V wie Vendetta

OT: -  120 Minuten -  Action
V wie Vendetta
Kinostart: 16.03.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu V wie Vendetta

Von am

 

Freiheit für immer!

 

England im Jahre 2020, die Bevölkerung ist durch eine Reihe von terroristischen Angriffen und Virusepidemien wieder empfänglich für ein totalitäres Staatsregime geworden. Gelenkt wird der Staat vom unterdrückenden Diktator Adam Sutler (John Hurt). Kennzeichnend für die Lebensbedingungen sind die üblichen, zum Beispiel in 1984 proklamierten, Rahmenbedingungen der allgegenwärtigen Medienpropaganda, der Unterdrückung und der Orwellschen Überwachung. Das Volk hat sich längst mit seinem Schicksal abgefunden und verbringt die Zeit lieber vor dem Fernseher um der Parteipropaganda zu folgen, anstatt sich zu erheben und um die Freiheit zu kämpfen. In diesem Rahmen erzählt uns V wie Vendetta seine durchaus spannenden Geschichte: Die junge Evey (Natalie Portman), deren Eltern von der Partei bei einer Revolte getötet wurden, verstößt gegen die Ausgangsperre um sich mit dem Fernsehmoderator Gordon (Stephen Fry) zu treffen. Auf dem Weg zu ihrem Treffen wird sie von Fingermännern (Spitzelmänner der Partei) entdeckt, die sie aus Strafe für ihr Vergehen vergewaltigen wollen. Im letzten Moment kann sie der Freiheitskämpfer V (Hugo Weaving) retten. V hat sich zum Ziel gesetzt das System zu stürzen und will als Andenken an Guy Fawkes das Parlament sprengen. Er wendet sich an das Volk und fordert alle auf die an der Freiheit interessiert sind am 5 November, dem Guy Fawkes Day, mit ihm gemeinsam das Parlament zu stürzen...

 

V wie Vendetta stammt aus der Feder der berühmten Wachowski Brüder, die mit ihrem Blockbuster Matrix das Action Genre für immer veränderten und basiert auf einem Comic von Kultautor Alan Moore. Die Wachowski Brüder erklärten bereits vor längerer Zeit das eine Adaption von Alan Moores totalitärer Zukunftsvision V wie Vendetta ihr Wunschprojekt ist. Umso verwunderlicher ist deshalb die Tatsache dass sie die Regie ihrem Assistenten James McTeigue überließen.

 

V wie Vendetta zeigt große Ambitionen und man will ihm seinen intelligenten Ansatz auch gar nicht absprechen, jedoch ist die Umsetzung lediglich eine Mainstreamkompatible light Version einer Orwellschen Kultur, dessen Bedrohung den ganzen Film über nicht wirklich zum Vorschein kommt. Zwar zeigt der Film sehr wohl die allgegenwärtige Unterdrückung der Bevölkerung und gelegentliche Besuche der Polizei, die unliebsame Bürger mitnimmt, jedoch wirkt das ganze Szenario viel zu locker und unbedrückend um eine wahre Abschreckung vor einem totalitären Regime zu erzeugen. Es fehlen wirklich schockierende Szenen, die dem Zuseher zeigen welch grausame Konsequenzen ein solches faschistisches System, das unweigerlich an das Deutschland während des zweiten Weltkrieges erinnert, hat. Es wird dem ganzen Film über nicht wirklich gezeigt warum die Bevölkerung überhaupt revoltieren will, da die Unterdrückung einfach nicht genug beleuchtet wurde. Der Look des Films erinnert stark an unsere heutige Welt, wodurch sich wiederum eine Identifizierung mit der unterdrückten Bevölkerung erschwert, da man nicht nachvollziehen kann warum es ihnen eigentlich schlecht geht. An dieser Situation kann auch V´s Apartment nichts ändern, das mit vielen verbotenen Kunstwerken ausgestattet wurde, obwohl eigentlich der ganze Film nichts über ein Verbot von Kunstgegenständen erzählt, und auch die Einrichtung der anderen Bewohner nicht auf ein solches Verbot schließen lässt. Weiters fehlt eine genaue Beleuchtung die im Detail erklärt wie es wirklich soweit kommt das die Regierung ihr System auf diese Weise aufbaut und die Bevölkerung unterdrückt. Dieser mangelnde Tiefgang, genau in dem Punkt auf dem die gesamte Sozialkritik des Films aufbaut ist der Hauptgrund für sein scheitern. Man hätte sich viel mehr Zeit für den unterdrückenden Staat nehmen sollen, um klarzustellen warum die Revolte, die V anzetteln will unabwendbar für die Bevölkerung ist. Dann hätte der Film auch wesentlich besser gewirkt und wäre mehr als nur eine zwar kurzweilige, aber leider auch viel zu seichte Comicadaption geworden.

 

Eine weitere Blockierung der sozialkritischen Ansätze liegt in der teilweise stark theatralischen Inszenierung und der unheimlich gekünstelt wirkenden Handlung, in der der übermächtige Held, in Person des V, nicht unbedingt zur Glaubwürdigkeit des Szenarios beiträgt. Wirklich überzeugende Szenen sind zum Beispiel die Gefangenschaft von Evey, in der sie erst durch ihrer Konfrontation mit dem Tod ihre Angst ablegen kann und als gestärkter Mensch hervorgeht, oder das kurz vor dem Ende angelegt Domino Spiel von V, in dem  er das Dominoartige Gebilde Staat symbolisch zusammenstürzen lässt, in dem er den ersten Stein umwirft, und somit seine eigne geplante Revolution in Bilder fasst.

 

Überhaupt findet sich in der Person des V der größte Pluspunkt von V wie Vendetta. Sein Charakter ist schmutzig und mit vielen persönlichen Abgründen versehen. Er entspricht keinem Hollywood Klischee, sondern wendet auch härtere Methoden an um sich seinem Ziel näher zu bringen. Mord und Terror sind für ihn zweckdienliche Maßnahmen den Staat zu stürzen. Gekonnt ergänzt werden seine toll ausgearbeiteten Charakterzüge durch die unglaublich gut passenden Zitate, von großteils literarischen Ursprungs, die sich im Gegensatz zu den Teilweise unpassenden Zitaten der Matrix Sequels, die nur als pseudokritische Anekdoten eingefügt wurden, perfekt ins Gesamtbild des Films einfügen und die jeweiligen Situationen gekonnt unterstützen. Perfekt ergänzt wird er durch die ihm zur Seite stehende Evey, die von Natalie Portman gekonnt in Szene gesetzt wird.

 

Leider bleibt V auch der einzige wirklich Klischeefreie Punkt in V wie Vendetta. Evey zum Beispiel wird absolut Hollywoodtypisch in eine Familie geboren in der beide Eltern von der Regierung hingerichtet wurden. Alles wirkt genauso wie man es erwartet. Für Stirnrunzeln sorgt auch der überzogene Austritt von V aus der Feuersbrunst, die ihm ohne jeden Grund in die Position eines allmächtigen Superhelden hebt. Dem ganzen wird in der dramaturgisch lahmen Showdown Sequenz die Krone aufgesetzt, als sich die Bevölkerung vereint und alle, als Hommage an V, mit Guy Fawkes Masken bedeckten Gesichtern das Parlament stürmen. Weniger gekünstelte Situationen und vor allem weniger Klischeeüberladene Szenen hätten hier Wunder bewirkt.

 

Schauspielerisch lässt sich an V wie Vendetta generell nicht viel bemängeln. In der Hauptrolle glänzt, der aus seiner Rolle als Agent Smith in Matrix bekannte, Hugo Weaving, dessen Gesicht den ganzen Film über von seiner Guy Fawkes Maske verdeckt wird. Trotz verzicht auf sein Mimikspiel kann er vor allem durch überragende Körpersprache der Rolle des V genügend Tiefe verleihen. Neben ihm zeigt die grandiose Natalie Portman erneut dass ihre peinlichen, seichten Darbietungen der Prinzessin Amidala in Star Wars vorbei sind. Sie schließt nahtlos an ihre großartigen Leistungen von Garden State und Closer an und zeigt dass ihre Karriere weiterhin steil bergauf geht. Sie zeigt die Charakterwandlung der ängstlichen Evey in die Glatzköpfige Freiheitskämpferin ausgezeichnet und liefert in jeder Situation viel Talent und Einsatz. 

 

Insgesamt lässt V wie Vendetta einen ziemlich bitteren Nachgeschmack zurück. Zwar versteht der Film es durchaus zu unterhalten und bietet mit V auch eine beeindruckende Figur, aber insgesamt bleibt V wie Vendetta ein überraschend seichter Versuch, die Problematik eines totalitären Regimes aufzuzeigen und die Zuseher zum denken anzuregen. Zwar legt der Film mehr Wert auf seine Handlung, als auf Action Sequenzen, aber dennoch schafft er es nicht die gewollte Sozialkritik zu übermitteln und scheitert vor allem an viel zu Klischeehaften Szenen, die auf Grund mangelnder Schockwirkung es nicht schaffen die gewünschte Thematik ausreichend zu beleuchten. Was übrig bleibt ist ein Film dessen Aussage zwar offensichtlich erkennbar ist, aber dessen seichte Herangehensweise es nicht schafft die soziale Diskrepanz eines solchen Systems aufzuzeigen. Somit bietet V wie Vendetta zwar durchwegs kurzweilige Unterhaltung, ist aber als sozialkritischer Film als gescheitert zu betrachten.

 

 Fazit:

V wie Vendetta stellt einen anspruchslosen Versuch dar die Problematik eines totalitären System aufzuzeigen und scheitert dabei leider auf Grund mangelnder Hintergrundbeleuchtung eben jener Regierung.

 

Wertung:

6,0/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 79
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