Chernobyl Diaries (2012)

OT: Chernobyl Diaries - 90 Minuten - Horror / Thriller
Chernobyl Diaries (2012)
Kinostart: 22.06.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Chernobyl Diaries

Von am
Mit Paranormal Activity gelang Oren Peli einst der große Durchbruch - besonders bemerkenswert an der Sache ist, dass es Peli gelang mit einem winzigen Budget vergleichsweise große Wirkung zu erzielen. Seitdem hat er es sich allerdings relativ einfach gemacht und sich vor allem dadurch ausgezeichnet die Geschichten zu den (durchaus überzeugenden) Paranormal Activity Nachfolgern zu schreiben. Mit Chernobyl Diaries kommt nun allerdings wieder ein frischer Stoff aus der Feder von Peli, was auch angesichts des durchaus überzeugenden Trailers, berechtigten Grund zur Hoffnung gab. Doch leider kann der Film in keiner Sekunde das halten was er verspricht und bietet stattdessen nur müden Klischeehorror von der Stange.

Die US-Touristen Chris (Jesse McCartney), Natalie (Olivia Dudley) und Amanda (Devin Kelley) sind auf einem Europatrip. Nach dem der Westen gebührend abgegrast wurde, machen sie sich auf in den Osten. In der Ukraine wartet schon Chris’ Bruder Paul (Jonathan Sadowski) der einst ebenfalls zu einer Rucksacktour aufgebrochen ist, aber nie aus Europa zurückkehren wollte. Und Paul hat eine ganz besondere Überraschung für die drei Urlauber: Er hat beim rustikalen Einheimischen Uri (Dimitri Diatchenko) eine Extremtour gebucht. Uri führt sie nach Pripyat, dem Ort in dem die Arbeiter des Atomkraftwerks Tschernobyl bis zum fatalen Supergau gelebt haben. Doch es dauert nicht allzu lange, bis die Touristen befürchten, dass der Ort nicht so verlasen ist, wie es den Anschein hat...

Viele Klippen des Horrorgenres umschifft Chernobyl Diaries zunächst relativ geschickt. Die Exposition zum Beispiel ist recht ordentlich gelungen. Auch wenn man nichts radikal Neues zeigt, funktioniert die Chemie zwischen den Figuren solide, und man kann sich durchaus auf das Folgende freuen - das liegt aber auch daran, dass die einsame, tragische Kulisse des Films ein gigantischer Pluspunkt ist. Und tatsächlich lassen die ersten Erkundungen des verseuchten Gebiets auf einen guten Horrorfilm hoffen - kleine Andeutungen, Trostlosigkeit und eine Todesstille versprechen eigentlich alles was man sich erwarten würde. Doch man sollte die Hoffnungen nicht in die Höhe schnelle lassen, denn im Endeffekt versteht es der Film seinen Wahnsinns-Schauplatz nicht zu nutzen.

Was hätte man hier nicht alles machen können? Man muss ja gar nicht erst träumen und an Tarkovskiys Stalker denken, aber es würden sich so viele subtile Gruselmomente anbieten: Der Film macht es zum Beispiel gut, wenn er die mutierten Fische im Wasser andeutet, oder die Protagonisten auf einem Foto eine mysteriöse Gestalt an einem Fenster entdecken lässt. Doch leider war es das auch schon mit den subtilen Spitzen. Wie gut hätte der Film doch werden können, wenn man mehr mit der feinen Klinge und weniger mit dem Schlachtmesser gearbeitet hätte. Man hätte sich förmlich im Verstand des Zusehers einnisten und die Wahrnehmung auf den Kopf stellen können. Kleine Schatten, Fragmente auf Bildern und vielleicht ein dichter, mysteriöser Storyüberbau und Chernobyl Diaries hätte einen hervorragenden Gruselfilm abgegeben.

Doch all dies bringt der Film leider nicht auf die Reihe. Stattdessen gehen die Filmemacher ohne Zwischentöne in die Vollen und haben leider weder kreative Ideen in der Erzählung, noch schafft es die Inszenierung die eigentlich potentiell unermesslich vorhanden Atmosphäre zu nutzen. Es folgt was sich immer deutlicher anbahnt, der gespannte Zuseher aber auf Teufel komm raus nicht braucht: Eine platte Schlachtpalette mit entstellten Mutanten, die es auf die “normalen” Menschen abgesehen haben - warum? Na, weil sie halt Mutanten sind - und außerdem stehts im Drehbuch, bitte nicht nachfragen. Dieser überaus flache und einfallslose Ansatz lässt Chernobyl Diaries leider im dichten Pulk der mittelmäßigen Horrorfilme versinken, was angesichts des ungenutzten Potentials leider höchst bedauerlich ist.

Denn an vielen Stellen blitzt durch, dass der Film so viel besser hätte sein können. Dann etwa wenn die (überraschend gelungene) visuelle Ebene des Films dafür verwendet wird um der Location einen intensiv-verlorenen Charakter zu verpassen. Oder an einen der wenigen Stellen, an dem doch so etwas wie Mysteryflair aufkommt und der Zuseher tatsächlich darum bangen muss was als nächstes geschieht. Und gerade diese aufgezeigten Möglichkeiten lassen die Schwächen des Films umso ärgerlicher werden: Warum darf man nicht länger rätseln welche Geheimnisse sich hinter den kalten, toten Betonwänden verbergen? Warum gibt es nicht mehr subtile Andeutungen (wie etwa die mutierten Fische)? Warum versucht der Film nicht die psychologische Schiene zu fahren, sondern setzt auf plumpen Horror von der Stange? Und vor allem: Warum muss man den Film so enttäuschend und abrupt beenden? All das ist sehr schade, denn wie gesagt lassen Exposition, Location und Idee auf einen viel besseren Film hoffen, als die langweilige und stupide Hetzjagd schließlich bietet.

Fazit:
Chernobyl Diaries ist ein Film der vergebenen Chancen: Die Exposition ist durchaus gelungen, die Idee ist spannend und die Location des Films schreit förmlich nach einem subtilen, psychologischen Horrorfilm, der die Wahrnehmung des Zusehers auf den Kopf stellt und für intensive Gruselstimmung sorgt. Doch leider nimmt sich der Film nicht die Zeit langsam Geheimnisse zu erschaffen und sie auf dezente Weise zu inszenieren - stattdessen geht man den platten Weg und so verkommt Chernobyl Diaries zu einem belanglosen Horrorfilm von der Stange. Dies ist insofern bedauerlich, da man an einigen Stellen erkennt, dass so viel mehr möglich gewesen wäre.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 4.4/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 7
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Liste von shitneyy
Erstellt: 20.05.2015