The Rum Diary (2011)

OT: The Rum Diary - 120 Minuten - Komödie / Drama / Romanze / Thriller
The Rum Diary (2011)
Kinostart: 02.08.2012
DVD-Start: 11.01.2013 - Blu-ray-Start: 02.05.2014
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Filmkritik zu The Rum Diary

Der Journalist und Schriftsteller Hunter S. Thompson wurde durch die Veröffentlichungen seiner Bücher Fear and Loathing in Las Vegas (1972) und Fear and Loathing on the Campaign Trail `72 bekannt. Zudem pflegte der Autor mit dem Fluch der Karibik-Star Johnny Depp eine enge Freundschaft, sodass Depp in den 90er Jahren im Keller seines Freundes ein altes Manuskript, eines bis dahin unveröffentlichten Buchs, fand. Der Hollywoodstar überredete daraufhin Hunter S. Tompson den Roman zu veröffentlichen, sodass das Buch The Rum Diary, welches 1961 verfasst wurde, erst 1998 auf den Markt kam. Die Bücher Fear and Loathing in Las Vegas und The Rum Diary werden außerdem auch als autobiographische Werke des Schriftstellers angesehen, sodass die Hauptcharaktere Raoul Duke und Paul Kemp jeweils als Alter Ego von S. Tompson angesehen werden.

1998 verfilmte der Filmemacher Terry Gilliam (12 Monkeys, 1995) dann den Roman Fear and Loathing in Las Vegas mit Johnny Depp in der Titelrolle. Der Film kann als lang anhaltender Rauschzustand beschrieben werden und hat demnach bei vielen Filmfans Kultstatus angenommen. 2009 nahm Johnny Depp das Filmprojekt The Rum Diary, welches bereits seit fast 10 Jahren geplant wurde, mit seiner Produktionsfirma Infinitum Nihil in die Hand. Depp übernahm zugleich die Hauptrolle im Film - sein Ziel war es gemeinsam mit dem Regisseur Bruce Robinson eine Hommage an seinen Freund Hunter S. Thompson zu entwickeln, der sich 2005 das Leben nahm. Entstanden ist im Endeffekt ein kurzweiliger und kluger Film, der einige Unterschiede zu Terry Gilliams Fear and Loathing in Las Vegas vorweist. Denn The Rum Diary ist kein Rauschfilm, so wie es der Titel erahnen lässt, sondern eine Geschichte über einen Schriftsteller, der im sonnigen Puerto Rico ein lebensveränderndes Abenteuer erlebt.

Paul Kemp reist Ende der 50er Jahre von New York nach Puerto Rico, um dort für den San Juan Star zu schreiben. In der Redaktion angekommen stellt ihn der Chefredakteur Lotterman (Richard Jenkins) ein. Paul schreibt nun über Sternzeichen und berichtet ansonsten über positive Ereignisse des Ortes, die den Tourismus fördern sollen. Während er nun auf einen Interviewpartner wartet, trifft er auf den Grundstücksmakler Sanderson (Aaron Eckhart), der ihn zu sich nach Hause einlädt, sodass Paul die verführerische Verlobte des Maklers Chenault (Amber Heard) kennen lernt. Ferner macht ihm Sanderson ein gutes Job-Angebot. Paul soll die Texte für ein Prospekt schreiben, damit ein Hotelbau auf einer noch unbesiedelten Insel gewährleistet wird. Mit Rum in der Tasche und seinem Mitbewohner Sala (Michael Rispoli) an seiner Seite, lernt Paul das abenteuerliche Leben der Puertoricaner kennen. Nachdem der zielstrebige Journalist jedoch die Armut im Land und das wahre Vorhaben von Sanderson und seinen Geschäftspartnern entdeckt, steckt er in einem Dilemma…

Der Publikumsliebling Johnny Depp ist durch seine Rolle als verrückter Pirat Jack Sparrow und als Tim Burton-Anhänger weltbekannt geworden. Da der Darsteller jedoch dadurch stets in einer ähnlichen Art und Weise in Szene gesetzt wird, hat seine Jack Sparrow-Maske bereits beim letzten Tim Burton Film Dark Shadows starke Abnutzungserscheinungen vorgewiesen. Dennoch gelingt es Johnny Depp in The Rum Diary endlich komplett die Jack Sparrow-Maske abzulegen und mit seinem nuancierten Schauspiel zu überzeugen. Depp arbeitet die Charakterzüge von Kemp, die ihn von Raoul Duke aus Fear and Loathing in Las Vegas unterscheiden, sorgfältig heraus und ist zudem für zahlreiche Lacher verantwortlich. Für lustige Momente sorgt auch Giovanni Ribisi (Avatar, 2009) mit seinem beinahe karikaturistischen Portrait des dauerhaft berauschten Charakters Moberg. Aus der Sicht der Charaktere tritt Moberg im Film an den unpassendsten Stellen auf. Er wechselt das Thema oder entführt die Figuren in die Welt des Rausches und Voodoos. Er übernimmt somit die Funktion des Chors aus den antiken griechischen Komödien, da er stets das bevorstehende Unheil oder speziell in diesem Fall die Nebenwirkungen eines Rauschzustands ankündigt.

Moberg ist zwar stets unter Drogen, allerdings werden die Nebenwirkungen kaum aus der Sicht der Konsumenten vorgeführt, sodass verzerrte, bizarre und fantasievolle Bilder eine Seltenheit sind. Eine Enttäuschung wird dieser Film deshalb für diejenigen sein, die einen zweiten Fear and Loathing in Las Vegas erwartet haben. Denn in The Rum Diary wird zwar Alkohol konsumiert, allerdings hat es der Regisseur Bruce Robinson erst gar nicht versucht in die Fußstapfen des Drogenfilms zu treten. Stattdessen präsentiert er uns einen klugen Film voller Gegensätze, der leider die Themen Kapitalismus und Armut viel zu oberflächlich darlegt. Denn an erster Stelle sollen die Massen unterhalten werden, sodass The Rum Diary vor allem eins verbreitet - Lust auf Sommer. Der Filmemacher nutzt infolgedessen den sonnigen Schauplatz bestens und führt uns wilde Partys, einen Ausflug zum Karneval, actionreiche Verfolgungsjagden, kuriose Cockfights, heiße Liebesszenen im Meer, hier fungiert am besten Amber Heard als Hingucker, sowie einen feuerspeienden Johnny Depp vor.

Ferner weist The Rum Diary auch Parallelen zu Fear and Loathing in Las Vegas auf. Diese hätte Bruce Robinson nicht umgehen können, da seine Vorlage vom selben Schriftsteller stammt. Infolgedessen wird hier auch der Amerikanische Traum thematisiert, jedoch ist es im San Juan Star schwer diesen Traum zu verwirklichen, denn das Wort „Arbeit“ scheint dort eher ein Fremdwort zu sein. Weiters erhält der Titelheld auch einen Buddy, jedoch fehlt bei dieser Beziehung der nötige Tiefgang. Aufgrund der vielen angesprochenen Themen bleibt Bruce Robinson, der auch das Drehbuch verfasste, nicht mehr genug Zeit um seine Nebencharaktere facettenreich zu gestalten. Diese sind eindimensional und klischeehaft ausgefallen. Trotz der genannten Mängel macht der Film Spaß und wird dank Johnny Depps hervorragendem Schauspiel und den abwechslungsreichen Abenteuern nicht langweilig.

Fazit:
Bruce Robinsons The Rum Diary versprüht auf erster Linie ein ansteckendes Sommergefühl. Der Regisseur und Drehbuchautor nutzt daraufhin bestens den Schauplatz Puerto Rico und präsentiert abwechslungsreiche Abenteuer. Dabei spielt auch Johnny Depp eine wichtige Rolle. Der Hollywoodstar legt trotz Rum in der Tasche seine Jack Sparrow-Maske ab und präsentiert dem Publikum den fein ausgearbeiteten Alter Ego Paul Kemp seines verstorbenen Freundes Hunter S. Thompson. Trotzdem weist der Film Mängel auf, denn es fehlt an einigen Stellen an Tiefgang. Fans von Johnny Depp können nichtsdestotrotz einen Blick in The Rum Diary werfen. Zuschauer, die den Film Fear and Loathing in Las Vegas von Terry Gilliam nicht kennen, können sich auch ohne Vorwissen The Rum Diary ansehen, da die Romanadaptionen trotz Parallelen unabhängige Werke sind.

Wertung:
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