hinterlassen hat, zum Stern gelangt, stellt er fest, dass der Stern in Wirklichkeit eine hübsche Frau namens Yvaine (Claire Danes) ist. Er kettet sie an sich und will sie zu Victoria schaffen, doch durch den Stern wird Tristan in eine Geschichte gezogen, die ihm etwas zu groß ist: Nicht nur der Anwärter auf den Königsthron Prinz Septimus (Mark Strong), sondern auch die böse Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer) ist hinter dem Stern her. Und welche Absichten hat eigentlich der mysteriöse Pirat Captain Shakespeare (Robert de Niro)?

Matthew Vaughn ist nicht nur mit Topmodel Claudia Schiffer verheiratet, nebenbei ist er auch noch Produzent und Regisseur. Bis dato hat er allerdings erst zwei Filme, die auf sein Konto gehen. Das ist zum einen sein Erstling Layer Cake, und zum anderen der hier besprochene Der Sternwanderer. Dabei ist es sehr überraschend, wie stilsicher er dieses Märchen auf die Leinwand bringt, und obwohl das Budget mit 70 Millionen Dollar für einen Film dieser Größenordnung und mit dieser Darstellerriege in unserer Zeit nicht gerade verschwenderisch riesig ausgefallen ist, kann der Film auch durch seine Schauwerte überzeugen.

Besonders auffallend ist, dass man nicht versucht, das Aussehen der Herr der Ringe Trilogie zu kopieren, sondern relativ eigenständig bleibt. Lediglich bei einigen Kamerafahrten hat man es sich nicht nehmen lassen, Jacksons Stil nachzuahmen, und so wirken einige Kreisfahrten rund um galoppierende Pferde fast schon so, als müsste man beweisen, dass man dies auch kann. Doch so wenig man sich optisch beim Vorbild bedient, so eindeutig scheint man etwas genauer in den oscarprämierten Score von Howard Shore reingehört zu haben. Denn obwohl Der Sternwanderer durchaus seine eigene, starke Musik zu bieten hat, kann man nicht leugnen, dass man einige Takte aus dem Herr der Ringe-Score übernommen hat.

Doch man soll nicht meckern wenn das Resultat zufrieden stellt. Denn sowohl das Aussehen als auch der Klang des Films sind auf sehr hohem Niveau, und so konzentrieren wir uns auf das was wirklich zählt: Die Geschichte und seine Charaktere. Dabei ist besonders wichtig, dass man sich keinen zweiten Herr der Ringe erwartet. Der Sternwanderer ist sowohl weniger gigantisch in seinen Ausmaßen als auch in seiner reinen Dauer und so legt man auch ganz andere Maßstäbe an. Der aber wohl wichtigste Unterschied ist, dass Der Sternwanderer ein sympathisches Märchen für Jung und Alt ist, das einfach Spaß machen soll, und das vor allem sehr auf Humor getrimmt ist.

Dabei hat man sich auf wundervolle Weise auf die verschiedensten Märchenklischees gestürzt und sie alle durch eine Prise Ironie aufgepeppt. Von der Liebe über das Übersinnliche bis zum Bösen haben es alle typischen Märchenzutaten in den Film geschafft. Und vor allem hat man immer Wert darauf gelegt, Humor ins Geschehen zu bringen. Dies gelingt mal mehr, mal weniger gut, und an einigen Stellen war für mich persönlich schon etwas zuviel Spaß in der Geschichte, aber zumindest hat der Film das Herz am rechten Fleck und verliert nie seinen Charme. Die klassische Märchengeschichte ist dabei natürlich nicht frei von Kitsch und Sentimentalität, aber wie gesagt überdecken die Vorzüge dies bei weitem.

Die beiden Hauptdarsteller Charlie Cox und Claire Danes werden dabei leider von zwei Nebendarstellern an die Wand gespielt. Doch dies ist keine Schande, handelt es sich bei diesen beiden doch um den grandiosen Robert de Niro und seine nicht weniger überzeugende Kollegin Michelle Pfeiffer. Besonders schön ist es, den Altmeister de Niro wieder einmal in Hochform zu sehen, und in seiner absolut schrägen Vorstellung als Captain Shakespeare ist er schlicht DAS Highlight des Films. Wenn er zu sehen ist, bebt die Leinwand, und es ist einfach traumhaft schön, wie er zuerst ein typisches, ruppiges Image als Pirat aufbaut, das er dann in einer überraschenden Szene demontiert und seiner Figur neue Facetten gibt. Michelle Pfeiffer kann zwar nicht ganz mit dem grandiosen de Niro mithalten, aber zeigt nach Hairspray erneut, wie viel Spaß es ihr macht, einen Bösewicht zu spielen.

Wem wird Der Sternwanderer also gefallen? Kurz gesagt jedem, der dem Kind in sich etwas Nahrung geben will, denn bei der Adaption von Neil Gaimans Romanvorlage hat man schon wirklich sehr viel richtig gemacht und liefert ein unheimlich charmantes Märchen für die ganze Familie, das das Publikum wahrlich zum Leuchten bringt. Die stimmungsvolle Inszenierung, der treffende Score und die grandiosen Darsteller sorgen für ein Fantasy-Märchen, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Zwar kann man dem Film durchaus vorwerfen, sich an bekannten Stereotypen zu orientieren und etwas zu sehr auf der sentimentalen Ebene zu operieren, aber nichtsdestotrotz ist Der Sternwanderer ein toller und vor allem unglaublich unterhaltsamer Film.

Fazit:
Der Sternwanderer ist kein zweiter Herr der Ringe. Das sollte jedem klar sein, der mit solchen Erwartungen in diesen Film geht. Doch er will es auch gar nicht sein, denn Der Sternwanderer ist kein "ernster" Fantasyfilm, er ist viel mehr ein sympathisches und herzerwärmendes Märchen für Jung und Alt. Durchgehend unterhaltsam, die Darsteller brillieren und insgesamt gesehen bietet der Film dem Publikum Gefühlskino auf hohem Niveau. So macht Kino Spaß, auch wenn man nicht leugnen kann, dass das große Werk von Peter Jackson seinen Schatten auch über diesen Fantasyfilm wirft. Doch was soll´s? Der Sternwanderer ist Unterhaltung pur, und für Fans des Genres ein Pflichttermin!

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von Foxy
Erstellt: 18.09.2012