Cosmopolis (2012)

OT: Cosmopolis - xx Minuten - Drama
Cosmopolis (2012)
Kinostart: 05.07.2012
DVD-Start: 29.10.2012 - Blu-ray-Start: 29.10.2012
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Filmkritik zu Cosmopolis

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Unsicherheit, Angst, Verzweiflung - wie es mit der kapitalistischen Weltordnung weitergeht steht in den Sternen, aber man muss schon angestrengt wegsehen um nicht das Rumoren, das Beben innerhalb des Systems zu spüren. Die “echten” Menschen entfernen sich immer weiter vom Finanzhochadel - was die Reichen und Mächtigen da oben machen bleibt diffus, verborgen und in vielen Fällen absolut nicht zu verstehen. Doch wie lange kann sich dieser Zustand noch selbst aufrecht halten? Und vor allem: Wie kann man versuchen das Ticken der Welt zu beschreiben, wenn es doch augescheinlich kaum jemand mehr versteht? David Cronenberg versucht mit seiner fiebrigen, durchgeknallten und faszinierenden Anklage Cosmopolis eine verrückte Welt zu beschreiben - und er tut dies standesgemäß mit einem durchgeknallten Film.

 

Eric Packer (Robert Pattinson) hat alles: Er sieht gut aus, schwimmt im Geld und ist einer der absolut besten seines Fachs - und sein Fach sind die abstrakten, undurchsichtigen Finanzgebilde, die Menschen zu Milliardären machen und selbst Staaten in den Ruin treiben können. Etwas weniger sattelfest ist er im Umgang mit den Frauen in seinem Leben: Die zahlreichen, wahllosen Dirnen, die ihm in seiner Limousine (die gleichzeitig sein Büro ist) besuchen sind kein Problem, aber im Versuch ein normales Gespräch mit seiner Frau Elise (Sarah Gadon) zu führen scheitert er grandios. Doch das alles wäre nur halb so schlimm, würde es nicht einige weitere Probleme geben. Angeblich hat es ein Killer auf ihn abgesehen und was noch viel schlimmer ist: Bei den Spekulationen auf den Yuan scheint sich Eric das erste Mal verschätzt zu haben und im Angesicht seiner eigenen Fehlbarkeit beginnt seine Welt zu bröckeln...

 

David Cronenbergs Cosmopolis ist ein kleiner, überschaubarer und höchst faszinierender Film, der mit wenigen Schauplätzen versucht den Wahnsinn einer Generation zu erklären. Fast den ganzen Film verfolgen wir Eric in seiner Limousine und verlassen das Fahrzeug nur in Ausnahmefällen. Doch das ist auch gar nicht notwendig - das gepanzerte Fahrzeug mit Hightechausstattung wird zur perfekten Metapher für einen ruhelos Umherirrenden, der sein gesamtes Talent einsetzt um obskure Zahlenspiele zu betreiben. Emotionen oder gar einen Sinn sucht man vergebens, stattdessen spielt Robert Pattinson einen eiskalten Getriebenen, der haifischartig durch die Straßen der Stadt driftet und dabei versucht immer am Puls der Zeit zu bleiben - man meint fast er würde sterben, wenn er halten würde.

 

Umgeben wird er von der ganzen Härte und dem ganzen Wut der Welt - Proteste, verzweifelnde Menschen, ankommende Präsidenten und ein Trauerzug für einen Rapper, der sich aufbäumende Schmelztigel bleibt bisweilen genauso abstrus wie die Wahnsinnigkeiten einer Hauptfigur vor dem völligen Kollaps. Dieser Kollaps, die finale Apokalypse ist überhaupt etwas was in verschiedendsten Formen über den Köpfen aller schwebt (die Zuseher sind dabei nicht ausgenommen). Man meint fast Cronenberg würde hier das Prequel zu einem Weltuntergangsfilm inszenieren und wenn man in die seltsam wissend grinsende Fratze eines Robert Pattinson blickt, den der gesamte Wahnsinn nur mehr amüsiert, dann scheint es fast so als würde er schon mehr wissen  - und könnte sich über die winzigen Probleme von panischen Demonstranten nur noch belustigen.

 

Cosmopolis ist dabei allerdings kein einfacher Film. Die Handlung setzt sich aus vielen Einzelmomenten zusammen. Immer wieder trifft Eric auf neue Gesprächspartner in seiner Limousine - und die dabei prophetisch verworrenen Dialoghülsen verstärken nur weiter den völlig wahnsinnigen Charakter des Films. Belangsloses wird zelebriert, scheinbar bedeutungsvolles wird zum Hintergrundrauschen und durch den dichten Nebel der undurchschaubaren Welt leuchtet immer nur das absolute Chaos als mögliche Endstation. Dabei bleiben dem Zuseher nur zwei Möglichkeiten: Man lässt sich auf diesen wirren Strom des Wahnsinns ein und sieht eine verblüffend und beängstigende Interpretation der modernen Welt, oder man blockt die Absurditäten ab und wird dementsprechend auch nichts mit dem Film anfangen können.

 

Fazit:
David Cronenbergs Cosmopolis ist ein bemerekenswerter Blick auf den Wahnsinn der modernen Welt und schafft es uns mit voller Breitseite die Absurditäten unserer Gesellschaft (und ganz besonders der Hochfinanz) in den Kopf zu hämmern. Robert Pattinson brilliert als eiskalter Finanzadeliger, der die Welt als seinen Spielplatz und sich selbst als Kronprinz der Welt sieht und dabei jeden Bezug zur Realität verloren hat. Gemeinsam mit ihm verbringt das Publikum einen Tag in seinem Goldenen Käfig, der in Form einer Limousine quer durch die Stadt tuckert und dabei immer wieder der rauen Wirklichkeit begegnet - jedoch einer Wirklichkeit, die eh schon egal zu sein scheint. Mit Cosmopolis ist David Cronenberg jedenfalls ein faszinierendes Portrait unserer Zeit gelungen, das unbequem nachhallt.

 

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 12
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Erstellt: 27.09.2012