All Beauty Must Die (2010)

OT: All Good Things - 101 Minuten - Krimi / Drama / Mystery / Romanze / Thriller
All Beauty Must Die (2010)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 13.03.2012 - Blu-ray-Start: 13.03.2012
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Filmkritik zu All Beauty Must Die

„[Der Film ist] in erster Linie eine Liebesgeschichte (…).
Eine wirklich traurige Liebesgeschichte.
Sie berichtet von einem Mann, der nicht sein kann, der er sein will.
Er wird zu einem Mann, der nichts mit seinen Vorstellungen von sich selbst als junger Mann zu tun hat. Das macht ihn so wahnsinnig, dass er all diese Untaten begeht.“

Der Produzent und Drehbuchautor des Films Marc Smerling redet hier über Robert Durst, dessen Ehefrau 1982 spurlos verschwand. 18 Jahre später wurde er wegen Mord angeklagt.  Diese mysteriöse und wahre Geschichte griffen Smerling und der Regiedebütant Andrew Jarecki auf. Sie verschafften sich einen Überblick über die komplexe Geschichte und entwickelten drei Szenarien, die passiert sein könnten. Schließlich entschieden sie sich für eine Variante. Was damals wirklich geschah, weiß nur Robert Durst selbst, der im Film den fiktiven Namen David Marks erhalten hat, genauso wurden die Namen der restlichen Betroffenen der Geschichte ausgetauscht.

David Marks (Ryan Gosling) ist der Sohn des reichen Sanford Maks (Frank Langella), der zahlreiche Immobilien im Zentrum von New York besitzt. Sanford möchte, dass David sich am Familiengeschäft beteiligt, dieser hat allerdings andere Pläne. Er beginnt eine Beziehung mit Katie (Kirsten Dunst), die aus einer armen Familie stammt. Die Beiden ziehen aufs Land und eröffnen dort ein Lebensmittelgeschäft, das sie All Good Things (Originaltitel des Films) nennen. Doch ihr Glück wird schnell gestört. Sanford holt das Paar nach New York zurück und somit beginnen die Familien- und  Beziehungsprobleme. Mit der Zeit erfährt Katie dunkle Geheimnisse aus Davids Vergangenheit. Zudem bringt sie Davids verstörtes Verhalten in Lebensgefahr…

Marc Smerling verwendete die Gerichtsprotokolle des Prozesses in der die hier fiktive Person David seine Lebensgeschichte erzählt. Somit erzählt David im Gerichtssaal seine Geschichte. Nach einigen Sekunden taucht die Handlung in sein Leben ein, sodass der Zuschauer beginnt ihn langsam kennen zu lernen. Am Anfang scheint alles noch friedlich und normal zu sein, doch mit der Zeit entfalten sich die Familienhintergründe, die ein grausames Kindheitstrauma offenbaren. Ryan Gosling (Drive, 2011) beweist in der Rolle des David ein weiteres Mal, dass er zu den größten Charakterdarstellern seiner Generation gehört. Sein nuanciertes Schauspiel zieht den Zuseher in seinen Bann. Gosling gelingt es mit nur kleinen Bewegungen seiner Gesichtsmuskulatur Sympathie, Angst und Nervenkitzel beim Betrachter hervorzurufen. Kirsten Dunst (Melancholia, 2011) passt sich ihm hervorragend an. Sie stellt die verliebte  Ehefrau, gefangen in ihrer Ausweglosigkeit und Trauer bestens dar, sodass beide eine schauspielerische Glanzleistung vorweisen. Aber auch Frank Langella (Frost/Nixon, 2008) und Philip Baker Hall (Magnolia, 1999) geben eine solide Leistung ab. Kristen Wiig (Brautalarm, 2011) hat zwar nur wenige kurze Auftritte, sorgt aber trotzdem in ernsten Situationen für unerwartete Komik.

Der unberechenbare Charakter David führt nicht nur durch den Film, der Regisseur spiegelt seinen Charakter im Filmaufbau wieder. Demzufolge herrscht stets eine Anspannung, die nicht wie erwartet am Ende zu einem großen Knall führt, sondern sich langsam an den Zuseher heranschleicht und stellenweise zuschlägt. Des Weiteren erzeugt der Regiedebütant Andrew Jarecki Spannung mit seinem Inszenierungsstil. David stellt sich dadurch oft als geheimer Beobachter Katies heraus. Der Zuseher wartet demnach auf Gewaltszenen, doch diese werden zumeist nicht gezeigt. Jarecki weicht hier oft auf die Zeugen des Geschehens aus und zeigt währenddessen deren Reaktionen oder erst das Ergebnis des Events. Dadurch kann man sich das wahre schreckliche Geschehen selbst im Kopf ausmalen und dies führt bekanntlich zu einer effektiveren Wirkung. Der Filmemacher benutzt zudem den Ton, um mit der Gefühlslage des Zuschauers zu spielen. Während einer Szene, in der Katie durch den Gang geht und hört, wie David im anderen Raum Selbstgespräche führt, erzeugt ein undefinierbaren Ton, der beim Gang durch den Flur immer lauter wird, ein unheimliches Gefühl. Darüber hinaus entwickelt sich ein trauriges Klavierstück schlagartig in ein aufreibendes Violinenstück, dieses mündet wiederum in das traurige Klavierstück. Ferner erzeugt ein sich ständig wiederholender Klavierklang eine Spannung, die dadurch erhöht wird, indem sonst Stille herrscht und man auf die Fortführung der Handlung wartet.

Das Filmgeschehen wird wiederum mit einer Szene unterbrochen, die in mehrere Teile zerlegt, und an bestimmten Stellen der Handlung in den Film eingebaut wurde. Diese Szene bildet ein Rätsel, welches erst am Ende gelöst wird, wenn der Zuseher die Szene in die Filmhandlung einordnen kann. Das Rätsel dient vor allem dann als Bindeglied, wenn im letzten Drittel des Films der Schauplatz wechselt und zahlreiche neue Charaktere eingeführt werden, zudem die bereits bekannten Gesichter ersichtlich verändert werden. Diese Veränderung wirft den Zuseher leider aus dem bisher erzeugten Sog heraus. Allerdings ziehen die unvorhersehbaren Ereignisse, die sich nun abspielen, das Interesse des Betrachters auf sich. Neben dem Rätsel hält auch die Rahmenhandlung im Gerichtssaal den Film noch zusammen. Die perfekte Liebesgeschichte, die nachher in ein perfektes Verbrechen mündet, wird von einem unberechenbaren Mann erzählt. Genauso unberechenbar erscheint Einem auch der Film bis zum Schluss.

Fazit:
All Beauty Must Die basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt eine Liebesgeschichte in einer eigenartigen Art und Weise. Dabei steht nicht direkt die Liebesgeschichte im Mittelpunkt, sondern der Hauptcharakter des Films. Dies verdeutlicht der Regiedebütant Andrew Jarecki mithilfe seines Inszenierungsstils. Dabei spielt auch der Ton eine wichtige Rolle. Er begleitet den Zuseher bei seinen Gefühlsreisen. Der Regisseur beweist mit seinem Werk, dass er sein Handwerk gut beherrscht. Er liefert einen mysteriösen und spannenden Film ab, der mit hervorragenden Schauspielern glänzt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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